Fruchtbarer Austausch zwischen Wissenschaft und Orden

Am 15. und 16 März fand das Vernetzungstreffen der Kulturgüter-Beauftragten der Orden statt. Am ersten Tag lag der Fokus auf Zusammenarbeit zwischen Kirche und Wissenschaft. TeilnehmerInnen wurden dazu ermutigt, Kunstgegenstände zu konservieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

  Die Teilnehmer*innen des Vernetzungstreffens konnten sich online austauschen und den Vorträgen beiwohnen. (c) OG

Die TeilnehmerInnen des Vernetzungstreffens konnten sich online austauschen und den Vorträgen beiwohnen. (c) OG

Ziel der zweitägigen Veranstaltung war es, das Verständnis und den Austausch der verschiedenen mit den Kulturgütern betrauten Fachbereiche aus Diözesen, Ordensgemeinschaften und Wissenschaft zu fördern, erklärte Karin Mayer, die Leiterin des Bereichs Kultur und Dokumentation der Österreichischen Ordenskonferenz. Durchgeführt wurde die Tagung in Kooperation mit dem Kunstkonservatorat der Diözese Gurk. Dessen Leiterin, Rosmarie Schiestl, präsentierte das im Vorjahr erschienene Handbuch "Schöne Kirche", das als wichtiges Nachschlagewerk für Diözesen, Pfarren, Klöstern und kirchliche Kunstsammlungen Hilfestellungen für den fachgerechten Umgang und die Pflege von Kunst- und Kulturgütern bietet.

Ausgangspunkt der Tagung war eine auf lange Zeit angelegte Initiative des Elisabethinenordens in Klagenfurt, der im Jahr 2012 seine Kunstschätze Besuchern im sogenannten "Kunsthaus Marianna" nach Anmeldung zugänglich gemacht hat. Gezeigt wird dort die Hinterlassenschaft von Erzherzogin Maria Anna Josepha Antonia von Österreich (1738-1789). Die auch als "Marianna" bezeichnete älteste Tochter Kaiserin Maria Theresias bestiftete das damals von Aufhebung bedrohte Kloster der Elisabethinen und ließ für sich daneben eine Residenz errichten, die heute die (von Bischof Josef Marketz nicht bewohnte, Anm.) Residenz des Bischofs von Gurk-Klagenfurt ist. Ihren Nachlass, bestehend aus einer Sammlung mit Porträts der umfangreichen kaiserlichen Familie sowie Kleider, Schmuck, Devotionalien, Kunsthandwerk und verschiedene Gebrauchsgegenstände aus ihrem Alltag, vermachte sie später den Elisabethinen.

"Kunsthaus Marianna"

Die Ausstellungsstücke im Kunsthaus "Marianna" sind das Ergebnis einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Orden und Wissenschaft. (c) OG

Die Ausstellungsstücke im Kunsthaus "Marianna" sind das Ergebnis einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Orden und Wissenschaft. (c) OG

Die erst in den vergangenen Jahren erfolgte Konservierung und Zurschaustellung dieser Schätze war Ergebnis einer befruchtenden Zusammenarbeit zwischen Orden und Wissenschaft, legten die renommierte Kunsthistorikerin Prof. Gabriela Krist sowie Universitätsassistentin Veronika Loiskandl, beide von der Universität für Angewandte Kunst in Wien, im Rahmen des Online-Treffens dar. Die Elisabethinen hatten den Kontakt mit ihnen aufgenommen, als ihr kostbarstes Stück, der sogenannte "Mantel der heiligen Elisabeth", restauriert werden sollte. "Im Lauf der Zeit ist eine tiefe Verbundenheit mit den Schwestern gewachsen, die dazu führte, dass sie uns auch den Umgang mit ihrer anderen Kostbarkeiten anvertrauten", berichtete Krist. Auch von der Zusammenarbeit verschiedener universitärer Disziplinen habe das Projekt entscheidend profitiert.

Doch bis zu Beginn dieser mehrjährigen Kooperation schlummerte der Klosterschatz in Lagerräumen am Dachboden des Klosters sowie in einem Raum des Klausurbereichs, während Textilien wie etwa Messkleider in der Sakristei lagerten. Die beteiligten Forscherinnen erstellten zunächst ein Inventar von 434 relevanten Objekte und stellten dabei auch deren Zustand fest. Ein Fünftel der Gemälde wurde als "akut gefährdet" eingestuft, woraufhin dringende konservatorisch-restaurative Maßnahmen eingeleitet wurden. Angesagt war auch Schädlingsbekämpfung gegen Holzkäfer an den Keil- und Zierrahmen sowie gegen Schädlingen an den Reliquienschreinen, ehe zeitlich befristete Zwischenlager errichtet und schließlich 2012 das Schaudepot "Kunsthaus Marianna" wurde, das 2016 erweitert wurde.

Anliegen des Ordens war es, die Bildersammlung und die wertvollen Messkleider aus dem 18. Jahrhundert der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei auch die eigene Spiritualität zu vermitteln. Der Plan ging auf: Bis zum Beginn der Corona-Pandemie wuchs die Zahl der Interessierten, die sich zu den angebotenen individuellen Führungen mit einer dafür geschulten Person anmeldeten, berichtete Krist. Die Inhaberin des UNESCO-Lehrstuhls für die Erhaltung von Kulturerbe nannte die Vorgangsweise der Elisabethinen vorbildhaft: "Wir ermutigen die Orden, sich in der Frage nach dem Umgang mit ihren Kunstschätzen an die kirchlichen Konservatorate zu wenden." Auch von öffentlichen Stellen gebe es hier teils großes Entgegenkommen, besonders in Niederösterreich, das über seine Depotoffensive derartige Konservierungsvorhaben von öffentlichen, jedoch auch kirchlichen Sammlungen und von solchen der Ordensgemeinschaften derzeit mit einer 50-prozentigen Förderung unterstützt.

Quelle: Kathpress


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[elisabeth mayr]