Ordensnachrichten 2005/4 - Zum Geleit

Ordensnachrichten_4_2005

 

Geleitwort von Bischof Maximilian Aichern OSB
em. Bischof von Linz


Amt und Charisma - fruchtbares Miteinander?

 

 

 

Zum Geleit

„Bilanz und Perspektiven des geweihten Lebens“ war das Anliegen des Symposiums, das die römische Ordenskongregation am 26. und 27. September 2005 aus Anlaß des 40-Jahr-Jubiläums des Konzilsdekrets „Perfectae caritatis“ veranstaltete. Ich möchte einen kurzen Bericht darüber mit meiner Verabschiedung als Ordensreferent in der Österreichischen Bischofskonferenz verbinden.

Mitte der achtziger Jahre wurde ich als Nachfolger von Bischof Johann Weber vom seinerzeitigen Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Karl Berg, zum Vorsitzenden in der Gemischten Kommission (Bischöfe, Ordensmänner, Ordensfrauen) und damit verbunden zum Ordensreferenten in der Bischofskonferenz bestellt. Fast 20 Jahre durfte ich mich für die gemeinsamen Anliegen der Ordensgemeinschaften bzw. deren Vertretung in der Österreichischen Superiorenkonferenz und der Regionalkonferenz der Ordensfrauen einsetzen. Gemeinsam mit mir waren zuerst Weihbischof Jakob Mayr von Salzburg, später Bischof Dr. Kurt Krenn von St. Pölten und zuletzt Militärbischof Mag. Christian Werner in der Gemischten Kommission. Zusammen mit den jeweiligen Vorsitzenden der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs und der Vereinigung der Frauenorden Österreichs sowie deren Generalsekretäre und der Generalsekretärin konnten wir uns zweimal jährlich in der Gemischten Kommission über Vorgänge und Anliegen unserer Institutionen informieren und Anfragen, Vorschläge und Wünsche austauschen, beraten und weiterleiten. In manch wichtigen Bereichen, die die Diözesen und Orden gemeinsam betreffen, konnten wir auf diese Weise zu erfolgreichen Ergebnissen oder zumindest zu Kompromissen gelangen.
 Als Ordensreferenten in der Bischofskonferenz schenkten mir auch viele männliche und weibliche Ordensgemeinschaften das Vertrauen, mich bei manch schwierigen ordensinternen Fragen oder bei Schwierigkeiten mit der Lokalkirche zu konsultieren. Ich konnte beratend helfen. Die Klärung mußte am Ort erfolgen.

Interessant und bereichernd war für mich die Entsendung durch unsere Bischofskonferenz zur Weltbischofssynode über die Orden und Säkularinstitute im Jahre 1994. Ich wurde von Generalsekretär P. Leonhard Gregotsch und Sr. Provinzialin Dr. Elisabeth Maria Göttlicher von den Ursulinen tatkräftig unterstützt. Es war eine fruchtbare Synodenarbeit, die von Papst Johannes Paul II. im nachsynodalen Apostolischen Schreiben „Vita consecrata“ zusammengefaßt wurde. Es hat uns in der weiteren Arbeit viel geholfen. Die Österreichische Bischofskonferenz hat sowohl in der Vorbereitungsphase der Synode als auch in der Weiterarbeit, wie etwa bei Studientagen, mit den Ordensgemeinschaften bzw. deren Vertretungen intensiv zusammengearbeitet. Sehr wichtig war auch die Mitarbeit der Ordensleute bei der Vorbereitung des Sozialhirtenbriefs der österreichischen Bischöfe 1990 und des Ökumenischen Sozialwortes der 14 christlichen Kirchen Österreichs 2003. Gerade von den Ordensleuten wird in der Heimat- und Weltkirche ein großer Teil der kirchlichen Sozialarbeit geleistet. Darin wird die Liebe des heilenden, sorgenden und sich den Menschen zuwendenden Herrn sichtbar und erlebbar.
 Nach fast 42 Jahren im höheren kirchlichen Dienst (18 Jahre Abt, davon einige Jahre Abtpräses, und fast 24 Jahre Diözesanbischof) habe ich aus Altersgründen den Heiligen Vater um Rücktritt gebeten, der auch angenommen wurde. Am 18. September 2005 wurde der Wiener Weihbischof Dr. Ludwig Schwarz SDB in Linz in das Amt des Diözesanbischofs als mein Nachfolger eingeführt.

Knapp vorher wurde ich noch gebeten, am 26. und 27. September in Rom am Symposium zu „40 Jahre Konzilsdekret Perfectae caritatis“ teilzunehmen. Dieses Symposium wurde in der Vatikanischen Synodenaula durch die Ordenskongregation unter Vorsitz des Präfekten Erzbischof Franc Rodé CM und dem Sekretär Erzbischof Piergiorgio Silvano Nesti CP abgehalten und beschäftigte sich eingehend mit dem Dokument des Zweiten Vatikanischen Konzils über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens. Die 250 teilnehmenden Ordensfrauen und Ordensmänner sowie eine Anzahl von Bischöfen, die in ihren Konferenzen Ordensreferenten sind, befaßten sich mit den Hintergründen und Auswirkungen des Konzildokuments sowie mit den Herausforderungen, Verwirklichungen und Zukunftsvorstellungen der Ordensgemeinschaften und Säkularinstitute in aller Welt. Besonders interessant waren dabei auch die Berichte aus den verschiedenen Erdteilen, wobei die Aufbrüche in Afrika, aber auch teilweise in Asien und Lateinamerika viel Hoffnung geben. Bischof Amedée Grab OSB von Chur, Präsident des Komitees der Europäischen Bischofskonferenzen, wies in seinem Referat darauf hin, daß es in Europa trotz der fortschreitenden Säkularisierung und des Verlustes einer vermeintlichen Sicherheit auch ein neues Suchen nach Sinn, Spiritualität und tragfähigen Lebensgrundlagen gibt. Gerade die Ordensleute sollen Zeugnis für den Primat Gottes und die gelebte Geschwisterlichkeit geben. In allen Ländern haben die verschiedenen Wege der Berufungspastoral eine große Bedeutung.

Mehrmals wurde beim römischen Symposion das hervorgehoben, was Thema des Österreichischen Ordenstages am 23. November 2005 in Wien ist: „Herausgefordert vom Heiligen Geist.“ Die beiden vorgesehenen Referenten, Bischof Dr. Manfred Scheuer und Sr. Dr. Anneliese Herzig MSsR, wissen durch ihre bisherige Tätigkeit über die Entfaltung der Orden seit dem Zweiten Vatikanum gut Bescheid. Dieses Treffen mit dem Blick auf die gegenwärtige Situation und die Aufbrüche der Zukunft sowie auf die Nachfolge Jesu als Fundament des Ordenslebens wird sicher für unseren gemeinsamen Weg sehr hilfreich sein. Ich darf dabei als Hauptzelebrant den Gottesdienst feiern und mich in den Ordensgremien als bisheriger Ordensreferent verabschieden.

Ich danke Euch, liebe Schwestern und Brüder, für viel Vertrauen und für gesunde, helfende, loyale Kritik. Ich danke Euch für Euer Zeugnis in der Nachfolge des Herrn und im Dienst der Kirche, für Euer Gebet und Euer Apostolat.

Das geweihte Leben, so betonte Papst Benedikt XVI. in einem Brief an die Teilnehmer des Symposiums, steht heute vor gewaltigen Herausforderungen, denen es nur gemeinsam mit dem ganzen Volk Gottes, mit den Hirten und den Gläubigen entgegentreten kann. Wichtig sind die Ausrichtung am Evangelium, die aufmerksame Frage nach den Bedürfnissen der Menschen und den Zeichen der Zeit sowie das Bemühen um aufrichtiges Gemeinschaftsleben. Ich wünsche den österreichischen Ordensgemeinschaften, allen Schwestern und Brüdern Mut und Freude auf dem Weg in die Zukunft. Wir wissen uns getragen vom Glauben an den Heiligen Geist und die Verheißung Jesu, daß er bei uns ist bis zum Ende der Tage (Mt 28,20).

Maximilian Aichern OSB
em. Bischof von Linz


Wien, im Oktober 200