24. August 2026

Br. Stefan Walser: Junge Leute können an Biografie des hl. Franziskus andocken

Der deutsche Kapuziner und Theologe Br. Stefan Walser sieht im hl. Franziskus (1181/82-1226) einen Menschen, „der durch Krisen, Zweifel und Brüche gereift ist“ und deshalb heute Vorbild sein kann, vor allem auch für junge Menschen. Das sagte er im Interview mit dem Salzburger „Rupertusblatt“.

Br. Stefan Walser betonte im Interview mit dem Salzburger „Rupertusblatt“ die Vorbildwirkung des hl. Franziskus.

Br. Stefan Walser betonte im Interview mit dem Salzburger „Rupertusblatt“ die Vorbildwirkung des hl. Franziskus. (c) Erzdiözese Salzburg (eds)/Hiva Naghshi

 

Junge Leute könnten am Heiligen andocken, „wenn es etwa um den Streit mit dem Vater geht oder um den Franziskus, der nicht wusste, was er beruflich eigentlich machen soll“, sagte Br. Stefan Walser. Es sei faszinierend, mit einer Biografie zu arbeiten, „die nicht aus einem Guss ist“, denn: „Menschen stellen sich und ihren Glauben in verschiedenen Lebensphasen immer neu infrage.“

 

Gerade der christliche Glaube könne Menschen enorm helfen, Identität zu bilden, erklärte der Kapuziner und sagte weiter: „Wie bildet man Identität? Indem man über sich nachdenkt. Diese Selbstreflexion passiert im Glauben, allein durch Stille, durch Gebet. Im Gebet wird viel vor Gott erzählt. Auch die geistliche Begleitung, das Gehen zur Beichte oder Exerzitien machen, formt Identität.“ Mit anderen Worten: „Glaube ist eigentlich Identitätsbildung.“

 

Identitätsbildung nie abgeschlossen

Franziskus, dessen Todestag sich 2026 zum 800. Mal jährt, sei freilich nicht nur für junge Menschen attraktiv, sagte der Ordensmann. Seine letzten Worte sollen gewesen sein: „Brüder, lasst uns anfangen.“ – Br. Stefan Walser dazu: „Das ist für die nachkommende Generation großartig, wenn ein älterer Mensch sagt: ‚Ich bin nicht fertig‘ oder ‚Ihr könnt es anders machen‘.“ Fazit: „Identitätsbildung und das Wachsen im Glauben sind nie abgeschlossen.“

 

Zur Frage, ob die Identitätsbildung in der oft lauten und schnelllebigen Gegenwart zu kurz kommt, meinte der Ordensmann: „Wir leben nicht in einer schnelllebigen Zeit – wir machen uns eine schnelllebige Zeit. Denn manches kann ich durchaus beeinflussen. Zum Beispiel was ich mir im Urlaub noch alles antue. Oder wie viel ich digital unterwegs bin.“

 

Das gesamte Interview mit Br. Stefan Walser in Videoform. (c) YouTube Erzdiözese Salzburg

 

Referent am Österreichischen Ordenstag

Der Kapuziner Br. Stefan Walser wird am 24. November 2026 außerdem einer der Referenten am großen Österreichischen Ordenstag im Rahmen der Ordenstagungen sein. Die Veranstaltung, die im Wiener Kardinal König Haus stattfindet, steht 2026 unter dem Motto „Worauf es ankommt…“. Mehr Informationen dazu gibt es hier.

 

Br. Stefan Walser studierte in Münster Theologie – während seines Studiums fand er im Kapuzinerkloster einen Ort des Gebets und des Austauschs. 2006 trat er in den Kapuzinerorden ein und begleitet heute junge Menschen, die den Gedanken in sich tragen, Kapuziner zu werden. Außerdem ist er Juniorprofessor für Fundamentaltheologie und christliche Identitäten an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn. Er war Anfang August 2026 einer der Referenten bei den diesjährigen Salzburger Hochschulwochen, die sich mit der Frage „Wer wir sind und sein wollen“ befassten.

 

Quellen: Rupertusblatt, kathpress