05. August 2026

Salzburg: Opernstar bereitete Franziskus-Rolle im Kapuzinerkloster vor

Der kanadische Bassbariton Philippe Sly griff in der Vorbereitung auf die Titelrolle in Olivier Messiaens Oper Saint François d'Assise im Rahmen der Salzburger Festspiele auf ungewöhnliche Methoden zurück: Er zog für zweieinhalb Monate ins Salzburger Kapuzinerkloster. Ihre Premiere feierte die Neuinszenierung am 4. August 2026. 

Zur Vorereitung auf seine Titelrolle Olivier Messiaens Oper Saint François d'Assise zog der kanadische Bassbariton Philippe Sly ür zweieinhalb Monate ins Salzburger Kapuzinerkloster.

Zur Vorereitung auf seine Titelrolle Olivier Messiaens Oper Saint François d'Assise zog der kanadische Bassbariton Philippe Sly ür zweieinhalb Monate ins Salzburger Kapuzinerkloster. (c) Erzdiözese Salzburg (eds)/Hiva Naghshi

 

Im Gespräch mit dem Rupertusblatt betonte Philippe Sly, dass die Vorbereitung auf seine Rolle bereits lange vor seiner Ankunft in Salzburg begonnen habe – er habe die Rolle seit Jänner 2025 gelernt, denn „Messiaens Musik ist außerordentlich komplex und die Partie des Franziskus ist sehr lang und anspruchsvoll“. Während der Vorbereitung sei ihm der Gedanke gekommen, sich eine franziskanische Gemeinschaft zu suchen, um dort während der Festspiele mitzuleben. „Mir wurde früh klar, dass man Franziskus nicht allein intellektuell verstehen kann. Sein Glaube erschließt sich durch das Leben, durch die Praxis“, erklärte Sly.

 

Daher habe er im Kapuzinerkloster angerufen: „Bruder Hans ging ans Telefon. Ich fragte, ob ich während der Festspiele bei den Brüdern wohnen dürfe. Er sagte schlicht: ‚Ja.‘ So unkompliziert war das.“ Dort lebte er im Rhythmus der Klostergemeinschaft, nahm so oft wie möglich an den Gebetszeiten teil und las täglich in der Bibel, denn: „Messiaen kannte die Heilige Schrift unglaublich gut. Je intensiver ich selbst die Bibel studiere, desto mehr erkenne ich, wie meisterhaft er diese Texte miteinander verknüpft hat.“

 

Von Last zu Flow

Zu Beginn seiner Vorbereitung habe er die Rolle als „große Last“ empfunden. Das Leben mit den Ordensbrüdern habe nach und nach dazu geführt, dass er „in einen Zustand des Flow“ versetzt worden sei. „Ich bin überzeugt, dass Gebet, Stille und Gemeinschaft wesentlich dazu beigetragen haben“, berichtete der Bassbariton.

 

Die Erfahrung im Kapuzinerkloster werde den Sänger auch über die Festspielzeit hinaus nachhaltig prägen. „Wenn man die Welt einmal mit anderen Augen gesehen hat, kann man das nicht mehr rückgängig machen“, sagte Sly. „Man kann die Wahrheit nicht wieder vergessen, wenn man sie einmal geschmeckt hat. Diese Erfahrung ist jetzt Teil meines Lebens. Ich glaube, meine Frau und meine Kinder werden merken, dass ich verändert zurückkomme.“

 

Seit Jänner 2025 bereitete sich Philippe Sly auf die anspruchsvolle Rolle des Hl. Franziskus vor.

Seit Jänner 2025 bereitete sich Philippe Sly auf die anspruchsvolle Rolle des Hl. Franziskus vor. (c) Salzburger Festspiele/Monika Rittershaus

 

Ein Moment in der Oper, der Sly besonders bewege, sei der Moment im letzten Akt, in dem Franziskus im Sterben ein Engel erscheine. Er wiederhole die Worte „Gott ist größer als dein Herz.“ Bei der ersten Probe dieser Szene habe er geweint. „Für mich fasst dieser Satz die ganze Oper zusammen. Er bedeutet, dass Gottes Liebe größer ist als alles, was wir uns vorstellen können. Größer als unsere Schuld. Größer als unsere Angst. Größer sogar als unsere Fähigkeit, uns selbst zu lieben“, erklärte der Bassbariton.

 

„Ich mag besonders seinen Humor“

Im Rupertusblatt darauf angesprochen, welches Bild des Hl. Franziskus ihn begleitet, meinte Sly: „Es gibt eigentlich mehrere. Da ist der Franziskus Messiaens. Dann der Franziskus unseres Regisseurs. Dann jenen, den ich hier bei den Brüdern kennengelernt habe. Und schließlich gibt es meinen ganz persönlichen Franziskus. Ich mag besonders seinen Humor. Ich glaube sogar, dass er manchmal über mich lacht.“

 

Verändert habe sich durch die Auseinandersetzung mit der Figur des Franziskus auch sein Verständnis seines Berufs. Die Branche sei von ständigem Wettbewerb sowie von einem starken Bewusstsein für das eigene Image und die Wahrnehmung durch andere geprägt, sagte der Künstler. Dies stehe im deutlichen Gegensatz zur Lebensvision des heiligen Franziskus. Im Mittelpunkt sollten Fragen nach der Erfüllung der eigenen Aufgaben, einem guten Miteinander im Kollegenkreis und dem Beitrag zu einem Arbeitsumfeld stehen, in dem sich alle gegenseitig unterstützen und weiterentwickeln können.

 

Die Oper Saint François d'Assise

Olivier Messiaens einzige Oper Saint François d’Assise zeichnet die spirituelle Entwicklung des heiligen Franz von Assisi nach. Das rund fünfstündige Werk erzählt keine durchgehende Handlung, sondern beleuchtet prägende Stationen seines Lebens. In der Salzburger Felsenreitschule wird die Oper mit großem Orchester und Chor umgesetzt. Der Chor bleibt dabei unsichtbar – eine bewusste Entscheidung Messiaens, der Gott nicht visuell darstellen wollte.

 

Die Uraufführung von Olivier Messiaens Saint François d'Assise fand 1983 in Paris statt. Die erste große Salzburger Aufführung erfolgte bereits 1992 bei den Salzburger Festspielen unter der musikalischen Leitung von Kent Nagano und in der Inszenierung von Herbert Wernicke.

 

Quellen: Rupertusblatt; kathpress