Ordensnachrichten 2008/6 - Zum Geleit

Ordensnachrichten 2008/6

Geleitwort ON 6/2008 von P. Dr. Josef Keler SDB

Missionsreferent der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs

Die vorliegende Ausgabe der Ordensnachrichten dokumentiert unter anderem die Beiträge der ersten „Fachtagung Weltkirche“ der österreichischen Männer- und Frauenorden am 21. und 22. November 2008 im Bildungshaus der Steyler Missionare in St. Gabriel/Mödling. Das gibt Anlass, über den missionarischen Auftrag der Orden im Kontext unseres Glaubensauftrages nachzu­denken. Im Glauben verwurzelt, dürfen wir Gott in Liebe erfahrbar machen. Glaube stiftet Solidarität und führt zu einem Austausch von Gaben. „Den eigenen Glauben bei uns und in allen Kontinenten und Kulturen weiterzugeben sowie Gemeinden und Ortskirchen wachsen zu lassen, welche aus diesem Auftrag Jesu leben und aus ihm unsere Welt gestalten – das ist Kernaufgabe unserer Kirche heute und morgen“, so formulierte es der angesehene Missionstheologe P. Dr. Hermann Schalück OFM.

Die missionarische Kirche lebt heute in heilenden und heilbringenden Gemeinschaften, die – im Sinne Jesu – Brückenbauer und Wegbereiter in der einen Welt sind.  Die Verständigung über unseren missionarischen Auftrag heute ist freilich oft nicht leicht, weil es zum Stichwort „Mission“ so viele und zuweilen durchaus verschiedene Bilder in unseren Köpfen gibt. In den letzten Jahrzehnten schien das Wort „Mission“ ja fast aus dem kirchlichen Sprachgebrauch zu verschwinden. Heute erfährt es im allgemeinen Sprachgebrauch eine erstaunliche Renaissance. Über die Sprache des Films, der Wirtschaft, der Diplomatie, des Militärs und der NGO´s kommt es aus dem englischen Sprachraum  zurück. Selbstbewusst gibt man an, eine „Mission“ zu haben, und meint damit einen Auftrag, eine Sendung. Eine solche Sendung ist dem Christen von Anfang an ins Stammbuch geschrieben: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Joh 20,21). So ist Mission nicht etwas Beliebiges, das sein kann oder auch nicht. Es ist nicht Auftrag von Spezialisten. Mission ist Gottes Wille und Auftrag an alle, die zur Kirche gehören. Christ sein heißt, Missionar sein, und Mission ist Solidarität mit religiös Suchenden. Es geht um Antworten auf Fragen, um den Sinn des Lebens. Mission heißt Zeugnis geben vom Glauben an Jesus Christus. Durch die Jahrtausende bezeugen und verkünden Menschen, dass sie von der christlichen Botschaft ergriffen waren. Persönlichkeiten der Missionsgeschichte sind uns bekannt: von Paulus bis zu Severin, von Franz von Assisi bis Franz Xaver, von Josef Freinademetz bis Mutter Teresa. Sie haben den Menschen das Evangelium gebracht. Der missionarische Aufbruch des 19. Jahrhunderts führte zur Gründung vieler weiblicher und männlicher Missionskongregationen. Sie wurden unterstützt und ermöglicht durch Gebet, Opfer und Spenden von Gläubigen, die sich zu Missionsvereinen zusammenschlossen. Ältester Missionsverein in Österreich war die Leopoldinenstiftung aus dem Jahre 1829. Großartige Zeugnisse und heroische Lebenshingabe von Missionaren sind auch heute ein Segen und Ansporn. Das Gesicht der Kirche hat sich an der Schwelle zum dritten christlichen Jahrtausend grundlegend geändert. Von einer Westkirche ist sie zu einer Weltkirche geworden. Mission geschieht auf den fünf Kontinenten in unterschiedlichsten Situationen. In Österreich versuchen wir die Ordensgemeinschaften, die den missionarischen Auftrag leben, zusammenzufassen und sie in ihren Einsatzgebieten zu unterstützen, aber auch bei Referaten und Tagungen in einem geistlichen Prozess eine zeitgemäße Missionstheologie zu entwickeln. Unser Team besteht aus Mitgliedern verschiedener Orden aus allen Bundesländern und vertritt 39 Frauen- und 36 Männerorden. Gleichzeitig dürfen wir gemeinsam mit der Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz für Entwicklung und Mission missionarische Akzente in der Kirche Österreichs setzen und natürlich auch finanzielle Hilfen an Projekte der Dritten Welt weiterleiten. Dabei sind wir immer auch selbst Empfangende. Wer gibt, der empfängt! Gerade in dieser Hinsicht wird von den Ordensgemeinschaften Großartiges geleistet. Ebenso wichtig ist der Kontakt zu den verschiedenen Missionaren, wobei wir immer wieder auch Dankbarkeit erfahren, wenn sie aus der Heimat unsere Zeitschrift „Ordensnachrichten“ erhalten. Das Missionsreferat der Superiorenkonferenz und der Vereinigung der Frauenorden Österreichs dankt allen, die im missionarischen Bereich tätig sind. Mit Hilfe der Koordinierungsstelle und anderer Organisationen dürfen wir am großen Auftrag der Evangelisierung der Menschen in der Heimat und in den jungen Kirchen unseren Beitrag leisten und gute Beziehungen zwischen Weltkirche und Lokalkirche herstellen.  Wien, im Dezember 2008  Hinweis: Die nächste „Fachtagung Weltkirche“ findet vom 23. bis 25. Juli 2009 im Benediktinerstift Lambach in Oberösterreich statt.