25. Juni 2026

Kulturvermittlung in Graz: Auf der Suche nach Zeichen und Symbolen

Ganz symbolhaft ging es in Graz zu: Bei der Jahrestagung der ARGE Kulturvermittlung beschäftigten sich die Teilnehmenden mit der Sprache von Zeichen und Symbolen. In Vorträgen, Kirchenführungen und Praxisbeispielen im Rahmen des Franziskusjahres erkundeten sie, wie religiöse Bildsprache funktioniert, welche Bedeutungen sich hinter bekannten Motiven verbergen und warum viele Symbole bis heute nichts von ihrer Aussagekraft verloren haben.

Die Jahrestagungen der ARGE Kulturvermittlung fand dieses Mal in Graz statt. (c) ÖOK/emw | Download

 

Heimo Kaindl, Direktor des Diözesanmuseums Graz, gab den Teilnehmenden zu Beginn einen kurzen Einblick in die Theorie von Zeichen und Symbolen. „Wir haben täglich mit ihnen zu tun und wir verstehen die meisten, ohne darüber nachzudenken.“

 

Karin Mayer und Br. Andreas Holl

Karin Mayer, Bereichsleiterin Kultur und Dokumentation der Österreichischen Ordenskonferenz, eröffnete gemeinsam mit Br. Andreas Holl von den Franzikanern in Graz die Tagung. (c) ÖOK/emw

 

Schwer Verständliches sichtbar machen

Ein Symbol definiert er als „ein sichtbares Zeichen einer unsichtbaren Wirklichkeit“. Die Bedeutung von Zeichen ist oft klar, die Bedeutung von Symbolen erwächst aus der Tradition: „Das Kreuz als Zeichen steht für den Christentum. Als Symbol steht es für den Tod Jesus, für Erlösung und für die Hoffnung.“

 

Symbole sind deswegen für eine Religion so wichtig, weil sie „das schwer verständliche sichtbar und erfahrbar machen“. Der Heilige Geist als Taube, der Fisch, der auf die Taufe hinweist oder die Schlange als Symbol des Sündenfalls. Viele christliche Symbole seien bis heute geläufig, andere – wie etwa der Pelikan als Christussymbol – weitgehend in Vergessenheit geraten.

 

Heimo Kaindl

Der Direktor des Diözesanmuseums Heimo Kaindl sprach über die Theorie von Zeichen und Symbolen. (c) ÖOK/emw

 

Farbspiele

Eng verwandt mit den Symbolen sind die Farben. Purpurrot zeigt den Himmel, rot das Feuer. Gelb ist die Farbe der Galle, die Farbe des Judas, während Gold als Farbe Gott vorbehalten ist. „Es ist die einzige Farbe, die aus sich heraus leuchtet.“

 

Christlichen Hochfesten werden Farben zugeschrieben (Weihnachten – Weiß, Pfingsten – Rot)  – und auch Kleidung „Weiße Seide darf etwa nur der Papst tragen“, betont Kaindl. „Die weiße Kleidung der Zisterzienser ist aus Leinen.“

 

Martina Resch und Br. Andi Holl

Kulturvermittlerin Martina Resch (Diözese Linz) und Br. Andreas Holl in der Franziskanerkirche. (c) ÖOK/emw

 

Auf Spurensuche in der Kirche

In der Franziskanerkirche erkundete die Gruppe unter der Anleitung von Guardian Br. Andreas Holl und der Theologin Martina Resch (Diözese Linz) anschließend das Ausstattungsprogramm und spürte dort franziskanischer Spiritualität nach.

 

Zu wem würde Franziskus wohl heute predigen? Dieser Frage ging man den am Ambo dargestellten hl. Franziskus und seiner "Vogelpredigt" nach. Rosen in den Händen der hl. Elisabeth von Thüringen symbolisieren die christliche Nächstenliebe. Ein von der Benediktinerin Sr. Basilia Gürth gestaltetes Glasfenster zeigt den Hl. Franziskus, die Hl. Klara und den von ihr begründeten Orden der Klarissinnen. Hier versuchten die Teilnehmenden die Botschaft der Symbole, wie Rose, Vase, Salamander, zu entschlüsseln.

 

Die Statue des hl. Expeditus

Unbekannter Heiliger: hl. Expetitus von Melitene wird vor allem in Übersee verehrt. (c) ÖOK/emw

 

Unbekannter Heiliger Expeditus

Auf reges Interesse stieß die wenig bekannte Statue des hl. Expetitus von Melitene. Nichts an der Statue ist dem Zufall überlassen: Der rote Mantel über der grünen Tunika weist auf einen römischen Centurio hin. In der rechten Hand hält er ein Kreuz mit der Aufschrift „hodie“ – „heute“. Die Statue erzählt die Geschichte vom Märtyrer Expeditus. Als Symbol mahnt sie, wichtige Entscheidungen nicht aufzuschieben.

 

Entschlossenheit, Barmherzigkeit, Freundschaft, Verkündigung: Sie wurden durch die Übung nicht als historische Relikte verstanden, sondern als Ausdruck menschlicher Grunderfahrungen interpretiert, die bis heute aktuell sind, aber oftmals einer „Übersetzung“ bedürfen. Genau hier sind Kulturvermittler:innen gefragt.

 

Br. Andreas Holl und Gertraud Schaller-Pressler

Die Teilnehmer:innen durften die Franziskus-Jubiläumsschokolade verkosten. (c) ÖOK/emw

 

„Süße Pause“

Nach dem gemeinsamen Besuch der Messe, gab es mit der Verkostung der Franziskus-Jubiläumsschokolade eine „süße Pause“. Br. Andreas verrät, dass das Rezept vom hl. Franziskus höchstpersönlich stammt. In Kooperation mit Zotter – Linzbichler wurde die Schokolade dann erstmalig hergestellt. Von Gertraud Schaller-Pressler (Kirchen Kultur Graz) erfahren wir, dass schon nachproduziert werden musste – die Schokolade schmeckt nicht nur himmlisch, sondern kommt auch gut an.

 

Citypastoral in Graz

Das Team der Citypastoral Graz versucht, Menschen mit niederschwelligen Angeboten zu erreichen. (c) ÖOK/emw

 

Kreative Initiativen, historische Spurensuche und Oasen der Stille

Unter dem Motto „Symbolische Blitzlichter“ wurden verschiedene Projekte der Stadtkirche Graz und der Citypastoral vorgestellt. Regionalkoordinator und Kirchenführer Walter Schreiber erklärte die symbolträchtige Gestaltung des Brunnenhofs und weckte Interesse für die Erinnerungskultur, die auf das ehemalige jüdische Ghetto hinweist.

 

Das Kirchenjahr im „Kircheneck“: Erfolgreich präsent

Robert Hautz, Leiter des Kirchenecks und Referent für Spiritualität, zeigte, wie moderne Kirche mittels niederschwelliger Partizipation durch das Jahr hinweg die Menschen erreicht. Zu Beginn der Fastenzeit ist das „Aschenkreuz to go“ mittlerweile eine feste Größe der Citypastoral. Zum Ende des Schuljahrs können Schülerinnen und Schüler durch das „Segenstor“ gehen – eine beliebte Aktion, bei der auch Goodies wie bunte Armbänder oder auch Segenskärtchen nicht fehlen dürfen. Rund um das Erntedankfest lädt der „Dankebaum“ Menschen ein, darauf die Dinge festzuhalten, für die sie dankbar sind. Die kleinen Holztäfel werden später in Form gebracht.
In der Weihnachtszeit können Menschen ihre Wünsche aufschreiben und sie in eine bereitgestellte „rote Krippe“ geben. Für die Wünsche wird später in der Stadtkirche gebetet.

 

Dankebaum

Wofür die Menschen dankbar sind, können sie am „Dankebaum“ auf Holztäfelchen festhalten. (c) ÖOK/emw

 

Klang, Stille und Naturerlebnis

Gertraud Schaller-Pressler (Kirchen Kultur Graz) stellte im Anschluss weitere erfolgreiche Kulturprojekte vor, die in den vergangenen Jahren für Begeisterung sorgten. Sehr erfolgreich ist etwa der „Ankerplatz für die Seele“: Im Sommer verwandelt sich die Kirche beim „Sea Day“ in eine kühle Oase inklusive eingespieltem Meeresrauschen. Von Schauspielern eingesprochene Texte mit Wasserbezug wurden vorgespielt. Die Kirche erstrahlte in Blautönen. Zudem ist der Anker ein wichtiges christliches Symbol, der nicht nur viele See-Stadtwappen ziert, sondern als Tätowierung gemeinsam mit Kreuz und Herz das sogenannte „Seemannsgrab“ bildet und als Symbol für Glaube, Liebe, Hoffnung steht.

 

Weitere Aktionen sind etwa noch die

  • Schöpfungsstimmen. Gemeinsam mit Daniela Felber, Referentin für Schöpfungsverantwortung, wurde dieses Projekt realisiert, das den Heiligen Franziskus näherbrachte und die Besucher mit heimischen Vogelstimmen überraschte.
  • Grüntöne – Eine Klangoase nach Hildegard von Bingen: Ein faszinierendes musikalisches Projekt, das zeitgenössische Klänge mit historischer Musik aus der Abtei St. Hildegard verwob.

Nach einer gemeinsamen steirischen Jause im Stadtpfarrhof ging es zum Abschlusspunkt dieses Tages: auf Entdeckungstour mit der Taschenlampe durch den Grazer Dom!

 

Jahrestagung ARGE Kulturvermittlung in Graz 18.-19.06.2026

Highlight des ersten Tages: Sicherlich die nächtliche Taschenlampenführung im Grazer Dom. (c) ÖOK/emw 

 

Interaktive Kirchenerkundung in der Dreifaltigkeitskirche

Am zweiten Tag war der Auftakt ebenso kreativ wie dynamisch: In mehreren Gruppen bauten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Schaufassade der Kirche mit Holzbauklötzen nach. Durch dieses spielerische Gestalten wurden der architektonische Aufbau und die Struktur des Gebäudes für alle Beteiligten direkt sicht- und erfahrbar. Anschließend erkundeten sie unter Anleitung der Franziskanerin Sr. Vera Ronai und Elisabeth Glatzenberger (Stift Dürnstein und Herzogenburg) den Kirchenraum auf der Suche nach Formen, Symbolen und deren Bedeutung. Dabei wurden Architektur und Spiritualität auf neue Weise erfahrbar.

 

Im Inneren der Kirche ging die Entdeckungsreise weiter. Ausgestattet mit einem neuen Blick suchten die Teilnehmenden nach Kreisen, Ovalen, Rechtecken und Quadraten.

 

Der Höhepunkt der Erkundung führte die Gruppe vor den monumentalen Hochaltar. Durch das Zuordnen von konkreten Aussagen zu den dortigen Figuren und Objekten entschlüsselte sie den theologischen Aufbau: Von den Kirchenvätern über die Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe bis hin zur Heiligen Dreifaltigkeit wurde sichtbar, wie Symbolik den gesamten Kirchenraum prägt.

 

Jahrestagung der ARGE Kulturvermittlung in Graz 18.-19.06.2026

Mittels Bauklötzen wurde eine Kirchenfassade nachgebaut - so wurde der Raum sicht- und erfahrbar. (c) ÖOK/bw

 

Weitere Stationen führten ins Priesterseminar. Dort standen ein modernes „memento mori“ im Innenhof sowie die Hauskapelle mit ihren eindrucksvollen Glasfenstern im Mittelpunkt. Symbole und Zeichen spannten dabei den Bogen von zeitgenössischer Kunst bis zur gotischen Marienfigur.

 

Heilige Alltagshelfer

Nach dem Mittagessen im Refektorium des Priesterseminars rundete ein Besuch der Ausstellung „Heilige Alltagshelfer“ im Diözesanmuseum den Tag ab. Heimo Kaindl zeigte, welche Bedeutung einzelne Heilige bis heute für unseren Alltag besitzen. Vom wohlbekannten hl. Antonius, der als Schutzhelfer gilt, wenn Verlorenes wiedergefunden werden soll, bis hin zum weniger bekannten hl. Luigi Scrosoppi, der als Schutzheiliger für den Fußballsport angerufen werden soll.

 

Ein Tag voller neuer Perspektiven

Die Veranstaltung machte deutlich: Kirchenräume sind weit mehr als historische Gebäude. Sie sind Orte der Begegnung, der Inspiration und des Nachdenkens. Ihre Zeichen und Symbole erzählen Geschichten, die auch heute noch Orientierung sowie Anknüpfungspunkte geben und damit Menschen miteinander verbinden können.

 

Die Tagung wurde vom Bereich Kultur und Dokumentation der Österreichischen Ordenskonferenz in Kooperation mit dem Diözesanmuseum Graz und der Kirchen Kultur Graz veranstaltet.

 

Dankebaum
Karin Mayer von der Österreichischen Ordenskonferenz
Guardian Br. Andreas Holl
Die hl. Elisabeth von Thüringen
Die Schlange als Symbol
Symbole wie das Lamm zeugen von Jesu Christi
Kirchenführer Walter Schreiber
Jahrestagung der ARGE Kulturvermittlung in Graz 18.-19.06.2026
Gertraud Schaller-Pressler
Robert Hautz vom Kircheneck
Gertraud Schaller-Pressler
Jahrestagung der ARGE Kulturvermittlung in Graz 18./19.06.2026