fr. Ewald Donhoffer
03. Juli 2026

Ein anderer Klang des Lebens

H. Ewald Nathanael Donhoffer war Orchesterdirigent, reiste von einer Vorstellung zur nächsten und bewahrte eine unterschriebene Kirchenaustrittserklärung in seinem Schreibtisch auf. In der aktuellen Folge von „Orden on air“ erzählt der Prämonstratenser-Chorherr, der sich selbst lieber als fr. Ewald bezeichnet, von seinem Weg ins Stift Schlägl und von seinen Aufgaben als Stiftskapellmeister sowie als Leiter des Konservatoriums für Kirchenmusik der Diözese Linz.

 

 

Download Foto fr. Ewald Donhoffer (c) ÖOK/tb

Aufgewachsen in Brunn am Gebirge, südlich von Wien, kam fr. Ewald Donhoffer früh mit der Musik in Berührung, lernte in der Musikschule Orgel und entschied sich schließlich dafür, das Instrument auch zu studieren. Dazu kamen Cembalo, Kirchenmusik und Orchesterdirigieren, das später auch zu seinem „Brotberuf“ werden sollte. Jahrelang reiste er von Vorstellung zu Vorstellung im In- und Ausland, doch das Musikgeschäft ermüdete ihn. „Ich habe gewusst, ich brauche noch etwas anderes, außer von einer Vorstellung zur nächsten zu reisen. Das war mir irgendwann einfach zu langweilig“, erklärt fr. Ewald.

 

Den Wunsch, Ordensmann und Priester zu werden, hatte er bereits mit zehn Jahren – geprägt von seinem Schulseelsorger, einem Trinitarier. Dann verlor er in der Pubertät zunächst allerdings das Interesse an der Kirche. 1995 – zur Zeit seines Studienbeginns in Wien – traf ihn die Groer-Krise mit voller Wucht. Dazu kam die Enttäuschung über eine Kirche, die als Moralapostel auftrat und gleichzeitig schwieg.

 

Jahrelang war fr. Ewald hauptberuflich Orchesterdirigent und reiste von einer Vorstellung zur nächsten.

Jahrelang war fr. Ewald hauptberuflich Orchesterdirigent und reiste von einer Vorstellung zur nächsten. (c) Stift Schlägl

 

Jahrelang lag daher eine unterschriebene Kirchenaustrittserklärung in seinem Schreibtisch. Ausgetreten ist er allerdings nie. „Ich habe dann auch wieder großartige Ordensleute kennengelernt“, begründet fr. Ewald seine Entscheidung und sagt: „Ich habe mir immer wieder gedacht, ich glaube ja trotzdem noch an dieses leere Grab und an diesen Ostermorgen.“ 2013, im Jahr der Wahl von Papst Franziskus, hatte er ein prägendes Erlebnis in Rom, 2016 wagte er schließlich den Eintritt in das Stift Schlägl im Mühlviertel und wurde 2025 zum Priester geweiht.

 

Wenn das Musizieren leichter wird

Doch was veränderte der Ordenseintritt an seiner Musik? „Ab dem Zeitpunkt, als ich 2013 irgendwann das Stundengebet für mich entdeckt habe, habe ich festgestellt, das Musizieren wird leichter“, sagt fr. Ewald. Die Musik musste nicht mehr alles tragen, nicht jeder Ton eine Welterklärung sein: „Ich habe damals beim Musizieren das erste Mal gemerkt, wie gut mir das Gebet tut.“ Heute hat die Musik für ihn vor allem einen Dienstcharakter: „Ich lasse mich brauchen für die Sache der Kirchenmusik, bin aber für mich selbst in einem Stadium, wo ich das Musizieren nicht mehr so unbedingt brauche.“

 

fr. Ewald Donhoffers musikalische Karriere begann an der Orgel.

fr. Ewald Donhoffers musikalische Karriere begann an der Orgel. (c) Stift Schlägl

 

Trotzdem ist die Musik nach wie vor sein Beruf. Als der damalige Stiftskapellmeister des Stifts Schlägl, H. Rupert Gottfried Frieberger, 2016 verstarb, übernahm fr. Ewald die kirchenmusikalischen Belange des Prämonstratenser-Chorherrenstifts und wurde 2023 offiziell zum Stiftskapellmeister ernannt. In dieser Aufgabe verwaltet er beispielsweise gemeinsam mit Stiftsorganist Nikita Gasser die Orgeln und ist für die verschiedenen Chöre zuständig. „Die Aufgaben reichen vom Responsorium in der lateinischen Vesper, von der einfachen deutschen Antiphon in der Laudes, dass die schön gestaltet ist und die Kantoren das gut singen, bis hin zum ganz normalen Sonntagsgottesdienst und bis zum Konzert, das hier auch in einer besonderen Weise Verkündigung sein soll“, erklärt er.

 

Unverzichtbar für die Liturgie

Für fr. Ewald ist Musik unverzichtbarer Bestandteil der Liturgie. Doch was kann Musik ausdrücken, was Worte alleine nicht schaffen? Er erklärt: „Was auffällt, ist, dass sich Texte ändern, je nachdem welche Melodie ich singe.“ Ein Lied, das in Dur davon handelt, sich freudig in den Dienst des Herrn zu stellen, bekommt in Moll den Charakter von Last und Zwang. „Das ist ein ganz klares Beispiel dafür, was Musik kann“, sagt er.

 

Für den Prämonstratenser-Chorherren, der außerdem Direktor des Konservatoriums für Kirchenmusik der Diözese Linz und damit einer Ausbildungsstätte für Kirchenmusiker:innen ist, ist aber auch klar, dass Kirchenmusik einen gewissen Qualitätsanspruch haben muss: „Über gut gemachte Kirchenmusik reden die Leute immer sehr gerne. Ich sage dann immer: ‚Dann ist hoffentlich auch klar, dass das Umgekehrte genauso wirkt – nämlich zerstörend.‘“

 

Für fr. Ewald Donhoffer ist klar: Kirchenmusik muss einen gewissen Qualitätsanspruch haben.

Für fr. Ewald Donhoffer ist klar: Kirchenmusik muss einen gewissen Qualitätsanspruch haben. (c) Christian Klenk

 

Kirchenmusik als Kulturauftrag

Die Ausbildung von Kirchenmusiker:innen ist laut fr. Ewald einerseits klarer Auftrag des Zweiten Vatikanischen Konzils, andererseits auch ein Kulturauftrag des Staates: „Österreich ist ein absolutes Kirchenmusikland.“ Rund 700 Schüler:innen zählen die Kirchenmusik-Konservatorien in Österreich insgesamt, das Linzer Konservatorium ist mit 40 bis 45 Schüler:innen mit Abstand am kleinsten. Die Nachfrage nach den Ausbildungsplätzen ist aber stets konstant, zu seiner Freude nimmt er außerdem wahr, dass das Interesse junger Menschen an der klassischen Kirchenmusik wieder zunimmt.

 

Die Musik hat fr. Ewald also nie verloren – er lebt sie heutzutage nur auf andere Weise. Sie dient und kann auch Gebet sein. Und manchmal, sagt fr. Ewald, ist seine Lieblingsmusik ohnehin die Stille. 

 

„Orden on air“ – der Podcast der Ordensgemeinschaften Österreich

Das Medienbüro hat im März 2022 mit dem Podcast „Orden on air“ einen neuen Medienkanal der Ordensgemeinschaften Österreich ins Leben gerufen. Und der Name ist Programm: Der Podcast der Ordensgemeinschaften Österreich holt Ordensfrauen und -männer vor den Vorhang und – im wahrsten Sinne des Wortes – vor das Mikrofon. Ziel ist es, interessante Persönlichkeiten und besondere Talente vorzustellen sowie das Engagement von Ordensleuten in den vielfältigen Bereichen des Lebens zu zeigen. Der Podcast der Ordensgemeinschaften Österreich ist überall zu hören, wo es Podcasts gibt.

 


 

Weiterlesen:

Website des Stiftes Schlägl

Stift Schlägl (Ordens-Wiki)

Website des Konservatoriums für Kirchenmusik der Diözese Linz

 

[teresa bruckner]