In Österreich sind ein bis zwei von hundert Menschen im Autismus-Spektrum, das entspricht in etwa 90.000 bis 180.000 Personen. Aus medizinischer Perspektive ist Autismus die neuromentale Entwicklungsstörung mit der höchsten Zunahme von Diagnosen in den letzten Jahren. Dieses Symposium setzt sich mit den Symptomen und Problemen von Autismus auseinander und beleuchtet die Chancen und Herausforderungen von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter.
Autismus ist vorwiegend genetisch verursacht. Die genetischen Veränderungen führen zu einer besonderen Arbeitsweise des Gehirns, die insbesondere die sozialen neuronalen Netzwerke und die Verarbeitung von Gefühlen betrifft. Dies zeigt sich darin, dass betroffene Kinder in den ersten Lebensjahren nur eingeschränkt Blickkontakt aufnehmen, das Lächeln ihrer Eltern nicht erwidern oder ihre eigenen Gefühle nicht mit einem frohen, ängstlichen oder überraschten Gesicht mit anderen teilen. Die Sprachentwicklung ist oft eingeschränkt und wird nicht über nonverbale Kommunikation wie etwa Zeigegesten oder ein Winken zur Begrüßung kompensiert. „Die unsichere zwischenmenschliche Kommunikation und sensorische Überforderungen machen unsere Welt voller Kommunikation, Sinneseindrücken und ständiger Veränderungen für viele Kinder mit Autismus zu einer Welt des Chaos, verbunden mit ständig erhöhtem Stress“, bringt es Daniel Holzinger, Leiter des Autismuskompetenzzentrums der Barmherzigen Brüder, auf den Punkt. „Die Folge davon sind häufige emotionale Durchbrüche und ein Rückzug in die eigene Welt der Dinge, die von ihnen selbst kontrolliert werden kann.“
Zugehörigkeitsgefühl als wichtiger Schlüssel
„Dazugehören“ (engl. belonging) meint das Gefühl, akzeptiert, respektiert und verbunden mit anderen zu sein – ohne sich verstellen zu müssen. „Im Gegensatz zu früheren Forschungsmeinungen, wo man Menschen im Autismusspektrum oft jegliche soziale Motivation abgesprochen hat, weiß man heute, dass Zugehörigkeit ein allgemeinmenschliches Grundbedürfnis darstellt“, so Holzinger weiter. Studien zeigen, dass viele autistische Jugendliche und Erwachsene über ein geringeres Zugehörigkeitsgefühl berichten – vor allem, wenn sie Diskriminierung erleben oder kein Verständnis für ihre Bedürfnisse erfahren.