Br. David Steindl-Rast zum 100er: „Wurzel der Freude ist Dankbarkeit“
Br. David Steindl-Rast feiert am 12. Juli 2026 seinen 100. Geburtstag. (c) Toni Huber
„Die Wurzel der Freude ist Dankbarkeit“, sagt Br. David Steindl-Rast. Dankbarkeit sei eine Haltung, die jeder Mensch verstehe. „Dankbarkeit ist ein Wort, das jeder Mensch kennt. Viele andere Stichworte, die in der Spiritualität verwendet werden, sind sehr speziell und man muss erst lernen, was sie bedeuten. Aber Dankbarkeit versteht jedes Kind. (...) Ich freue mich über etwas Wichtiges, das mir völlig frei geschenkt wird. Ich muss nicht zahlen oder arbeiten dafür, ich muss mich nicht bemühen, es wird mir frei geschenkt. So gesehen ist das größte Geschenk das Leben selbst. Das ist mir eigentlich das Wichtigste in dieser ganzen Dankbarkeitsspiritualität: das Lebensvertrauen“, ist der Benediktiner überzeugt.
Wer dem Leben vertraut, sei schon dankbar. Heute hätten aber viele Menschen ihr Lebensvertrauen verloren und darum diese Schwierigkeit mit der Dankbarkeit. Die Frage müsse also heißen: „Wie können wir unser Lebensvertrauen wiedergewinnen?“ Laut Br. David Steindl-Rast sei das Lebensvertrauen aufgrund „unserer Oberflächlichkeit“ und einem Mangel an Ehrfurcht verloren gegangen. Diese lasse sich etwa in der Stille einer Kirche oder angesichts der Natur neu entdecken.
Gottesbeziehung angeboren
Die Gottesbeziehung sei jedem Menschen angeboren, betont der Benediktiner. Existenzielle Fragen nach Sinn, Ursprung und der richtigen Lebensweise stellten sich unabhängig von religiöser Zugehörigkeit. Die Religionen seien unterschiedliche Ausdrucksformen derselben menschlichen Suche und könnten viel voneinander lernen. „Überraschung“ sei sein liebster Name für Gott, denn Gott lasse sich nie festlegen.
Auch zu aktuellen ethischen Fragen nimmt der Br. David Steindl-Rast Stellung. In der Debatte um Sterbehilfe plädiert er dafür, dem Leben Vorrang einzuräumen und erinnert an den hippokratischen Eid der Ärzte. „Man weiß nie, was das Leben doch noch vorhat.“ Für sich selbst wünsche er sich keine Wiederbelebungsmaßnahmen, sondern „einen sanften Tod“.

Die ORF-Sendung „kreuz & quer nah dran“ hat Br. David Steindl-Rast am 7. Juli 2026 porträtiert. (c) ORF/Robert Neumüller
Seit einigen Jahren lebt Br. David Steindl-Rast im Europakloster Gut Aich. Das Leben in der klösterlichen Gemeinschaft bezeichnet er als Segen. Das Älterwerden sei zwar „sehr schwierig“, zugleich ermögliche ihm die Unterstützung seiner Mitbrüder, sich weniger mit körperlichen Einschränkungen beschäftigen zu müssen. Sein Leben würde er „Im Großen und Ganzen“ wieder genauso führen: „Ich würde auf jeden Fall wieder Mönch werden wollen.“
Kolloquium zum Geburtstag
Mit einem zweitägigen Kolloquium im Stift Kremsmünster wird am 10. und 11. Juli der Geburtstag von Br. David Steindl-Rast gebührend gefeiert. Die Veranstaltung steht unter dem Titel „Geheimnis des Lebens“. Neben Vorträgen umfasst das Programm spirituelle und kulturelle Elemente, u. a. eine Festmesse mit dem Wiener Erzbischof Josef Grünwidl sowie ein Live-Gesprächsformat mit Br. David selbst. Die bereits vor Anmeldeschluss ausgebuchte Veranstaltung wird aufgrund des großen Interesses auf dem YouTube-Kanal des Stiftes Kremsmünster via Livestream übertragen. Erwartet werden 450 Gäste, darunter auch internationales Publikum.
Auch die Ö1-Sendung „LEBENSKUNST – Begegnungen am Sonntagmorgen“ (7.05 bis 8.00 Uhr) widmet sich am 12. Juli 2026, dem 100. Geburtstag von Br. David Steindl-Rast, dem umfangreichen Lebenswerk des vielfach geachteten spirituellen Lehrers. Auch in der ORF-Sendung „kreuz & quer nah dran“ war bereits am 7. Juli 2026 ein Porträt des Benediktiners zu sehen.
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Zur Person
Br. David Steindl-Rast wurde 1926 in Wien geboren. Nach Studien an der Akademie der Bildenden Künste und der Universität Wien promovierte er in Psychologie und Anthropologie. 1953 trat er in das Benediktinerkloster Mount Saviour im US-Bundesstaat New York ein. Er ist Mitbegründer des Center for Spiritual Studies und seit Jahrzehnten eine zentrale Stimme im interreligiösen Dialog. Heute lebt und wirkt er im Europakloster Gut Aich.
Quelle: kathpress