Austausch über Klostermauern hinweg

2013 05 03 novizen 125 TEASERSechs Novizen aus vier österreichischen Stiften haben eine Woche des Austauschs und des gemeinsamen Lernens hinter sich. In St. Pölten traf sich der Nachwuchs der monastischen Orden zur Novizenwoche 2013.

„Dass sich die Novizen in einer gemeinsamen Novizenwoche kennenlernen, kann sie in ihrer Berufung stärken und lässt wichtige Kontakte zwischen den Klostergemeinschaften entstehen“, sagt Herr Mauritius Lenz vom Augustiner Chorherrenstift Herzogenburg, der die Novizenwoche 2013 begleitet hat. Bereits in den 1980er-Jahren gab es die Tradition der ordensübergreifenden Novizenwochen, die dann wieder eingeschlafen ist und vor 10 Jahren wieder zum Leben erweckt wurde. Seither treffen sich die Novizen der monastischen Männerorden jedes Jahr zu einer gemeinsamen Woche.

„Ordens-Ökumene“

Jeder kann sich einbringen, das ist für den Leiter der Novizenwoche, Herrn Mauritius Lenz, wichtig. Denn die Nachwuchs-Mönche und -Chorherren kommen aus Klostergemeinschaften mit ganz unterschiedlichen Traditionen. Jeder Teilnehmer soll in der Novizenwoche die Möglichkeit haben, die eigene Ordenstradition einzubringen und die anderen kennenzulernen. Vor allem in den Gebetszeiten werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten geehrt: Die Traditionen der Zisterziensermönche, der Augustiner Chorherren und der Prämonstratenser Chorherren fließen in die Novizenwoche 2013 ein.

Wozu Orden?

Drei Novizen kommen aus dem Stift Klosterneuburg (Augustiner Chorherren), einer aus Herzogenburg (Augustiner Chorherren), einer aus Schlägl (Prämonstratenser) und einer aus Rein (Zisterzienser). „Die Novizen haben unterschiedliche Lebens- und Berufungsgeschichten“, erzählt Mauritius Lenz. Sie sind zwischen 22 und 44 Jahre alt und haben großteils einen Beruf ausgeübt oder ein Studium abgeschlossen, bevor sie sich für ein Leben im Kloster entschieden. In der Novizenwoche setzen sie sich mit Themen auseinander, die sie als Novizen über die Klostermauern hinweg verbinden. Zum Beispiel mit der Frage, wo der Platz der Ordensgemeinschaften in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts ist. Wo es heute Nöte in der Gesellschaft gibt, die die Orden herausfordern.

Von minderjährigen Flüchtlingen bis zum Josephinismus

Am Programm der Novizenwoche stand sowohl das Thema, welchen Platz Orden in der Kirche einnehmen (mit Weihbischof Anton Leichtfried „Orden und Diözesen“ und mit Generalsekretär P. Erhard Rauch „Ziele der Superiorenkonferenz“), als auch Berührungspunkte mit Extremsituationen in der Gesellschaft (Christian Kuhn über Gefangenenseelsorge und Exkursion zur Arbeit der Emmaus-Gemeinschaft in St. Pölten mit minderjährigen Flüchtlingen, Obdachlosen, Haftentlassenen). Die Geschichte und Tradition der Orden in Österreich wurde mit Helga Penz vom Referat für Kulturgüter im Stiftsarchiv Herzogenburg („Josephinismus“) beleuchtet und mit dem Grazer Franziskaner-Guardian P. Willibald Hopfgartner („Entwicklung der Orden“). Auch ein Kulturausflug von Stift Göttweig über die Wachau nach Maria Lach stand am Programm.

„Die Novizenwoche fällt in eine Zeit, in der die jungen Ordensmitglieder ihr Haus kaum verlassen, das ist ja der Sinn des Noviziats, sich eine Zeit der Konzentration auf das Wesentliche zu gönnen“, erklärt Herr Mauritius Lenz. „Da tut es aber auch ganz gut, zwischendurch mit anderen Männern in derselben Lebenssituation zusammenzukommen, die Gemeinschaft zu erleben und sich über die eigenen Klostermauern hinweg auszutauschen.“ Die Novizenwoche in St. Pölten dauerte von 23. April bis 3. Mai 2013.

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Von links nach rechts: H. Thaddäus (Stift Klosterneuburg), Abt Columban und P. Franz (Stift Göttweig / während eines Besuchs im Stift), H. Georg (Stift Herzogenburg), Fr. Amadeus (Stift Rein), H. Martin (Stift Klosterneuburg), Fr. Hermann Josef (Stift Schlägl) und H. Felix (Stift Klosterneuburg)

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Bildquelle: Herr Mauritius Lenz Can.Reg.

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