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In Härtefällen hilft „Google Translate“

Seit ein paar Wochen besuchen Schüler*innen aus ukrainischen Flüchtlingsfamilien das Schulzentrum der Dominikanerinnen in Wien-Hietzing. Fast seit dem ersten Tag lernen sie dabei Deutsch – unterrichtet von Lehrer*innen der Schule, die das in ihrer Freizeit machen. 

 Sascha Schier, der Leiter des Schulzentrums und die Direktorin der AHS, Monika Rapp-Pokorny. (c) ÖOK/Elisabeth Mayr

Sascha Schier, der Leiter des Schulzentrums und die Direktorin der AHS, Monika Rapp-Pokorny. (c) ÖOK/Elisabeth Mayr

„Ich bin total begeistert von unseren Pädagog*innen“, erzählt die Direktorin der AHS, Monika Rapp-Pokorny, über die Aktion, die seit ein paar Wochen in ihrer Schule zum Alltag gehört: Täglich unterrichten Lehrer*innen für zwei Stunden am Vormittag die ukrainischen Schüler*innen, die die Schule der Dominikanerinnen in Wien-Hietzing besuchen – und das ehrenamtlich.

Für die Direktorin ist der Spracherwerb wesentlich. „Wir haben schon in der ersten Flüchtlingswelle 2015 die Erfahrung gemacht, wie unendlich wichtig es ist, dass sich diese Kinder artikulieren und ausdrücken können.“ Mit dem Erwerb der deutschen Sprache erhalten sie nicht nur Zugang zur Kultur, sondern auch zur Gemeinschaft, das sei wesentlich für eine erfolgreiche Integration.

Als dann auch dieses Frühjahr die ersten Anfragen kamen, ob die Schule bereit wäre, Kinder aus ukrainischen Flüchtlingsfamilien zu unterrichten, war ihr klar, dass sie in der Schule so schnell wie möglich mit dem Deutschunterricht anfangen müssen. 

Auf einer eigens gestalteten Wand können die Schüler*innen ihre Gedanken und Sorgen zum Ukrainekrieg aufschrieben. (c) ÖOK/Elisabeth Mayr

Auf einer eigens gestalteten Wand können die Schüler*innen ihre Gedanken und Sorgen zum Ukrainekrieg aufschrieben. (c) ÖOK/Elisabeth Mayr

Schulbesuchsanfragen mit Beginn der Flüchtlingswelle

Die Anfragen kamen eigentlich fast mit Beginn der Flüchtlingswelle, erzählt der Leiter des Schulzentrums, Sascha Schier, und haben alle einen privaten Hintergrund, sprich Eltern eines Schülers, einer Schülerin, haben eine ukrainische Familie bei sich aufgenommen und schicken ihre Kinder in unsere Schule. „Wir nehmen diese Kinder gerne bei uns auf, das ist eine Frage unserer Haltung.“ Zurzeit besuchen 16 Kinder aus der Ukraine das Schulzentrum der Dominikanerinnen, das aus Volks-, Mittelschule, Fachschule inkl. Aufbaulehrgang und AHS besteht, und drei Kinder den Kindergarten, der ebenfalls auf dem sieben Hektar großen Schulcampus liegt.

Große Hilfsbereitschaft trotz Belastung

Die Direktorin habe dann an die Lehrer*innen ihrer Schule ausgeschrieben, ob es denn Freiwillige für den Deutschunterricht gebe, obwohl es unsicher sei, ob es dafür Geld gibt. „Innerhalb einer halben Stunde hatte ich die Zusagen für die gewünschten zehn Wochenstunden. Das ist insofern unglaublich, weil wir sind durch Corona alle bereits stark belastet…  es gibt Langzeitausfälle, ständig neue Regelungen usw. – und trotz allem ist diese große Hilfsbereitschaft da“, sagt sie nicht ohne Stolz.

Hilfe auch zu Beginn der Pandemie

Hilfsbereitschaft und "einfach aufeinander Schauen" läge in der DNA des Schulzentrums, so Sascha Schier. Das merke er nicht nur jetzt in der Ukraine-Nothilfe, sondern das war auch zu Beginn der Corona-Pandemie sichtbar: "Wir haben von der Schule den Eltern sofort angeboten, ihnen bei finanziellen Engässen beim Schulgeld entgegenzukommen." Andererseits gab es auch Eltern, die sofort angeboten haben, das Schulgeld für Schüler*innen, deren Eltern durch Corona in finanzielle Not geraten sind, für ein paar Monate zu übernehmen.  

Texte und Bilder von Schüler*innen zum Ukrainekrieg. (c) AHS Hietzing

Texte und Bilder von Schüler*innen zum Ukrainekrieg. (c) AHS Hietzing

Hybrider Unterricht

In der Schule kümmert man sich nun um die Kinder aus der Ukraine. In einem „hybriden Unterrichtsmodell“ erhalten sie am Vormittag zwei Stunden Deutschunterricht, danach kommen sie in ihre altersgerechte Klasse und sind dort mit gleichaltrigen Kindern zusammen. Das funktioniere bis dato ganz gut, man wolle den Kindern so schnell wie möglich wieder einen geregelten Schualltag ermöglichen, so die Direktorin.

„Google translate“ hilft

Monika Riedler ist eine der Lehrerinnen, die sich freiwillig für den Deutschunterricht gemeldet hat. Ihr fällt insbesondere auf, wie schnell die Kinder lernen: „In der ersten Woche hatte ich am Montag die erste Stunde mit ihnen, am Mittwoch die nächste und der Fortschritt war erstaunlich“, erzählt sie über ihre ersten Einsätze.

Die schnellen Fortschritte motivieren, herausfordernd bleibt es dennoch: „Es sitzen dort Kinder unterschiedlichen Alters mit unterschiedlicher Bildung. Die jüngeren kennen die lateinische Schrift noch nicht und müssen erst das Alphabet lernen. Die älteren, die bereits Englisch hatten, können es schon. Das erleichtert die Kommunikation.“ In Härtefällen helfe ihr „Google translate“, vor allem, wenn die Kinder später im Unterricht bei ihr sind, sie unterrichtet die Fächer Religion und Geschichte, und sie diese gemeinsam mit der restlichen Klasse unterrichten muss.

Monika Riedler organisierte ein Frühstück für die Kinder aus der Ukraine und hat gleich den Sprachkurs mitintegriert.

Monika Riedler organisierte ein Frühstück für die Kinder aus der Ukraine und hat den Sprachkurs dabei gleich mitintegriert. (c) Monika Riedler

Spracherwerb als Benefit

„Wir können keinen systematischen Deutschunterricht anbieten“, so Direktorin Rapp-Pokorny, „aber alles was stattfindet ist besser, als das was nicht stattfindet.“ Frau Riedler bestätigt das. Für sie sei der Unterricht eine schöne, da sinnmachende Aufgabe.

Niemand wisse, wie lange die Kinder hier sind, wie lange der Krieg in ihrer Heimat noch dauert. Solange sie hier sind, sollen sie aber einen gewissen Benefit haben, so die Direktorin: „Sie sind aus dem Schulsystem und ihrem Lebensumfeld herausgerissen worden. Egal wie lang sie hier sind, sie haben zumindest eine Sprache gelernt. Das kann ihnen später niemand mehr wegnehmen.“


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 [elisabeth mayr]

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