Ordensnachrichten 2006/6 - Zum Geleit

Ordensnachrichten 2006 Heft 6

Geleitwort von P. Lorenz Voith CSsR

Provinzial der Österreichischen Provinz der Redemptoristen

In der vorliegenden Ausgabe der Ordensnachrichten werden Rück- und Ausblicke, wie auch aktuelle Herausforderungen von Ordensgemeinschaften angesprochen. Die Beiträge versuchen u.a – ausgehend von Erfahrungen aus den eigenen Gemeinschaften – für alle Orden wesentliche und bedenkenswerte Anliegen von heute zu beschreiben.
Gemeinsam unterwegs – eine Herausforderung für unsere Zeit. Es ist noch nicht so lange her, da haben sich die einzelnen Ordensgemeinschaften eher voneinander abzugrenzen versucht, wie auch große Werke in einer gewissen „Konkurrenz“ errichtet und gefördert. Vielleicht hat die aktuelle „Ordenslandschaft“ (Überalterung in vielen Gemeinschaften, zu wenig Nachwuchs, Aufgabe von Tätigkeitsfeldern, Umstrukturierungen bzw. „Neuformung“, …) in unseren Breiten schon seit geraumer Zeit dazu beigetragen, neue Wege des Miteinanders zu fördern und zu suchen. Im Bereich von Schulen, sozialen Einrichtungen, Krankenhäusern, „Weltmission“ gibt es schon wichtige und zukunftsweisende gemeinsame Trägerschaften in Österreich. Überhaupt bilden weitere „gemeinsame Wege“ der Orden eine der großen Herausforderungen im angehenden 21. Jahrhundert.
Missionarische Initiativen in Wien – „City-Pastoral“. Seit Jahren wächst in Wien – auch getragen durch „Erneuerungsbewegungen“ – ein neues Bewusstsein für Mission (vgl. „Stadtmission“, etc.). Der große Mentor und Förderer dahinter war und ist Kardinal Christoph Schönborn. Warum in diesem „missionarischen Prozess“ von Anfang an nicht viel mehr Ordensgemeinschaften mit hinein genommen und eingeladen waren, müssen andere beantworten. So stellen sich einige die Frage: „Traut man den Orden heute eigentlich noch etwas Neues zu?“ Orden und Geistliche Gemeinschaften sind von ihrem Wesen her missionarisch und weltkirchlich geprägt. Ich rechne explizit auch die kontemplativen Klöster dazu.

In der Erzdiözese Wien bildete sich im Herbst 2005 eine neue Arbeitsgemeinschaft von Frauen- und Männerorden (sowie Säkularinstituten), die sich Gedanken für neue „Missionarische Initiativen von Orden“ für die Stadt Wien und darüber hinaus machen wollen. Über 30 Mitglieder aus 18 verschiedenen Ordensgemeinschaften beteiligen sich derzeit in dieser Initiative. Eine Grundfrage dabei lautet: Was können wir Orden für die Stadt und die Erzdiözese Wien missionarisch neu einbringen?
Drei konkrete Schritte haben sich bisher herausgeschält:

  1. Seit Anfang September 2006 gestalten abwechselnd die Ordensgemeinschaften ein so genanntes „Abendgebet für die Stadt“ in der Wiener Michaelerkirche. Täglich (Mo-Fr) wird um 21 Uhr für die Anliegen der Menschen der Stadt, wie auch der Ordensgemeinschaften gebetet. Mit dem „Abendgebet für die Stadt“ wurde eine wichtige geistliche Grundlage für neue Initiativen gesetzt; nicht so sehr als „Event“, sondern eher in „Treue und Nachhaltigkeit“, tagein und tagaus. Sind nicht die Ordenschristen die „Experten“ für das Gebet?
  2. Für Ende 2007 ist die Errichtung einer „Gesprächsinsel“ in der Wiener Innenstadt geplant. In Zusammenarbeit mit dem Stadtvikariat Wien-Stadt wollen Ordensleute ein „Geistliches Zentrum für Gespräch, Beratung und Seelsorge“ anbieten; die Orden in ihrer diakonalen Kompetenz werden hier angesprochen. In Innsbruck besteht seit knapp sechs Jahren mit der „Gesprächsoase“ erfolgreich eine solche gemeinsame Einrichtung von Ordensgemeinschaften.
  3. In der Erzdiözese Wien gilt für die nächsten Jahre das Thema „Mission“ als Schwerpunkt für alle Teile der Ortskirche. Auch als eine Antwort darauf überlegen mehrere Orden gemeinsam die Planung und Durchführung von so genannten „Stadtteil- oder Dekanatsmissionen“; dies mit neuen Mitteln, neuen Zugängen (auch außerhalb von Kirchenräumen) und durch einen längeren Zeitraum; die Zusammenarbeit mit Dekanaten und den im Gebiet ansässigen Gemeinschaften hat dabei Priorität. Erstaunlich bei der neuen Initiative war und ist, dass nicht wenige Ordensgemeinschaften, trotz eigener spezifischer Aufgaben, hier ganz bewusst personelle Ressourcen bereitstellen wollen und können.

Wenn man die „kirchliche Landkarte“ in Wien und wohl ganz Österreichs betrachtet, so bilden die Farben und Punkte des Engagements von einzelnen Ordensleuten und ganzer Gemeinschaften sowie die vielen Werke der Institute des geweihten Lebens eine so große und bunte Vielfalt, dass man wohl von einem „Klösterreich“ sprechen darf. Die „Leidenschaft für Gott und die Menschen“, welche auch heute viele Ordenschristen bewegt und trägt, wird auch Zukunft ermöglichen. Die Orden werden vielleicht noch wichtiger und befruchtender für die Ortskirchen, als so manche heute erahnen.