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„Junge Frauen sehen in Kirche keine Perspektive“

Sr. Rita-Maria Schmid, Oberin der Schwestern der Heiligen Klara im Interview mit den „Vorarlberger Nachrichten“: „Wir gewinnen an Glaubwürdigkeit in der Gesellschaft, wenn wir jetzt die kirchlichen Dienste mit unserem Frausein füllen und ergänzen“

Die Vorarlberger Äbtissin Sr. Rita-Maria Schmid warnt vor dem weiteren Rückzug von Frauen aus der katholischen Kirche. „Die jungen Frauen sehen keine Perspektive, in Positionen zu kommen wie die Männer“, sagte die Oberin der „Schwestern der Heiligen Klara“ den „Vorarlberger Nachrichten“. Schmid war zuletzt auch unter jenen 15 Frauen in leitenden kirchlichen Positionen, die sich im Zuge der Sommervollversammlung der Bischofskonferenz mit den Bischöfen über ihre Vorstellungen von Kirche bzw. Reformanliegen austauschten (Die Ordensgemeinschaften Österreich berichteten).

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Sr. Rita-Maria Schmid im Interview mit den Vorarlberger Nachrichten über die Rolle der Frauen in der Kirche. (C) Klaraschwestern

Frauen den Zugang zu allen kirchlichen Ämtern ermöglichen

„Wir gewinnen an Glaubwürdigkeit in der Gesellschaft, wenn wir jetzt die kirchlichen Dienste mit unserem Frausein füllen und ergänzen“, bekräftige die Ordensfrau nun. Sie wünsche sich, dass die Kirche mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau nicht warte, bis die ganze Welt mittut. Frauen müssten aus der Grauzone herausgeholt und befähigt werden, in besonderen Situationen Sakramente zu spenden, wie etwa das der Krankensalbung und der Beichte: „Irgendwo muss man anfangen.“ Das übergeordnete Ziel sei, den Frauen den Zugang zu allen kirchlichen Ämtern zu ermöglichen: „Frauen müssen auch Priesterinnen und Bischöfinnen werden können, einfach gleichberechtigt werden“, meinte die Äbtissin.

Gottesbeziehung als Anker

Sie selbst fühle sich privilegiert, sagte Schmid. „Wir Ordensfrauen haben viel Freiraum und Gestaltungsmöglichkeiten in der Kirche.“ Sie habe es noch keine Sekunde bereut, vor 23 Jahren den geistlichen Weg eingeschlagen zu haben. Das Klosterleben sei „die beste Möglichkeit, um ein gottbezogenes Leben zu führen. Das Schönste ist, diesen Raum der Stille zu haben.“

Dadurch könne man die Gottesbeziehung pflegen und intensivieren. „Man lernt, nicht nur mit Gott, sondern auch mit sich in Beziehung zu kommen. Das würde ich allen Menschen gönnen.“ Wenn man in Gott beheimatet ist, habe man einen Halt, einen Anker, egal, was draußen in der Welt geschieht. Es bedrohe einen nicht und bringe einen nicht aus dem Gleichgewicht. Man bleibe ruhig und komme nicht in Panik.

Die Suche nach Gott

Die gebürtige Deutsche wuchs mit drei Geschwistern in einem gläubigen Elternhaus, einem Bauernhof, auf. Als 10-Jährige habe sie mit Freude in ihrer Heimatstadt Waldsee ministriert. „Das durfte ich nur, weil es an Buben mangelte“, erzählte sie. Mit 14 Jahren sei sie für den Wunsch, ins Kloster zu gehen, von ihrer Clique ausgelacht worden, weil sie so gerne ausging. Sie habe gespürt, „das kann nicht alles sein“ und begab sich auf die Suche nach Gott.

Rita-Maria Schmid stammt aus Bad Waldsee in Baden-Württemberg. Die 57-jährige ausgebildete Altenpflegerin wurde vor zwei Jahren zur Äbtissin der Gemeinschaft der „Schwestern der Heiligen Klara“ gewählt. Als solche steht sie 17 Schwestern vor.

Quelle: kathpress


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[renate magerl]

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