05. Oktober 2026

800 Jahre Tod des Hl. Franz von Assisi: Spiritualität als Auftrag für heute

Anlässlich des 800. Todestags des heiligen Franz von Assisi haben unter anderem der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, der Franziskaner-Provinzial Fritz Wenigwieser und die Franziskaner-Generaloberin Franziska Bruckner die Bedeutung des Heiligen für Frieden, Schöpfungsverantwortung und den Umgang mit Leben und Tod betont.

Erzbischof Franz Lackner

Transitus als Hoffnungsquelle: Erzbischof Lackner, der selbst dem Franziskanerorden angehört, feierte den Transitus-Gottesdienst am vergangenen Samstagabend gemeinsam mit Franziskanern, Kapuzinern, Angehörigen des Dritten Ordens, Schwestern der franziskanischen Ordensfamilie und Hunderten Gläubigen. © Franziskaner OFM (A/CH)

 

Der Transitus, der „Übergang“, erinnert an den Tod des heiligen Franz von Assisi am 4. Oktober 1226. Bei einer Transitus-Feier in der Salzburger Franziskanerkirche verwies Erzbischof Franz Lackner auf die Hoffnung, die vom Umgang des Heiligen mit seinem eigenen Tod ausgeht. In seiner Predigt schilderte Lackner die letzten Stunden des Heiligen: Franziskus betete Psalmen, ließ sich aus dem Evangelium vorlesen und erwartete seinen Tod auf dem Boden liegend. Er sei schließlich „fröhlich“ hinüber zum Vater gegangen, sagte der Erzbischof.

 

Gerade in einer Welt, „die immer wieder zu erkalten beginnt“, könne dieser Blick auf das Lebensende des heiligen Franziskus Hoffnung geben, erklärte Lackner. Am Anfang und am Ende des Lebens zeige sich nach seinen Worten, wie wichtig es sei, menschliches Leben in seiner Würde wahrzunehmen und sich letztlich in Gottes Hand geborgen zu wissen.

 

Vom Verwundeten zum Versöhnten

Franziskaner-Provinzial Fritz Wenigwieser verwies bei der Feier auf den persönlichen Weg des Heiligen. Franz von Assisi sei ein Mensch mit einem schwierigen Charakter und eigenen Verwundungen gewesen. Am Ende seines Lebens sei er jedoch mit Gott, mit sich selbst, mit den Menschen und mit der Schöpfung versöhnt gewesen. Dieser Weg habe bis heute Vorbildcharakter.

 

Sehnsucht nach Spiritualität

In einem Interview mit der St. Pöltner Kirchenzeitung „Kirche bunt“ hob Sr. Franziska Bruckner, Generaloberin der Franziskanerinnen Amstetten, die Bedeutung franziskanischer Werte für den Einsatz für Frieden, Schöpfung und ein gutes Miteinander der Religionen hervor. Franziskanische Spiritualität könne Menschen Orientierung geben, die auf der Suche nach Sinn und Spiritualität seien. Franziskus sei dabei nicht nur als geistliches Vorbild relevant, sondern gebe auch Impulse für den Umgang mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen.

 

Sr. Franziska Bruckner

Franziskanische Werte als Lebenskompass: Sr. Franziska Bruckner ist überzeugt, dass sich die Vorbildfunktion des heiligen Franz von Assisi nicht nur auf die spirituelle Dimension beschränkt, sondern auch das persönliche Leben und die Politik umfasst. © ÖOK/MSC

 

Einsatz für Frieden und Schöpfung

Franziskanische Gemeinschaften würden bis heute Menschen begleiten und sich gemeinsam mit ihnen für „klimagerechtes Handeln, für ein friedliches Zusammenleben, für ein gutes Miteinander der Religionen“ einsetzen, unterstrich die Generaloberin der Franziskanerinnen Amstetten.

 

Die Vorbildfunktion des Heiligen erschöpfe sich dabei nicht nur im Spirituellen - auch für die Politik würde sich aus dem franziskanischen Geist Konkretes ableiten lassen, zeigte sich die Ordensfrau überzeugt: „Allein, wenn ich an den Umgang des heiligen Franz von Assisi mit der Schöpfung denke, wird mir bewusst, wie sorgsam, behutsam und einfühlsam er seiner Mitwelt mit Achtung begegnet. Das würde im Blick auf die kriegerischen Auseinandersetzungen bedeuten, dass die in der Politik Verantwortlichen sich für den Dialog entscheiden, um Frieden zu schaffen. Im persönlichen Leben hieße es, auf Augenhöhe miteinander zu kommunizieren und gemeinsam Wege eines schöpfungsgerechten Umgangs zu suchen und umzusetzen.“

 

Quellen: Franziskaner in Österreich und Südtirol/kathpress