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20. Mai 2026

Von Klosterwald bis Schulgarten: Orden im Einsatz für biologische Vielfalt

Seit 1994 ruft die UNESCO jährlich zum „Internationalen Tag der biologischen Vielfalt“ auf, seit 2001 wird er am 22. Mai gefeiert – so auch 2026. Mit dem Tag soll Bewusstsein für Artenvielfalt geschaffen werden. Auch Ordensgemeinschaften engagieren sich in diesem Bereich, denn ein bewusster Umgang mit der Schöpfung ist Teil der christlichen Grundhaltung.

Das Stift Rein und das Meinhardinum, das Gymnasium des Stiftes Stams, setzen sich mit ihren Gärten besonders für den Erhalt der Biodiversität ein.

Das Stift Rein und das Meinhardinum, das Gymnasium des Stiftes Stams, setzen sich mit ihren Gärten besonders für den Erhalt der Biodiversität ein. (c) siehe Angaben direkt im Bild

 

Für Sr. Anneliese Herzig, Leiterin des Bereichs Mission und Soziales der Österreichischen Ordenskonferenz, ist klar: „Der Erhalt der Biodiversität ist ein Anliegen, das von vielen Ordensgemeinschaften und ihren Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäusern geteilt wird. Hier sehen wir uns heute vor Herausforderungen gestellt, die nach mutigen Entscheidungen und kreativem Erproben verlangen. Als katholische Ordensgemeinschaften mit oft jahrhundertelanger Tradition können wir dabei auf Werte zurückgreifen, die schon unsere Vorfahren geleitet haben. So gibt es etwa klösterliche Regeln, die im Kloster Bereiche vorsehen, die nicht wirtschaftlich genutzt werden, sondern der Meditation und dem Staunen über die Vielfalt dienen sollen.“

 

Drei Beispiele für Ordensgemeinschaften und Ordenseinrichtungen, die sich besonders für den Erhalt der Biodiversität einsetzen, sind das Zisterzienserstift Rein, die Benediktinerabtei Seckau und das Gymnasium des Stifts Stams – das Meinhardinum. Alle drei wurden Anfang des Jahres beim kirchlichen Umweltpreis, der unter anderem in der Kategorie Biodiversität vergeben wurde, mit Hauptpreisen ausgezeichnet.

 

Stift Rein: „Wilder“ Barockgarten

Das Zisterzienserstift Rein in der Steiermark gestaltete seinen Stiftsgarten als ersten „wilden“ Barockgarten – als naturnahen Gegenentwurf zu klassischen, streng gepflegten Anlagen. Auf rund 7.000 Quadratmetern prägen artenreiche Wildblumenwiesen mit regionalem Saatgut den Garten. Sie werden traditionell und abschnittsweise gemäht, um Insekten und Kleintiere zu schützen. Ein Kräuter- und Bauerngarten beherbergt alte Sorten sowie Heil- und Gewürzpflanzen als wichtige Nahrungsquelle für Bestäuber. Heimische Sträucher und Bäume wie Holler, Vogelbeere, Schlehe oder Korbweiden sowie alte steirische Obstsorten und der seltene Altai-Apfel fördern die Vielfalt. Ein Sandarium bietet Wildbienen Nistplätze, ein Reptilienbiotop schützt Echsen, Schlangen und Kröten. Wasserflächen wie Bach und Brunnen versorgen Tiere und fördern weitere Wasserorganismen.

 

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Das Zisterzienserstift Rein gestaltete seinen Stiftsgarten als ersten „wilden“ Barockgarten. (c) Gerd Neuhold/Sonntagsblatt & Stift Rein

 

Der Garten versteht sich zudem als Ort der Begegnung und Bildung. Bis 31. Oktober 2026 ist er sonntags von 10 bis 16 Uhr sowie im Rahmen von Führungen geöffnet, Schulen werden aktiv eingebunden. So verbindet der Stiftsgarten Tradition, ökologische Verantwortung und Naturerlebnis und lädt dazu ein, Vielfalt bewusst wahrzunehmen und zu schützen.

 

Abtei Seckau: Nachhaltiger Klosterwald

Der 170 Hektar große Klosterwald der Benediktinerabtei Seckau wird seit 35 Jahren nachhaltig genutzt – statt großflächiger Kahlschläge werden einzelne, reife Bäume geerntet. Diese wohl überlegten menschlichen Eingriffe ähneln dabei den natürlichen Störungen. So konnten Schäden durch Wind, Schnee und Borkenkäfer bisher gut abgefedert werden. Seltene Baumarten werden gezielt erhalten, zusätzlich werden rund 200 sogenannte Biotopbäume aus der Nutzung genommen und stehendes und liegendes Totholz wird zur Besiedelung für Totholzkäfer und holzabbauende Pilze bereitgestellt. Forstwege bilden wichtige Randlinien im Wildlebensraum.

 

Der Klosterwald der Benediktinerabtei Seckau wird seit 35 Jahren nachhaltig genutzt.

Der Klosterwald der Benediktinerabtei Seckau wird seit 35 Jahren nachhaltig genutzt. (c) Arcomonte26, Benediktinerstift Seckau, Luftbild 3, CC BY-SA 3.0 AT

 

Für den Klosterwald wurde der Benediktinerabtei 2002 der Staatspreis für vorbildliche Waldwirtschaft verliehen. Exkursionen, Waldbautrainings und waldpädagogische Führungen werden angeboten, dabei wollen die Benediktiner besonders junge Menschen gezielt ansprechen: So gibt es etwa ein dreitägiges Waldpädagogikprojekt „Leben im Klosterwald“ mit den 4./5. Klassen des Abteigymnasiums oder „Waldpädagogische Tage“ für die Schülerinnen und Schüler der Volks- und Mittelschule Seckau.

 

Meinhardinum des Stifts Stams: Schulgarten als „grünes Klassenzimmer“

Das Meinhardinum – das Gymnasium und Aufbaurealgymnasium des Zisterzienserstifts Stams – hat ausgehend von einer ungenutzten Wiese am Schulareal einen vielfältigen Naturraum geschaffen, der Lebensräume bietet, ökologische Kreisläufe erlebbar macht und als „grünes Klassenzimmer“ dient. Die Gestaltung orientiert sich dabei an ökologischen Prinzipien: heimische Pflanzen, eine Hecke mit essbaren Früchten, Obstbäume, eine Kräuterspirale, Hochbeete und ein Teich fördern die Artenvielfalt und ermöglichen Insekten einen natürlichen Lebensraum.

 

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Das Meinhardinum Stams hat ausgehend von einer ungenutzten Wiese am Schulareal einen vielfältigen Naturraum geschaffen. (c) Meinhardinum Stams 

 

Auch eine Eidechsenburg, ungestörte Wiesenflächen, Totholzbereiche und eine geodätische Kuppel, die aus vielen miteinander verbundenen Dreiecken besteht, als Rankgerüst sind im Garten zu finden. Diese Elemente bieten Rückzugsorte für Tiere und schaffen Lernanlässe für Themen wie Klimaschutz, Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft. Der Garten entwickelt sich laufend weiter – durch Pflanzaktionen, Beobachtungen und Pflege im Unterricht. Dank eines Freiluftklassenzimmers kann der Unterricht jederzeit ins Freie verlagert werden. In den Pausen bietet der Garten außerdem Platz für Entspannung, Sport und Spiel.

 

Engagement in verschiedenen Bereichen

Darüber hinaus setzen sich weitere Ordensgemeinschaften und -einrichtungen für den Erhalt der biologischen Vielfalt ein. Beim kirchlichen Umweltpreis wurden beispielsweise auch vier Ordenseinrichtungen mit Anerkennungspreisen in der Kategorie Biodiversität ausgezeichnet: 

  • das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Graz für seinen „heilenden Garten“
  • die Lebenswelten der Barmherzigen Brüder – Steiermark für ihre naturnahen Wald-, Wiesen- und Teichlandschaften am Stammsitz in Kainbach
  • das Pflegezentrum CS Kalksburg der Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis für sein nachhaltiges Gesamtkonzept mit u.a. maximierten Grünflächen und dem Verzicht auf fossile Energieträger
  • die Sozialwerke Clara Fey (gegründet durch die Kongregation der Schwestern vom armen Kinde Jesu) für ihre Arbeit mit rund 350 Kindern, Jugendlichen und junge Erwachsenen mit kognitiven Beeinträchtigungen an Themen wie Biodiversität, nachhaltigem Anbau und Umweltschutz

Quelle: Kirchlicher Umweltpreis

Weiterlesen:

Broschüre zum kirchlichen Umweltpreis

Kirchlicher Umweltpreis

Website des Zisterzienserstifts Rein

Zisterzienserstift Rein (Ordens-Wiki)

Website der Benediktinerabtei Seckau

Benediktinerabtei Seckau (Ordens-Wiki)

Website des Meinhardinums Stams

Website des Stifts Stams

Stift Stams (Ordens-Wiki)

 

[teresa bruckner]

 


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