Klosterneuburg: Stift und Stadt machen antisemitische Hintergründe sichtbar

Bürgermeister Christoph Kaufmann, Stiftskämmerer Elias Carr Can.Reg. und Kulturstadträtin Katharina Danninger (v.l.) enthüllten die Zusatztafel an der Pater-Abel-Straße in Klosterneuburg. (c) Stift Klosterneuburg/Christina Hiptmayr
Die ergänzenden Informationen sollen dazu beitragen, historische Zusammenhänge differenziert und aufklärend zu vermitteln und im jeweiligen zeitlichen Kontext verständlich einzuordnen. So trage das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg mit einer Gedenktafel dafür Sorge, dass die antijüdischen Äußerungen, die Jesuitenpater Heinrich Abel immer wieder in seinen Predigten kundtat, gemahnt werden.
Das Stift habe im Jahr 1933 eine Gedenktafel für P. Heinrich Abel angebracht, um dessen Einsatz für eine jährliche, rund um Leopoldi stattfindende Männerwallfahrt nach Klosterneuburg zu würdigen. „Wir bedauern Pater Abels antijüdische Äußerungen und bitten Gott und die Juden um Vergebung. Für die Gegenwart und die Zukunft ist es uns wichtig, eine aufrichtige und respektvolle Beziehung mit dem Volk des Ersten Bundes zu pflegen“, heißt es auf der Zusatztafel zur Gedenktafel im Stift.
„Raum für Auseinandersetzung mit der Geschichte“
Stiftskämmerer Elias Carr Can.Reg. hielt fest: „In einer Zeit, in der Kontroversen allzu rasch in gegenseitige Schuldzuweisungen und Beschimpfungen umschlagen, begrüßen wir die Gelegenheit zum Dialog, welche die Ergänzung zur Pater-Abel-Tafel bietet. Sie schafft Raum für eine Auseinandersetzung mit der Geschichte und lädt dazu ein, auch schwierige Aspekte nicht auszublenden. Solange wir leben, können wir lernen – und uns somit positiv verändern.“

Kulturstadträtin Katharina Danninger, Bürgermeister Christoph Kaufmann und Stiftskämmerer Elias Carr Can.Reg. (v.l..) vor der Zusatztafel der Pater-Abel-Gedenktafel in der Klosterneuburger Stiftsbasilika. (c) Stadtgemeinde Klosterneuburg/Barbara Lutz
Auch in der Pater Abel-Straße, in der Kernstockgasse und in der Adam-Müller-Guttenbrunn-Straße wurden erklärende Zusatztafeln angebracht. „Die drei Straßenzüge tragen die Namen von Ottokar Kernstock, Pater Abel und Adam Müller-Gutenbrunn – Persönlichkeiten, die im kulturellen und literarischen Leben ihrer Zeit eine Rolle spielten, deren Wirken aber zugleich zeitkritische Aspekte enthält, welche die Stadt nicht unkommentiert lassen möchte. Diese kleinen Tafeln mögen ein großes Zeichen sein – für Bewusstsein, Bildung und kritische Erinnerungskultur“, sagte Klosterneuburgs Bürgermeister Christoph Kaufmann.
„Spiegel unseres kollektiven Gedächtnisses“
Den Anstoß zu den Zusatztafeln gab Kulturstadträtin Katharina Danninger: „Dieses Thema bewegt viele – heute ist es so weit, wir setzen ein Zeichen für Erinnerung, Differenzierung und Verantwortung im Umgang mit unserer Geschichte. Denn Straßennamen sind nicht nur Orientierungspunkte im Alltag, sie sind auch Spiegel unseres kollektiven Gedächtnisses.“ Vor diesem Hintergrund wurden die Straßennamen „Adam-Müller-Gutenbrunn-Straße“, „Pater-Abel-Straße“ und „Kernstockgasse“ durch eine Expertenkommission umfassend geprüft.
Quelle: Stift Klosterneuburg