
Was Klausur heute bedeutet
Klausur: Mehr als Mauern
Was Klausur bedeutet, bringt Sr. Eva-Maria gleich zu Beginn des Podcasts auf den Punkt: „Klausur ist der Bereich, der nur für die Mitglieder der Ordensgemeinschaft reserviert ist. Wir lassen im normalen Alltag auch nicht jede Person in die eigenen vier Wände und so ist es auch im Kloster. Klausur ist der wirklich private Bereich.“ Es stimmt also, dass keine ordensfremden Personen in der Klausur zugelassen sind. Im Benediktinerinnenstift Nonnberg, wo die Klausur fast das ganze Kloster umfasst, bedeutet das, dass der Zutritt in das Kloster streng geregelt ist.
Klausur für alle Ordensleute? Ja, aber.
Auch wenn alle Ordensgemeinschaften einen Klausurbereich haben, ist Klausur nicht gleich Klausur, erklärt Sr. Eva-Maria. Tätige (apostolische) Orden – die etwa in Schulen oder Krankenhäusern arbeiten – haben meist kleinere, weniger strenge Klausurbereiche. Kontemplative Gemeinschaften leben deutlich abgeschiedener.
Sr. Eva-Maria Saurugg ist Benediktinerin und gehört damit zu einer dritten, der monastischen Lebensweise, die „ähnlich aussieht wie das kontemplative Leben, aber nicht so abgeschieden ist wie ein Karmelitinnen- oder Klarissinnenkloster“ und in der Tradition des frühen Mönchtums steht.
Ausblick auf die Altstadt Salzburgs vom Kapuzinerberg. Das Stift Nonnberg thront neben der Festung. (c) ÖOK/emw
Was ist der Zweck der Klausur?
Klausur schützt. Und gibt. „Es wird Lärm ausgespart. In der Stille wird man sensibler für all das, was mich umgibt – um auch in den Dingen des Alltags Gottes Stimme zu vernehmen.“ Die 50-jährige Ordensfrau führt ein Leben der beständigen Gottsuche, „weil Gott haben wir nie. Wir müssen ihn ein ganzes Leben lang suchen.“ Dabei leben sie und ihre Mitschwestern nach den Regeln des heiligen Benedikt.
Wie sieht der Alltag aus?
Der Alltag im Stift ist klar strukturiert und folgt dem Rhythmus von Gebet, Arbeit und geistlicher Lesung – ora & labora & lege. „Es bleibt für alles Wichtige Zeit, aber es ist nichts unbegrenzt“, sagt Sr. Eva-Maria. „Aber genau dadurch hat alles Platz.“
Langweilig werde es nicht. Ganz im Gegenteil: „Es ist im Kloster immer was los.“

Detailaufnahme der Benediktinerinnenabtei. (c) wikicommons
Gemeinschaft trägt
Oft braucht eine Schwester unversehens Hilfe oder „man springt in der Gemeinschaft ein, wo Not an der Frau ist“. Sr. Eva-Maria arbeitet wie ihre Mitschwestern im Kloster für die Gemeinschaft. Sie ist für den Kirchen- und Sakristeibereich zuständig und beantwortet auch E-Mails, die reinkommen. Dafür kann sie sich zu Mittag an den gedeckten Tisch setzen und das Mahl essen, das eine andere Schwester gekocht hat. „Das ist das Schöne an der Gemeinschaft: Man ergänzt sich und hilft zusammen, wenn es notwendig ist.“
Raus aus der Klausur? Nicht so, wie man denkt.
Auch wenn Sr. Eva-Maria den Großteil ihrer Zeit hinter den Klostermauern verbringt, bedeutet das nicht, das sie von der Welt abgeschnitten ist.
„Natürlich verlassen wir das Kloster, wenn es notwendig ist“, sagt sie. Arztbesuche, Wahlen oder Vorträge gehören dazu. Entscheidend ist hier etwas anderes, nämlich dass Klausur eine innere Haltung ist, die sie auch draußen nicht verlässt. „Wenn ich, sobald ich das Kloster verlasse, mir denke, ‚endlich bin ich draußen‘, werde ich dieses Leben nicht lange aushalten“, sagt sie. „Ich kann im Kloster sein und innerlich ständig draußen – und ich kann draußen sein und innerlich wissen, wo ich hingehöre.“
Das betrifft auch das Handy. Sie hat eines, weil sie es für die Arbeit braucht. Aber sie weiß auch, wo der Ausschaltknopf ist.
In diesem Raum trafen wir uns zur Podcastaufnahme. Das Gitter dient der Zierde. (c) ÖOK/emw Download
Nicht weltfremd, sondern wach
Dass Nonnen weltfremd sind, weist sie entschieden zurück. „Wir sind natürlich informiert“, sagt sie, über Zeitung, Radio. „Wir wollen wissen, was in der Welt vorgeht und dafür auch beten.“ Für sie sind Klöster wie Wegweiser – sie zeigen eine Richtung, ohne sie selbst zu gehen.
Entscheidung für das Ordensleben
Sr. Eva-Maria lebt seit mittlerweile 25 Jahren im Stift Nonnberg. Vermisst sie manches? Sie ist vorm Eintritt gerne gereist, verrät sie. „Aber ich weiß, worauf ich verzichte und warum ich dieses Leben für mich gewählt habe.“ Für sie war schon vor der Matura klar, dass Gott sie gerufen hat, aber erst nach dem Studium hat sie sich für die Gemeinschaft am Nonnberg entschieden. Warum?
„Mich hat der hl. Benedikt fasziniert.“ Und sie wollte eine Gemeinschaft, wo man sich nicht nur zwei- oder dreimal am Tag trifft, sondern wo wirklich das Gebet im Zentrum steht und den Tag prägt.
Schweigen für Gottsuche
Die Stille. Es ist ruhig im Kloster. „Das fällt auch Schulklassen sofort auf, wenn sie herkommen.“ Klausur hält nicht nur äußeren Lärm fern, sondern sie ermöglicht auch, dass die Schwestern im Haus das Schweigen halten können. Denn: „Wir versuchen auch abseits der fixen Gebetszeiten in Kontakt mit Gott zu bleiben.“
Ausblick vom Stift Nonnberg. (c) ÖOK/emw
Gast-Sein im Stift
Das Stift Nonnberg hat ein kleines Gästequartier für Frauen und Paare, keine alleinstehenden Männer. „Wir wissen, dass die Leute gerne zu uns kommen und den Ort, die Stille, die ‚durchbeteten Wände‘, genießen“, sagt Sr. Eva-Maria
Vielleicht ist genau das die eigentliche Aufgabe der Klöster heute: Räume offenhalten – für Stille, für Fragen und für die Suche nach dem, was trägt.
Sr. Eva-Maria Saurugg wurde 1976 geboren. Nach dem Studium der Theologie in Graz trat sie 2000 in das Benediktinerinnenstift Nonnberg ein. Seit 2017 hat sie das Amt der Priorin inne, zudem ist sie auch Novizenmeisterin.
Das Benediktinerinnenstift Nonnberg liegt im Zentrum der Stadt Salzburg direkt unter der Festung Hohensalzburg. Es wurde zwischen 712 und 715 vom hl. Rupert gegründet und ist damit das älteste, durchgängig besiedelte Frauenkloster im deutschen Sprachraum. Erste Vorsteherin des Klosters war die hl. Erentrudis. Die Schwestern leben in Klausur, was bedeutet, dass das Kloster nicht frei zugänglich ist. Besuchen kann man Kirche und Friedhof. Zurzeit leben und wirken 15 Schwestern im Stift. Äbtissin M. Veronika Kronlachner ist die 92. Äbtissin des Stiftes. Die Benediktinerinnen leben nach der Regel des. hl. Benedikt. Fußend auf der Hl. Schrift und schöpfend aus der Tradition des frühen Mönchtums, wollte er seinen Mönchen bzw. Nonnen Anleitungen für ein Leben der Gottsuche geben, das von Gebet, Arbeit und geistlicher Lesung geprägt ist. Bei ihrer Profess versprechen die Schwestern zudem das Gelübde der Beständigkeit „Stabilität“ und binden sich damit auch an den Ort des Klosters.
„Orden on air“ – der Podcast der Ordensgemeinschaften Österreich
Das Medienbüro der Ordensgemeinschaften Österreich hat im März 2022 den Podcast Orden on air ins Leben gerufen. Der Titel ist Programm: Ordensfrauen und -männer kommen vor den Vorhang – und vor das Mikrofon. Ziel ist es, Persönlichkeiten vorzustellen, Einblicke in das Leben von Ordensgemeinschaften zu geben und das Engagement von Ordensleuten in vielfältigen Bereichen sichtbar zu machen. Der Podcast ist überall zu hören, wo es Podcasts gibt.
Weiterlesen:
Benediktinerinnenabtei Nonnberg (Website)
Benediktinerinnenabtei Nonnberg (Ordens-Wiki)
[elisabeth mayr-wimmer]