Am 5. Mai 2026 findet im Karmelzentrum in Wien der Vortrag „Freiheit und Gnade: ein Gang durch ein Frühwerk Edith Steins“ mit Prof. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz statt. Der Vortrag greift Edith Steins frühes Denken auf und erschließt ihren Freiheitsbegriff zwischen Autonomie und Hingabe.
Der frühe Aufsatz „Freiheit und Gnade“ (1921) geht über die körperlich festgelegte Natur des Menschen deutlich hinaus. Edith Stein nimmt Freiheit als Schlüsselbegriff menschlichen Daseins. Aber wie ist Freiheit überhaupt möglich angesichts der menschlichen Nähe zum Tier? Selbsterkenntnis und Selbstdistanz ermöglichen jenen Abstand zur eigenen „Natur“, das Wählenkönnen, die Zustimmung oder Ablehnung des eigenen Trieblebens, die dem Tier nicht möglich ist. Doch ist Autonomie noch nicht die entscheidende Gestalt von Freiheit. Der mündige Mensch hat sich letztlich durchringen gegen die Grundversuchung aller Autonomie: die Selbsthabe. Sie bleibt solange leer, bis sie in die freie Hingabe mündet: an die göttliche Fülle. Dorthin wird ein Weg gezeichnet.