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15. Juni 2026

„Ein Stück Wüste ist ein Stück Stille“

Anlässlich des Internationalen Tages der Wüstenbildung und Dürre am 17. Juni erinnert sich Kleine Schwester Monika Miriam Wedenig an sieben Jahre in Algerien, wo sie einige Monate in der Wüste mit Nomaden gelebt hat. Und sie zieht Lehren für unseren Umgang mit der Erde.

Kl. Sr. Monika Miriam und Kl. Sr. Noura in der Wüste 

Kl. Sr. Monika Miriam (li.) und Kl. Sr. Noura (re.) in der Wüste. Dass die Kleinen Schwestern Jesu überhaupt in die Wüste Nordafrikas zogen, hat seinen Ursprung in der Spiritualität der Gemeinschaft. © Kleine Schwestern Jesu

 

Wer einmal in der Wüste gelebt hat, schaut auf die Welt mit anderen Augen. Das weiß Kleine Schwester Monika Miriam Wedenig aus eigener Erfahrung. In den 1990er-Jahren lebte sie immer wieder mit Nomaden und Nomadinnen in Algerien – in El Abiodh, einem Hochplateau, wo die große Sahara beginnt, und in der Oase Beni Abbès. Insgesamt sieben Jahre verbrachte sie dort, eingebettet in Familien- und Sippenverbände. Nomaden wohnen in selbst genähten Zelten, leben mit Ziegen- und Schafherden und erleben die Jahreszeiten in ihrer ganzen Wucht: eisige Winter unter null Grad, glühende Sommer mit über 40 Grad.

 

Blühender Ginster in Beni Abbes

Blühender Ginster in der Wüste in der Oase Beni Abbès. © Kleine Schwestern Jesu

 

Gäste im Haus des Islam

Dass die Kleinen Schwestern Jesu überhaupt in die Wüste Nordafrikas zogen, hat seinen Ursprung in der Spiritualität der Gemeinschaft. Charles de Foucauld, der Ordensgründer, lebte selbst in der Wüste – ebenso wie Kleine Schwester Magdeleine Hutin, die Gründerin der Gemeinschaft. Für die Kleinen Schwestern gehört es zum Charisma, in islamisch geprägten Ländern zu leben: nicht als Missionarinnen, sondern als Gäste. „Wir sind Gäste im Haus des Islam“, sagt Sr. Monika Miriam. Begegnung auf Augenhöhe, Respekt, gelebtes Miteinander – das sind die Grundpfeiler dieser Präsenz.

 

Ein Nomade brachte es einmal schlicht auf den Punkt. Als ein Fremder ihn fragte, warum die europäischen Frauen bei ihnen wohnen, antwortete er: „Weil sie uns gern haben.“

 

Der Garten der Kleinen Schwestern Jesu in Beni Abbès. © Kleine Schwestern Jesu

 

Das einfache Leben – und seine Schönheit

Das Leben in der Wüste ist radikal auf das Wesentliche reduziert. Brot aus Wasser, Mehl und Hartweizengrieß – gebacken entweder auf offenem Feuer, heute oft auch mit Gas. Couscous als tägliche Mahlzeit. Wasser, das früher jeden zweiten Tag mit dem Esel vom Brunnen geholt werden musste. Sr. Monika Miriam sagt: „Von den Nomaden habe ich den Respekt vor dem Leben gelernt. Wenn Leben gelingt, ist es ein Gottesgeschenk.“

 

„Von den Nomaden habe ich den Respekt vor dem Leben gelernt. Wenn Leben gelingt, ist es ein Gottesgeschenk.“ Sr. Monika Miriam lebte immer wieder Nomad:innen in der Wüste.

 

Die Wüste wächst – und bedroht eine Lebensweise

Doch das Leben der Nomaden ist bedroht. Schon als Kl. Sr. Monika Miriam in den 1990er-Jahren dort lebte, war Desertifikation ein drängendes Thema. Fruchtbarer Boden geht verloren, die Wüste drängt in die Ortschaften vor. Tiere verenden, weil Wasser und Nahrung fehlen. Sträucher und Büsche, die als Brennholz genutzt werden, wachsen nicht mehr nach. Weniger Regen, Überbeweidung, fehlende Erholung der Böden – dazu immer längere Hitzephasen und dann plötzliche Starkregenereignisse mit Überschwemmungen. Der Klimawandel trifft die Wüste und die angrenzenden Gebiete mit voller Wucht.

 

Die Folge: Nomaden zieht es zunehmend in die Ortschaften. Sie werden sesshaft – nicht aus freier Wahl, sondern weil fruchtbares Land immer knapper wird und somit ein Leben in der Wüste unmöglich wird. Eine Jahrtausende alte Lebensweise gerät ins Wanken.

 

Sanddünen Beni Abbes

Sanddünen in Beni Abbès. Die Wüste wächst, fruchtbarer Boden geht verloren. Der Klimawandel trifft die Wüste und die angrenzenden Gebiete mit voller Wucht. © Kleine Schwestern Jesu

 

Was Europa tun kann

Was können wir von hier aus beitragen? Sr. Monika Miriam gibt eine klare, persönliche Antwort: „Je kleiner unser ökologischer Fußabdruck ist, desto besser. Alles hängt zusammen – wir leben alle auf einem Planeten, und wir haben nur diesen.“

Die Wüste hat sie gelehrt, mit wenig auszukommen. Wasser zu schätzen. Brot als Kostbarkeit zu begreifen. Und innezuhalten: „Was mir unendlich abgeht, ist die Stille. Ein Stück Wüste ist ein Stück Stille.“

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Weiterlesen:

Kl. Sr. Monika Miriam Wedenig: „Clownsein ist für mich Menschsein pur“

Mitten im Leben: Die Kleinen Schwestern Jesu im Grazer „Orangeland“

Kleine Schwestern Jesu

Kleine Schwestern Jesu (Ordens-Wiki)

 

[renate magerl]


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