Papst-Leo-Preis für Sr. Karina Beneder

Der Preis der Papst-Leo-Stiftung für besondere Verdienste um die Katholische Soziallehre geht heuer an Sr. Karina Beneder (55) und die von ihr geleitete Initiative "Wir wollen helfen Zwettl". Die Franziskanerin hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten Hilfsbrücken zwischen dem Waldviertel und Ghana sowie Peru gebaut.

20210318 Sr BenederSr. Karina Beneder setzt sich für Bildung in den ärmeren Regionen ein und erhielt dafür den Papst-Leo-Preis. (c) zVg

Außerdem hat sie für Schulen und Waisenhäuser gesorgt, engagiert sich für Umweltschutz und sammelt derzeit in vielen Einzelprojekten Spenden zur Bekämpfung der Corona-Krise in den Anden. "Mit dem Preisgeld von 2.000 Euro werde ich zwei Sauerstoffflaschen für Lima kaufen", kündigte die Ordensfrau am Donnerstag im Interview mit Kathpress an. Verliehen wird der Preis an insgesamt drei Personen am 21. Mai durch den St. Pöltner Diözesanbischof Alois Schwarz bei einem Festakt in Horn.

Die Hilfe für das Andenland Peru ist derzeit der Hauptfokus bei "Wir wollen helfen Zwettl". 2013 wurde durch Spenden aus Österreich in der Stadt La Union mit dem Bau einer Schule für 380 Kinder begonnen, dessen Ausbau zu 22 Klassen im Sommer fertig sein soll. Beneder fand bisher 120 österreichische Familien, die allmonatlich mit Patenschaften von 40 Euro je ein Schulkind in Peru unterstützen, wobei sie selbst den Briefverkehr zwischen Paten und Kindern übersetzt. Auch mehrere Armenausspeisungen in der Hauptstadt Lima wurden auf diese Weise eingerichtet.

Die Corona-Krise hat die Partnerschule in den nun schon ein Jahr andauernden Homeschooling-Modus versetzt und die Nöte der Menschen, aber auch die Zwettler Hilfsmaßnahmen intensiviert. Derzeit sammelt Beneder bereits zum dritten Mal in österreichischen Apotheken und Ärzten Medikamente, die per Container nach Peru versandt und dort von kirchlichen Gesundheitsdiensten in einem Armenviertel in der Peripherie Limas abgegeben werden. Mit Spenden wurden vor Ort schon etliche Sauerstoffflaschen für den Verleih an schwer Erkrankte Covid-Patienten angekauft, Armenausspeisungen eröffnet und tausende Essenspakete für die notleidende Bevölkerung überreicht. Auch ein Beitrag für eine kirchliche Sauerstoff-Erzeugungsanlage in Lima wurde geleistet, gemeinsam mit der Fastenaktion der Diözese St. Pölten sowie deutschen Diözesen und Hilfswerken.

Projekte gehen nicht aus

Den Anfang von Sr. Karinas langjährigem Engagement machte ein Einsatz in Ghana, wo die Ordensfrau ein Jahr lang in einem Dorf lebte - "und wo mir ohne Wasser und Strom klar wurde, was es heißt, Franziskanerin zu sein", wie sie gegenüber Kathpress berichtete. Als sie 2002 zurückkam, hatte sich in der Pfarre Zwettl-Stadt die Unterstützerinitiative "Wir wollen helfen Zwettl" gegründet. Mit dieser wurde der Bau eines Aids-Waisenhauses in Ghana finanziert, das insgesamt 22 Kinder durchs Leben führte und kürzlich der dortigen Diözese übergeben wurde. Auch mehrere Studenten aus Ghana wurden unterstützt - sowie aus Peru. Dorthin verschlug es Sr. Karina für ein weiteres Jahr, nachdem der dort geborene Priester P. Juan Goicochea Zwettl besuchte und von den Nöten vor Ort berichtete. Der Comboni-Missionar ist Beneders wichtigster Projektpartner in Peru.

Die Pfarre Zwettl-Stadt und das Schulzentrum der Franziskanerinnen, an denen Sr. Beneder Religion, Technisches Werken und Soziales Lernen unterrichtet, sind die zwei Standbeine ihres Vereins. Dieser verschickt zweimal jährlich Spendenbriefe an die Kontakte, was die Vorstandsmitglieder selbst finanzieren. "Für Verwaltung geben wir keinen Cent aus", so die Ordensfrau, der es auch weiter nicht an Projekten fehlt: Ein spanisches Lehrbuch, das Spiritualität und Ökologie verbindet (www.umweltbuch.net) und dessen Übersetzung auf Deutsch, Polnisch, Französisch und Ukrainisch sie bereits organisierte, erscheint demnächst auf Englisch. Die Schule in Peru soll Zugang zu Trinkwasser bekommen, und die Hilfe mit Sauerstoff und Medikamente wird noch weiter ausgebaut, denn: "Die Not ist größer denn je." Dazu plant Beneder, auch selbst erneut nach Peru zu fliegen, sobald dies möglich ist.

Verdienste für die Soziallehre

Mit dem Papst-Leo-Preis werden seit 1987 alle zwei Jahre Personen, Gruppen, Organisationen und Institutionen geehrt, die sich um die Katholische Soziallehre durch Lehre und Publizistik, durch Umsetzung in Gesetzgebung, Projekten und Modellen sowie durch Akte sozialer Gerechtigkeit innerhalb Österreichs besonders verdient gemacht haben. Benannt ist die von der 1985 gegründeten Papst-Leo-Stiftung vergebene Auszeichnung nach Leo XIII. (1878-1903), der mit seiner Enzyklika "Rerum novarum" die Katholische Soziallehre begründete.

Außer an Sr. Beneder geht ein weiterer Papst-Leo-Preis an den Salzburger Josef Mautner, der u.a. für die Schaffung der Integrationsplattform des Landes Salzburg, die Gründung eines Runden Tisches für Menschenrechte und einer Anti-Diskriminierungsstelle in Salzburg verantwortlich zeichnet. Auch Josef Gruber, Betriebsseelsorger aus St. Pölten, erhält die Auszeichnung. Der um Versöhnung von Arbeitnehmerschaft und Kirche bemühte Pastoralassistent und Religionslehrer gründete Jugendgruppen, unternahm Arbeitseinsätze in diversen Großbetrieben, nahm sich um Gastarbeiter sowie später um Flüchtlinge an und schuf hauptverantwortlich das "Fest der Begegnung" am St. Pöltner Rathausplatz.

Quelle: Kathpress

[elisabeth mayr]