Das Gedächtnis der Orden: Einblicke in zwei Ordensarchive

Anlässlich des „Internationalen Tages der Archive“ wirft die Österreichische Ordenkonferenz 2026 einen Blick in die Archive der Vorauer Marienschwestern und des Benediktinerstifts Admont. (c) ÖOK
Nahezu jede Ordensgemeinschaft verfügt über ein Archiv. Diese Einrichtungen bewahren nicht nur jahrhundertealte Dokumente, sondern ermöglichen auch zukünftigen Generationen einen Blick in die Vergangenheit. Häufig werden sie daher als „Gedächtnis der Orden“ bezeichnet. Je nach Ordensgemeinschaft unterscheiden sich die Archive in ihrer Größe, ihrem Umfang und den Zeiträumen, aus denen das Aktenmaterial stammt.
Ordensarchive als „lebende Archive“
Die Ordensarchive umfassen Dokumente vom achten Jahrhundert bis in die Gegenwart. Darunter finden sich Schätze wie Originalpläne von Prandtauer, Munggenast und Fischer von Erlach, ebenso wie Briefe von Martin Luther, Maria Theresia oder Feldmarschall Radetzky. Jedes Jahr wachsen diese Archive durch Zugänge aus den Ordensverwaltungen weiter. Sie werden daher als „lebende Archive“ bezeichnet.

Sr. Clara Maria Neubauer präsentiert anlässlich des „Internationalen Tages der Archive“ Exponate, die mit der Gründerin der Vorauer Marienschwestern, Barbara Sicharter, in Verbindung stehen. (c) ÖOK/rs
Karin Mayer, Leiterin des Bereichs Kultur und Dokumentation der Österreichischen Ordenskonferenz, betont: „Gerade in einer Zeit, in der Informationen schnell verloren gehen, Fakten zunehmend hinterfragt werden und digitale Daten meist nur kurz verfügbar sind, leisten Ordensarchive einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherung verlässlicher Quellen und historischer Wahrheit.“

P. Maximilian Schiefermüller präsentiert eine Totenrotel aus dem Archiv des Benediktinerstifts Admont. (c) ÖOK/rs
Einblicke in zwei Ordensarchive:
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Marienschwestern Vorau
Sr. Clara Maria Neubauer, die seit 2007 das Archiv und die Kulturgüter der Vorauer Marienschwestern betreut, präsentiert im Video die Archivräume. Außerdem stellt sie besondere Exponate vor, die mit der Gründerin der Schwesterngemeinschaft und des Marienkrankenhauses, Barbara Sicharter (*1829, †1905), in Verbindung stehen.
Benediktinerstift Admont
P. Maximilian Schiefermüller, Archivar, Bibliothekar und Prior des Benediktinerstifts Admont, stellt im Video einen mittelalterlichen Kettenbrief aus dem Stiftsarchiv vor. Dabei handelt es sich um eine Totenrotel – eine schriftliche Todesbotschaft auf einer Pergamentrolle – aus dem Jahr 1447. Sie wurde von einem „Rotelboten“ von Kloster zu Kloster gebracht, um Todesnachrichten zu verkünden.
Ordensarchive Österreichs
Die Arbeitsgemeinschaft der Ordensarchive Österreichs wurde 2003 ins Leben gerufen und dient der Interessensvertretung, der Unterstützung, der Vernetzung und dem Erfahrungsaustausch der Ordensarchive bei ihrer Tätigkeit. Zu fachlichen Fragen werden Tipps, Handreichungen und Hilfsmittel publiziert, etwa wenn es um den richtigen Umgang mit digitalen Dokumenten, die Bewertung von Unterlagen oder die Benützung von Archivgut geht.

Eines der Exponate aus dem Archiv der Vorauer Marienschwestern: Eine Schürze von Ordensgründerin Barbara Sicharter. (c) ÖOK/rs
Die Ordensarchive Österreichs sind in der Online-Datenbank „Ordens-Wiki“ erfasst. Zudem erscheinen in der Zeitschrift „Mitteilungen zu den Kulturgütern der Orden“ (MiKO) des Bereichs Kultur und Dokumentation regelmäßig interessante Fachvorträge rund um das Thema (Ordens)archiv.

Ganz oben auf der Totenrotel des Stifts Admont abgebildet: „Sanctus Blasius“, der Heilige Blasius, das Stiftswappen und das Wappen des Abtes Andreas Stettheimer. (c) ÖOK/rs
Anlässlich des diesjährigen „Internationalen Tages der Archive“ finden in Salzburg von 8. bis 12. Juni 2026 unter dem Motto „kunst*voll“ die „Tage der Archive“ statt. Mit dabei sind auch einige Ordensgemeinschaften: Das Archiv der Erzabtei St. Peter gibt am 9. Juni 2026 Einblick in seine kalligrafischen Erzeugnisse. Die Bibliothek des Benediktinerstifts präsentiert am darauffolgenden Tag Schreibkalender und ihre kunst*vollen Umschläge. Am 11. Juni 2026 bieten die Salzburger Franziskaner einen historischen, künstlerischen und musikalischen Streifzug durch ihr Kloster an.