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15. Dezember 2014

Manfred Scheuer zum JAHR DER ORDEN: Orden müssen Evangelium Gesicht geben

Laut Innsbrucks Diözesanbischof Manfred Scheuer bestehe die zentrale Aufgaben der Ordensgemeinschaften darin, dem Evangelium eine Gesicht zu geben und an Jesus zu erinnern. Keuschheit, Armut und Gehorsam - die Eckpfeiler des Ordenslebens - zeichneten die Lebensform Jesu nach. Existenz und Zeugnis der Orden glichen einem "Sendschreiben Christi in der Entfremdung, in der Anfechtung, in dunklen Phasen des Lebens und des Glaubens, in winterlichen Gezeiten der Kirche", sagte Scheuer in dieser Woche bei einem Podiumsgespräch in Innsbruck zum Auftakt der Veranstaltungsreihe "Warum lebst du so? Spiritualität der Orden im Gespräch" der Regionalkonferenz der Tiroler Frauen- und Männergemeinschaften zum JAHR DER ORDEN.

Die Bedeutung der Orden als "Briefe Christi" fordere die Gemeinschaften angesichts ihrer schwierigen Lage, die von mangelndem Nachwuchs, steigenden Austrittszahlen und einer Identitätskrise gekennzeichnet sei, heraus, neue Zukunftsperspektiven zu entwerfen. Mit den Orden ginge sonst eine Lebensweise verloren, die von einer "besonderen Christozentrik" geprägt ist und einen "heilsamen Kontrapunkt" gegenüber der Jesusvergessenheit in vielen Varianten der Spiritualität bildet.

Für Scheuer ergibt sich daraus der Auftrag, in die Welt hinaus zu gehen. "Sich der Zeit entziehen", würde "Sünde bedeuten", zitierte der Bischof die Philosophin Simone Weil (1909-1943). Jesus, dessen Dasein von leiblicher Präsenz in der Welt und Solidarität geprägt war, "führt die Ordenschristen hinein in die Lebenswelt". Zugespitzt, so der Bischof, finde sich dieser Auftrag in "Gaudium et spes", der pastoralen Konstitution über die Kirche in der Welt des Zweiten Vatikanischen Konzils: "Wir sind herausgefordert, die Zeichen der Zeit zu erkennen, hellhörig zu sein für Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen und Kraft und Lebensmut, Freude und Hoffnung zu vermitteln."

Als Wirtschaftsbetriebe stünden die Orden einer zunehmenden Ökonomisierung gegenüber. Gerade in den Bereiche Wissenschaft, Altenpflege, Medizin und Bildung spiele wirtschaftliche Rentabilität eine immer größere Rolle. Scheuer räumte zwar ein, dass "Betriebe Geld brauchen und gutes Wirtschaften wichtig für das menschliche Dasein und das soziale Zusammenleben" sind. "Und doch reicht das Ökonomieprinzip allein für echtes menschliches Wachstum nicht aus." Reine marktwirtschaftliche Systeme würden bei der Erfüllung soziokultureller Aufgaben versagen, warnte der Bischof.

Orden und die Kirche müssten bei ihrem wirtschaftlichen Handeln ein rein ökonomisches Verständnis von Raum und Zeit durchbrechen, wie es zugespitzt etwa in Benjamin Franklins Parole "Zeit ist Geld" Ausdruck finde, so Scheuer. Räume der Anbetung, der Zweckfreiheit und des Verzichts müssten geschaffen werden; "gute Zeiten für das Umsonst der Gnade ermöglichen Freiheit gegenüber der Macht der Bedürfnisse, Freiheit gegenüber dem Zwang zum Konsum".

Gleichzeitig warnte Bischof Scheuer vor einer Idealisierung der Gemeinschaften. Die konkrete Kirche im Heute aber auch die ersten Gemeinden des Paulus seien keine Gemeinschaften von ausschließlich Gesunden und Reifen, sondern eine höchst gemischte Gesellschaft gewesen. "So sind auch die real existierenden Gemeinschaften kein idealistisches Paradies und die ideale Kommunikation gehört dem Gespensterreich an."

(c) Die Fotografen/Diözese Innsbruck

[rs]

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