Ordenskirchen und ihre Fastentücher
In einigen Ordenskirchen sind in der Fastenzeit Fastentücher zu sehen. So zum Beispiel in der Linzer Karmelitenkirche (li.), im Stift Klosterneuburg (oben, Mitte) und in den Jesuitenkirchen Wien (oben, re.) und Innsbruck (unten). (c) siehe Foto: ÖOK, Harald Woschitz, Jesuiten Wien, Cincelli/dibk
Der Brauch, in der Fastenzeit den Altar mit Tüchern oder Leinwand zu verhüllen, lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Was einst als schlichtes Hungertuch begann, erlebte vor allem im Alpenraum eine kunstvolle Ausgestaltung. In jüngerer Zeit werden die Fastentücher vermehrt wiederentdeckt und dienen heute als Projektionsfläche für aktuelle Themen. Wir haben hier einige der Fastentücher in Österreichs Ordenskirchen zusammengetragen.
Karmelitenkirche Linz
In der Linzer Karmelitenkirche ist 2026 ein wiederentdecktes barockes Fastentuch zu sehen. Das rund vier mal zwei Meter große Fastentuch von Bartolomeo Altomonte wurde im Frühjahr 2020, während des ersten Corona-Lockdowns, bei Ordnungsarbeiten entdeckt. Das Fastentuch aus dem Jahr 1782 zählt zu den Spätwerken Altomontes, der ein Jahr später starb, und ist bislang das einzige bekannte Fastentuch aus seiner Hand.

In der Linzer Karmelitenkirche ist 2026 ein wiederentdecktes barockes Fastentuch zu sehen. (c) ÖOK
Es zeigt die Ölbergszene in einer eindringlichen, zutiefst menschlichen Bildsprache und wurde aufwendig restauriert. Ab Aschermittwoch ist das Kunstwerk zu den Kirchenöffnungszeiten für 40 Tage in der Karmelitenkirche zu sehen.
Stift Klosterneuburg
In der Stiftskirche Klosterneuburg ist ab Aschermittwoch ein vom Künstler Harald Woschitz neu gestaltetes Fastentuch zu sehen. Es basiert auf einer Fotografie – wörtlich „mit Licht gezeichnet“ – und stellt das Motiv der Auferstehung in den Mittelpunkt. Es verweist auf die Seelen der Vielen, die durch Christi Tod und Auferstehung befreit sind: lichtgleiche Gestalten, die aus der Dunkelheit aufsteigen und dem neuen, ewigen Leben im Licht entgegengehen.

In der Stiftskirche Klosterneuburg ist ein vom Künstler Harald Woschitz neu gestaltetes Fastentuch zu sehen. (c) Harald Woschitz, Canva
Das Fastentuch ist bis Karsamstag zu sehen, am 19. Februar 2026 wird es vom Künstler gemeinsam mit Stiftspfarrer Reinhard Schandl der Öffentlichkeit präsentiert.
Jesuitenkirche Wien
In der Wiener Jesuitenkirche ziert 2026 ein eindrucksvolles Fastentuch des Künstlers Ronald Kodritsch den Altarraum. Das monumentale Gemälde vereint verschiedene visuelle Elemente und lädt dazu ein, den Zauber des Einfachen zu erkennen. Es zeigt zwei aufrechte Figuren vor einem kräftigen violetten Hintergrund. Links türmen sich farbige Rechtecke übereinander, rechts thront ein vieläugiger Erdapfel. Beide Gestalten tragen Augen – über den Rechtecken zwei ovale Punkte, am Erdapfel ein weiß gefiedertes Augenpaar. Sie schauen einander an, als würde eine rationale Ordnung auf ein organisches Gebilde treffen.

Das Fastentuch in der Wiener Jesuitenkirche stammt 2026 von Ronald Kodritsch. (c) Jesuiten Wien
Das Fastentuch von Ronald Kodritsch ist von Aschermittwoch bis Ostern in der Jesuitenkirche im ersten Wiener Gemeindebezirk zu sehen. Die Kirche ist täglich von 8 bis 21 Uhr geöffnet.
Konzilsgedächtniskirche Lainz-Speising
In der von den Jesuiten betreuten Konzilsgedächtniskirche im 13. Wiener Gemeindebezirk wird am 21. Februar 2026 ein „akustisches Fastentuch“ eröffnet. Chormusik und meditative Texte bilden eine klangliche Installation zur Vorbereitung auf Ostern.
Alle Informationen auf der Website der Pfarre Lainz-Speising
Jesuitenkirche Innsbruck
In der Innsbrucker Jesuitenkirche ist – wie in Wien – in der Fastenzeit ein Gemälde von Ronald Kodritsch zu sehen. „BLABABELS“ ist ein monumentales Gemälde aus leeren Sprechblasen, das „viel BlaBla, viel heiße Luft“ spiegelt und Sprachverwirrung und Kommunikationsüberfluss thematisiert – auch im kirchlichen Kontext.

In der Innsbrucker Jesuitenkirche ist das Gemälde „BLABABELS“ von Ronald Kodritsch zu sehen. (c) Cincelli/dibk
Das Werk in der Jesuitenkirche ist eine der diesjährigen Kunstinterventionen in Innsbruck, die gemeinsamen einen siebenteiligen „Kunstparcours“ bilden. Diözesankonservator Stefan Schöch bietet in der Fastenzeit mehrere Führungen zu den Kirchen an (Sa., 21. Februar, Mi., 4. März, Do., 19. März und Mi., 1. April, jeweils von 15 bis 17 Uhr). Treffpunkt ist jeweils der Innsbrucker Dom.