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21. April 2017

5vor12 Talk zum Thema #KulturÖffnet: Damit Kultur öffnet, braucht es eine Kultur der Öffnung

Direkt im Herzen des Depots der Fritz Wotruba Privatstiftung im Museum 21er Haus des Belvedere in Wien III, umgeben von menschlichen Skulpturen, architektonischen Entwürfen und dem Arbeitswerkzeug Wotrubas, entspann sich am 20. April 2017 eine ungemein vielseitige Diskussion darüber, ob Kultur öffnet. Oder ist es die Kunst in ihren vielfältigen Ausdrucksformen? Und was kann die Rolle der Religion sein? Vier DiskutantInnen, teils aus der Ordenswelt, teils aus ganz anderen Bereichen begaben sich gemeinsam auf die Suche nach Antworten.

Der Talk startete mit einem audiovisuellen Intro, das Fragen aufwarf, Thesen in den Raum stellte und Entwicklungen analysierte: Portraitiert wurde der bildende Künstler Gerold Tagwerker, der auf kritische und reflektierte Weise seine Gedanken äußerte und damit sozusagen den Anstoß für das Gespräch gab. Sein Resümee: Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Formen der Kunst macht die Qualität einer Gesellschaft aus. Und die Kirche habe Kunst oft verwendet, um ihre Ideen und Visionen den Menschen näherzubringen und ihre Spiritualität damit zu „transportieren“.

(c) Kati Bruder

Kultur der Öffnung und des Teilens

Die Kuratorin der Fritz Wotruba Privatstiftung, Gabriele Stöger-Spevak, verbindet mit #KulturÖffnet ganz konkret, dass sie das Depot, den Speicher als Kultur- und Kunstspeicher für Fachleute und Interessierte öffnet und so durch den Künstler Fritz Wotruba österreichische und europäische Identität schafft. „Kultur selber öffnet nicht, was öffnet, sind kulturpolitische Maßnahmen, wenn z.B. ein Stift oder ein Kloster diesbezüglich besondere Akzente setzt“, machte Martin Vogg von VOGG’s Konzeption und Realisation klar. Um zu zeigen, wie Kunst mit Religion verwandt ist, zitierte Helga Penz, die Leiterin des Referats Kulturgüter der Orden, den Apostel Paulus: „Jetzt schauen wir in einen Spiegel / und sehen nur rätselhafte Umrisse, / dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht.“ Kunst fange diesen umrisshaften Blick ein, der auf Größeres verweist. P. Martin Rotheneder, Kultur- und Tourismus-Verantwortlicher von Stift Melk, erzählte, dass er von der Wotruba Kirche in Wien-Mauer fasziniert sei, sie sei sogar für ihn der „Inbegriff der Kirche“. „Wie wir eine Sprache lernen, müssen wir lernen, mit zeitgenössischer Kunst umzugehen, und da hinken wir nach.“ Kultur öffnet drehte P. Martin um in „Kultur der Öffnung“. Sie sei in vielen Ordenshäusern geschehen und damit sei gleichzeitig auch eine Kultur des Teilens einhergegangen, „dass wir Räume öffnen für zeitgenössische Künstler“. Die Symbolarchitektur von Stift Melk reiche in andere Dimensionen hinein und lasse erahnen, dass es etwas über unserer menschlichen Größe gibt, sie lasse hineinschauen in den Himmel. „Und wo der Kopf hochgeht, bringt uns das in eine andere Dimension“. Die Kulturgüter in den Klöstern müssten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Es gebe eine Verantwortung für das, was gewachsen ist, sagte Helga Penz. „Das kulturelle Erbe hält nicht vom eigentlichen Auftrag der Orden ab, es ist Teil der eigentlichen Aufgabe und es kann dazu dienen, über Ordens- und Glaubensleben zu reden“. Dass eine Klosterkirche kein Museum ist, solle man erklären und auch, was ein Altar ist und dass das, was gefeiert wird, zwar an ein früheres Geschehen erinnert, aber immer wieder neu aktuell ist.

(c) Kati Bruder

Orden als Identitätsstifter

Als Identitätsstifter auf Zukunft hin werden die Ordensgemeinschaften bezeichnet. Können Sie das überhaupt sein, wenn die Ordensleute immer weniger werden, Häuser schließen? „Wir dürfen uns nicht zurückziehen und abschließen. Wir müssen offen bleiben, weiterschauen, bei den Menschen sein und bleiben, nicht ängstlich sein, sondern mutiger“, meint P. Martin. Und welche Impulse kann das Ordensleben als einfaches, gemeinsames, waches Leben geben? „Ordensleben ist für mich nicht Wellnesskultur, es ist ein Leben der Verausgabung, nicht des Zurücknehmens“, so P. Martin. Für Helga Penz zählt als Wesentliches des Ordenslebens die „Begegnung auf Augenhöhe, die Balance von Gebet und Arbeit, das Zusammenleben in den Gemeinschaften, die Vielfalt der Ordenslandschaft“. Da mitzumachen, es kennen zu lernen, dazu könne man die Menschen einladen und damit seien die Ordensleute für die Gesellschaft bedeutsam und interessant. Die Auseinandersetzung, das radikale Ringen und Suchen nach dieser anderen Dimension, nach Gott, verbinde Künstler und Ordensleute, so die Kuratorin Gabriele Stöger-Spevak.

(c) Kati Bruder

(c) Kati Bruder

(c) Kati Bruder

(c) Kati Bruder

Die Pressefotos zum Download

VIDEO: 5vor12 Gerold Tagwerker #KulturÖffnet

VIDEO: 5vor12 #KulturÖffnet - der gesamte Live-Mitschnitt der Diskussion

Werknutzungsrecht der gefilmten und fotografierten Werke Fritz Wotrubas © Belvedere, Wien, Dauerleihgaben der Fritz Wotruba Privatstiftung

[hw]

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