Die Glaubensfallen sind Götzen und Unfreiheit

JungDas Ordensspital der Hartmannschwestern (Hartmannspital) in Wien hat am 5. Juni 2013 zur Podiumsdiskussion „Leben wir in der Glaubensfalle?“ eingeladen. Abt Johannes Jung vom Schottenstift betonte: „Es kann alles zur Falle werden, was den Menschen unfrei macht.“

 

„Ich habe auf das falsch Pferd gesetzt ist die letzte Erkenntnis bei Menschen, die in die Glaubensfalle geraten sind“, erzählt Abt Johannes Jung von Menschen, „die zwar glauben, deren Leben trotzdem vertrocknet ist. Ihr Leben sitzt in der Falle.“ Der Schottenabt betont, „dass alles zur Falle werden kann, was den Menschen unfrei macht.“ Jung lässt im Gespräch keinen Zweifel, „dass Glaube nicht Verfasstheit, Struktur oder Institution ist.“ Jung: „Es geht immer um den konkreten Menschen, der in seiner Situation tiefe und freimachende Beziehung entwickeln will – gerade zu Gott hin. Bei Glauben geht es um Beziehung, um Hoffnung und Freiheit. Es geht darum, sich ganz einzulassen auf die Person.“ Jung kritisierte auch, „dass es heute vielfach nur um Zahlen gehe – auch im Gesundheitswesen.“ Jung sprach sich auch dafür aus, „das alte Testament genauer anzuschauen und bei allen Ungerechtigkeiten heute das ‚Sabbatjahr‘ (generelle Rückgabe allen Besitzes an Gott nach 49 Jahren für einen gänzlichen gemeinsamen Neuanfang) näher ins Auge zu fassen.“ Um nicht in Lebens- oder Glaubensfallen zu tappen, ermutigt Jung zur Selbstverantwortung. Heute ist ein glaubender Mensch ein „besonders kräftiges Zeichen, weil sich jede und jeder bewusst für dieses Leben in Freiheit und Einfachheit entscheidet.“ Der Glaube bricht nach Jung auch die heute weit verbreitete „reine Ichbezogenheit“ auf hin zu einem „neuen verantwortungsvollen Miteinander“. Die Ordensgemeinschaften sind als solches Zeichen gedacht, versuchen dafür Zeugnis zu geben.

Podium

[Foto vlnr: Marcus Franz, Christian Führer, Sibylle Hamann, Abt Johannes Jung, Karin Pollack (Moderatorin)]

Gesundheit und Geld

Der ärztliche Leiter des Ordensspitals der Hartmannschwestern Marcus Franz betonte, „dass die Medizin selber in der rein wissenschaftlichen ‚Studiengläubigkeitsfalle‘ sitzt.“ Außerdem sitzt der Mensch in seinen Erwartungen gegenüber der Medizin in der Glaubensfalle, wenn er meint, „dass jung, schön und gesund per Mausklick jetzt machbar ist.“ Er spricht von der Erwartung der Menschen in Richtung „Heilung per Mausklick“. Die Journalistin Sibylle Hamann erwidert dem Primar, „dass die Mediziner selber zum Teil diese Erwartung schüren.“ Hamann sieht heute eine Falle darin, „dass heute die Verantwortung für Systeme, Regeln und Abläufe nicht mehr greifbar und fassbar sind. Der Mensch findet kein Gegenüber. Es ist immer das System und kein persönliches Du.“ Der Bankfachmann Christian Führer von der NOE-Hypo stellt für seine Zunft selbstkritisch in den Raum: „Wo der schnöde Mammon auf den Plan tritt, kann schon mal eine Falle entstehen. Das Geld war in den letzten Jahren dieser Mammon, der zur Glaubens- und Vertrauensfalle geführt hat.“ Abt Johannes Jung verwies am Ende der Diskussion noch einmal auf die Bibel: „Die Fallen haben in der Bibel einen eindeutigen Namen und sie heißen Götzen.“ In der Diskussion meldete sich auch der Leiter der ARGE Ordensspitäler P. Erhard Rauch zu Wort: „So wie jetzt in der Gesundheitspolitik die Betroffenen ausgeschlossen werden bei Entscheidungen, befinden wir uns auch in einer Falle. Es braucht wieder mehr die Einbindung der Betroffenen, damit Vertrauen wächste und die notwendigen Schritte in gemeinsamer Verantwortung entwickelt und gesetzt werden können.“

Hartmannspital Wien

[fk]