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„Pionierin“ feierte 100. Geburtstag

Am 21. Februar feierte die Kreuzschwester Sr. M. Johanna Brandstätter in Bangalore ihren 100. Geburtstag. Die gebürtige Oberösterreicherin lebt und wirkt seit 1955 in Indien und war dort in vielerlei Hinsicht Pionierin. 

Wenig weiß man in Österreich von den Leistungen von Sr. M. Johanna Brandstätter, der sogar die indische Staatsbürgerschaft verliehen wurde. Jetzt wurde die Missionsschwester aus Leidenschaft 100. Wer war nun diese Ordensfrau, die in Indien so viele Spuren hinterlassen hat, dass sogar ein ganzes Dorf ihren Namen trägt? Wir begeben uns auf Spurensuche.

Sr. M. Johanna Brandstätter wurde am 21. Februar 1922 in Grünburg im Steyrtal geboren. (c) Kreuzschwestern

Sr. M. Johanna Brandstätter wurde am 21. Februar 1922 in Grünburg im Steyrtal geboren. (c) Kreuzschwestern

„Mariedl“ kommt nach Indien

Schon früh wusste Sr. M. Johanna Brandstätter, oder „Mariedl“, wie sie am elterlichen Hof im Steyrtal in OÖ genannt wurde, dass sie Ordensfrau und Missionarin werden wollte. 1945 trat sie als 23-Jährige in den Orden der Kreuzschwestern ein.

Zehn Jahre später erfüllte sie sich schließlich ihren Herzenswunsch: Sie kam als Missionarin nach Bettiah in Indien und unterrichtete dort an einer Kreuzschwesterschule. 1957 legte sie dort auch die Ewige Profess ab.
Im selben Jahr kam von der Provinzoberin die Aufgabe, nach Gholeng in die zentralindische Provinz Chattisghar zu gehen und dort eine Schule zu eröffnen. Keine leichte Mission, lebten in Chattisghar doch viele „Adivasi“ – indische indigene Bevölkerung, die Großteils noch als „Jäger und Sammler“ lebten und zu den ärmsten Menschen in Indien zählten.

Sr. M. Johanna gründete dann mit Erfolg eine Schule, sogar mit Matura-Möglichkeit, musste aber feststellen, dass trotzdem viele Mädchen der Region keinen Unterricht erhalten.

Der einjährige Grihini-Kurs bot den Ureinwohner-Mädchen eine Basis-Ausbildung und stärkte auch ihr Selbstbewusstsein. (c) Kreuzschwestern

Der einjährige Grihini-Kurs bot den in Gholang Mädchen eine Basis-Ausbildung und stärkte auch ihr Selbstbewusstsein. (c) Filmszene YouTube/Sisters of Mercy of the Holy Cross

Die „Grihini-Bewegung“

Ihre Lösung waren die „Grihini-Kurse“ (Hausfrauen-Kurse): Mädchen erhielten in neun Monaten eine Basisbildung. Sie lernten lesen und schreiben, kochen und den Haushalt zu führen. Auch Säuglingspflege war dabei.
Was als kleiner Kurs begann wurde bald darauf eine Bewegung, die sich auf ganz Indien ausdehnte. Bis zur Schließung der letzten Grihini-Schule drei Jahrzehnte später – sie waren dank eines bis dahin gut funktionieren indischen Schulsystems überflüssig geworden – besuchten mehr als 35.000 Mädchen die Grihini-Kurse.

Pionierin für das Wohl der Menschen

Sr. M. Johanna blieb nicht lange genug in Gholeng, um die Früchte ihrer Arbeit zu ernten. Andere Aufgaben warteten auf sie: Nächste Station der „Pionierin“ war Ambikapur in Chattisghar. Auch dort konnte sie mit viel Hartnäckigkeit und Einsatz die Errichtung einer Schule, eines Colleges und sogar eines Krankenhauses durchsetzen.
Später gründete sie eine große Schule in Mira Road, einem Teil Bombays, in dem es vorher nur Slums gab und heute eine große Siedlung entstanden ist.
In Goa eröffnete sie später ein Heim für Kinder, die an AIDS erkrankt waren. Sr. M. Johanna hatte damals in Gholeng den ersten Kindergarten eröffnet, auch diese begannen sich bald in anderen Provinzen auszubreiten - Sr. M. Johanna sorgte dafür, dass Kindergärtnerinnen in Ranchi eine Ausbildungsstätte bekamen.

Sr. M. Johanna ist eine Missionarin, die sich die Begeisterung für Jesus, für sein Werk und für die Mission bis zum heutigen Tag erhalten hat. (c) Kreuzschwestern

Sr. M. Johanna ist eine Missionarin, die sich die Begeisterung für Jesus, für sein Werk und für die Mission bis zum heutigen Tag erhalten hat. (c) Filmszene YouTube/Sisters of Mercy of the Holy Cross

Zäh und hartnäckig

Was sich einfach schreibt und liest ist harte Arbeit gewesen. Ihre Weggefährten beschrieben Sr. M. Johanna als zäh und hartnäckig, aber sie habe immer gesehen, was Menschen brauchen und sofort angepackt. „Der Einsatz für die Menschen war ihre Berufung und auch Leidenschaft“, erzählte ihre leibliche Schwester Sr. M. Elisabeth, die wie ihre große Schwester ebenfalls Kreuzschwester wurde.

In einem Interview erzählte Sr. M. Johanna, dass es passieren kann, dass sie bis zu 30mal bei Beamten vorstellig wurde. Ihre Hartnäckigkeit sei aber immer mit einer Zustimmung für ihre Projekte belohnt worden.  

Ein Ständchen mit Torte zum Geburstag. (c) YouTube/Sisters of Mercy of the Holy Cross

Indische Staatsbürgerschaft

Besonders am Herzen lagen Sr. M. Johanna die „Adivasis“, die sozial schlechter gestellten Menschen, deren Lebensumstände sie stets zu verbessern versuchte. Aber sie liebte nicht nur die Menschen, sondern auch das Land Indien. Schließlich hat sie sogar um die indische Staatsbürgerschaft angesucht und diese nach einigem Ringen auch bekommen. Ein Moment „wie im Himmel für Sr. M. Johanna“, berichtete ihre Schwester. Sie ist bis heute die erste und einzige Kreuzschwester, die die indische Staatsbürgerschaft besitzt.

Seit 2008 lebt Sr. M. Johanna Brandstätter nun in Kothanoor, Bangalore. Im Alter musste sie leiser auftreten, aber von ihrer Vehemenz und Hartnäckigkeit hat sie nichts verloren. „Wie sie stets noch immer über alles Aktuelle informiert ist, ihr scharfer Verstand – mit ihr sich zu unterhalten, ist immer eine große Inspiration“, sagt etwa Sr. Flory D’Souza, Provinzoberin der Kreuzschwestern in Südindien.

Laut Sr. Flory trägt Sr. M. Johanna einen großen Anteil daran, dass heute über 1.000 Kreuzschwestern in Indien wirken – unter anderem kam auch Sr. Flory selbst dank Sr. M. Johanna mit den Kreuzschwestern in Berührung. Sr. M. Johanna sei aufgrund ihrer Leistungen in Indien zudem eine „Pionierin und große Missionarin, die Leute lieben sie“.  

Filmporträt über Sr. M. Johanna Brandstätter. (c) YouTube/Sisters of Mercy of the Holy Cross, South Province

 

Am 21. Februar 2022 wurde sie 100. Ihre Mitschwestern und viele weitere WegbegleiterInnen – manche nahmen dafür eine 24-stündige Autobusfahrt auf sich – ließen sie in ihrer Wahlheimat Bangalore hochleben. Dem Festgottesdienst standen zwei Erzbischöfe vor, darunter der Präsident der indischen Bischofskonferenz. Am Nachmittag gab es nochmal eine Rückschau ihr auf bewegtes Leben und vielfältiges Wirken in Indien, sogar ein Video wurde produziert.

 Von ihren Mitschwestern erhielt Sr. M. Johanna ein besonderes Geschenk: Ihre Lebenserinnerungen in Buchform. Die Spuren, die das „Mariedl“ in Indien hinterlassen hat, füllt ein ganzes Buch, aber mehr hat sie durch ihren unermüdlichen Einsatz das Leben vieler Menschen besser gemacht.  

20220316 100 jahre

Das Buch mit all ihren Lebenserinnerungen. (c) Kreuzschwestern


Weiterlesen:

Filmporträt über Sr. M. Johanna Brandstätter (Englisch)

Feier zum 100. Geburtstag von Sr. M. Johanna Brandstätter: Kulturprogramm

Feier zum 100. Geburtstag von Sr. M. Johanna Brandstätter: Eucharistiefier

Kreuzschwestern Provinz Europa Mitte

[elisabeth mayr]

 

 

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