Br. Brian Thomas über den Menschen im Zeitalter der KI

Br. Brian Thomas und Johannes Lackner beschäftigten sich im Doppelinterview mit dem Rupertusblatt mit Transhumanismus und Künstlicher Intelligenz. (c) Erzdiözese Salzburg (eds)/Hiva Naghshi
Br. Brian ist Kapuziner, studierter Politikwissenschafter und geistlicher Begleiter. Er beschäftigt sich mit gesellschaftlichen und politischen Fragen sowie mit den geistlichen Herausforderungen einer zunehmend technisierten Welt. Johannes Lackner beschäftigt sich wissenschaftlich mit Transhumanismus und ethischen Fragen rund um Künstliche Intelligenz. Beide sehen die technologischen Umbrüche nicht nur als technische oder politische Entwicklung. Für sie berühren sie grundlegende Fragen nach Freiheit, Würde, Verantwortung, Hoffnung und Glauben.
Lackner beschreibt Transhumanismus folgendermaßen: „Transhumanismus ist eine Denkbewegung, die den Menschen mithilfe von Technologie verbessern oder sogar überwinden möchte. Es geht nicht nur um die Heilung von Krankheiten, sondern um die Optimierung des gesunden Menschen – etwa durch Gentechnik, Mensch-Maschine-Schnittstellen oder Künstliche Intelligenz.“ Dabei seien laut Br. Brian zwei Bereiche zu unterscheiden: die Verbesserung des Körpers und die Optimierung des Geistes bis hin zum Gedanken eines „Uploads“ des Bewusstseins.
Nicht moralisch verurteilen
Diese Bewegung dürfe nicht einfach moralisch verurteilt werden. „Sie macht deutlich, dass der Mensch spürt: So, wie die Welt ist, sollte sie eigentlich nicht sein. Krankheit, Leid und Tod widersprechen einer tiefen Sehnsucht nach Erfüllung“, erklärt Br. Brian. Die entscheidende Frage sei jedoch: „Versuchen wir, unsere Geschöpflichkeit abzuschaffen, oder lassen wir uns von Gott erlösen?“
Auch in der Künstlichen Intelligenz (KI) ist für den Kapuziner eine solche Sehnsucht erkennbar, etwa nach Wahrheit und Orientierung. „Doch KI bleibt von Daten, Algorithmen und den Wertvorstellungen ihrer Entwickler geprägt. Sie kann niemals den ganzen Blick auf die Wirklichkeit besitzen. Deshalb braucht es Menschen, die Ergebnisse prüfen und Verantwortung übernehmen.“
„Mensch ist Leib und Seele“
Was den Menschen einzigartig macht, sieht Br. Brian nicht in Intelligenz oder Leistungsfähigkeit. Personsein bedeute mehr: „Der Mensch ist Leib und Seele. Er lebt von Beziehung, Hingabe und Verantwortung.“ Lackner nimmt dabei vor allem Bezug auf die Würde des Menschen: „Seine Würde hängt nicht davon ab, was er kann oder wie produktiv er ist, sondern davon, dass er Mensch ist. Als Christen begründen wir das damit, dass jeder Mensch Ebenbild Gottes ist. Diese Würde darf nicht von Intelligenz, Gesundheit, Alter oder technischer Leistungsfähigkeit abhängig gemacht werden.“
Für die Kirche bedeute das, Menschenwürde nicht nur zu verkünden, sondern konkret zu leben. Br. Brian verweist auf Mutter Teresa, die den Schwächsten Würde zugesprochen habe, indem sie ihnen persönlich begegnete. In einer zunehmend technisierten Welt brauche es deshalb vor allem eine „Kultur der Beziehung und Nächstenliebe“.
Hoffnung auf Gott statt Technik
Auch gegenüber dem technischen Fortschritt plädieren Br. Brian und Lackner nicht für Ablehnung. Klar ist für den Kapuziner aber: „Sobald wir unsere Hoffnung ausschließlich auf technische Möglichkeiten setzen, verlieren wir den Blick für das Wesentliche. Wahre Hoffnung richtet sich auf Gott und schenkt Freiheit im Umgang mit Technik.“
In der KI sieht Br. Brian auch eine Chance. Zwar werde sie die Versuchung verstärken, sich einen Ersatzgott zu schaffen. „Gleichzeitig wächst aber auch die Sehnsucht nach echter Wahrheit, Beziehung und Transzendenz. Gerade deshalb sehe ich in dieser Entwicklung eine Chance für eine neue Entdeckung des Menschen und des Glaubens“, sagt Br. Brian. Lackner fügt hinzu: „Entscheidend bleibt, dass die Würde des Menschen auch in einer digitalen Zukunft das Maß aller Entwicklungen bleibt. Wir sollten uns nicht von der Faszination des technisch Machbaren bestimmen lassen, sondern von der Frage, welche Welt wir für den Menschen gestalten wollen.“
Quelle: Rupertusblatt