Ordensnachrichten 2010/1 - Zum Geleit

Ordensnachrichten 2010/01


Geleitwort von P. Erhard Rauch SDS
Generalsekretär der Österreichischen Superiorenkonferenz

Das Jubiläumsjahr 2009 „50 Jahre Superiorenkonferenz“ ist zu Ende. Es brachte eine Reihe von Veranstaltungen aus Anlass der 50-Jahr-Feier, viele Mitfeiernde – und eine verstärkte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit für den Dienst der Orden in unserem Land. Angefangen von der Begegnung mit ausländischen Ordensleuten im Stift Melk am 28. März 2009 über das hochkarätige Symposium vom 27. bis 30. April , an dem österreichische und internationale Fachleute zum Thema „Krise und Reformen: Die Orden im Wandel“ referierten, bis hin zum eigentlichen Festakt am 28. April im Stift Klosterneuburg, bei dem Sr. Kunigunde Fürst und Abt Christian Haidinger über das tragende Fundament des geweihten Lebens sprachen und „Schritte in die Zukunft des Ordenslebens“ skizzierten. Die Beiträge des Symposiums und die Vorträge der beiden Festredner sind im Jubi­läumsheft 5+6 der Ordensnachrichten 2009 gesammelt.

Zum Festakt im Stift Klosterneuburg war auch Bundespräsident Dr. Heinz Fischer eingeladen. Er konnte aus Termingründen nicht daran teilnehmen und lud die Ordensoberen am 23. November in die Wiener Hofburg ein. Zum ersten Mal in der Geschichte der Superiorenkonferenz waren die Ordensoberen beim höchsten Repräsentanten des Staates eingeladen – ein Zeichen der Wertschätzung für die Ordensgemeinschaften. Dr. Heinz Fischer brachte bei diesem Treffen den Dank für das vielfältige Engagement der Orden zum Ausdruck. Die Grußworte des Herrn Bundespräsidenten sowie die Begrüßungsworte von Propst Maximilian Fürnsinn CanReg, dem Vorsitzenden der Superiorenkonferenz, lesen Sie in diesem Heft auf den Seiten 57–61.

Neben vielen weiteren Programmpunkten im Rahmen des 50-Jahr-Jubiläums bildete der Österreichische Ordenstag am 24. November 2009 im Wiener-Kardinal-König-Haus den Abschluss des Jubiläumsjahres. Der emeritierte Wiener Weihbischof Dr. Helmut Krätzl sprach zum Thema „Verkündigung in der Welt von heute“ und skizzierte im ersten Teil seines Vortrags präzise die Situation der Welt und der Gesellschaft, in der die Kirche den Auftrag zur Verkündigung wahrnimmt. Die gesellschaftlichen Umbrüche und Veränderungen „dürfen aber nicht Angst machen, sondern sind eine neue Herausforderung, der wir uns stellen sollen“. Den zweiten Teil seines Vortrags widmete der Weihbischof dem Thema „Verkündigung der Orden heute“. „Die Verkündigung muss vor allem durch ein Zeugnis geschehen“, schrieb schon vor mehr als 30 Jahren Papst Paul VI. in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii nuntiandi“. Was das konkret für das gottgeweihte Leben heißt, wie die Orden in der heutigen Gesellschaft präsent sein können und sollen, führte Bischof Krätzl anhand des nachsynodalen Schreibens „Vita consecrata“ von Papst Johannes Paul II. aus: Option für die Armen und Kranken, Förderung der Gerechtigkeit, Erziehung als wesentliches Element der Sendung, interreligiöses Gespräch, vorgelebte Geschwisterlichkeit, Zusammenarbeit mit den Laien usw. Ohne Angst, aber mit Realitätssinn sollten die Orden in die Zukunft schauen und „mit einer leidenschaftlichen Christuserwartung nicht nur aus der Erinnerung leben, sondern eine große Geschichte aufbauen“ (Vita consecrata), ermutigte der Bischof die Ordensleute.  
Die prophetische Dimension des Ordenslebens stellt der bekannte Benediktiner P. Anselm Grün in den Mittelpunkt seiner Überlegungen, die er beim Kongress der Höheren Oberen und Oberinnen 2009 in Turin vorgebracht hat. „Wie können wir Ordensleute heute diese prophetische Dimension leben?“, fragt P. Anselm und nennt einige Aspekte: Gott in den Mittelpunkt stellen, die kirchenkritische Aufgabe wahrnehmen, über sich hinaus verweisen auf das Kommen Christi, im Gebet die prophetische Sendung erkennen. 

Die Vorträge von Weihbischof Dr. Helmut Krätzl und P. Anselm Grün bilden sozusagen den Auftakt dieses Heftes 1/2010 der Ordensnachrichten. Ergänzend dazu finden Sie die Predigt von Papst Benedikt XVI. am Tag des geweihten Lebens (S. 53–56) und die Predigt des Apostolischen Nuntius Erz­bischof Peter Stephan Zurbriggen bei der Eucharistiefeier am Österreichischen Ordenstag (S. 62–64).  

Das Zeugnis des geweihten Lebens wird anschaulich im gelebten Zeugnis konkreter Ordensleute. Zwei Beispiele dafür sind in diesem Heft dokumentiert: der Nachruf auf Abt Clemens Lashofer OSB, den verstorbenen Abt von Göttweig und Abtpräses der Österreichischen Benediktinerkongregation, und das Gespräch mit P. Lukas Six OSB, Prior des Stiftes Lambach.  

Ein Beispiel mutigen Aufbruchs ist Nový Dur, das erste Trappistenkloster in der Tschechischen Republik. Die Mönche des Klosters werben nicht und gehen nicht „in die Offensive“. Sie leben ihr Zeugnis ganz aus dem innigen Gebet und sind so glaubwürdig in einer säkularen Umwelt.  

„Ohne Ordensleute wäre die Welt ärmer“, sagt Papst Benedikt XVI. Wir sind kein „Auslaufmodell“, das in der modernen Zeit nicht mehr gefragt ist. Die Welt braucht unsere tiefe Christusliebe, unsere Hingabe, unseren selbstlosen Dienst, damit sie den Blick über den Horizont hinaus nicht vergisst und die Menschen Rede und Antwort bekommen, wenn sie nach unserer Hoffnung fragen.