Wahrnehmen, was los ist in der Welt, und sehen, wo die Probleme sind

MayrhoferFür die Ordensgemeinschaften Österreich war die Wahl von Kardinal Jorge Mario Bergoglio zu neuen Papst "eine große Überraschung", wie der zweite Vorsitzende der Superiorenkonferenz, Pater Lorenz Voith, am Mittwochabend gegenüber erklärt hat. Die Präsidentin der Frauenorden, Beatrix Mayrhofer, sah wie Voith die Entscheidung der Kardinäle mit großer Hoffnung: "Da kommt noch einiges Positives auf uns zu."

Von Mitbrüdern seines Ordens in Lateinamerika weiss P. Lorenz Voith, der Provinzial der Wiener Redemptoristen ist,  dass der neue Papst in Lateinamerika einen guten Ruf habe: "Er repräsentiert die Kirche bei den Armen und mit den Armen. Das ist ein Zeichen für die heutige Zeit, das wir nun auch fortan für die Menschen setzen müssen." Soziale Randschichten und viele "am Rande und fern der Kirche" sollten künftig stärker angesprochen werden, hofft Voith. Es gelte, "Geschwisterlichkeit und Nächstenliebe in neuer Form - nicht so sehr intellektuell und doch fundiert - zu leben."

Synodal und demokratisch

Wisser, VoithZwar sei Franziskus I. im vorgerückten Alter gewählt worden, doch auch der 1958 gewählte Johannes XXIII. habe in derselben Situation für Überraschungen gesorgt, so Voith. Als Ordensmann, der lange Novizenmeister und Provinizial in Argentinien gewesen ist, sei dem neuen Papst in der Einschätzung Pater Lorenz Voiths eine "synodal und demokratisch verfasste Kirche" vertraut. Franziskus I. kenne die Themen der Orden und wisse um deren wichtigen Anteil in der Weltkirche, besonders in der Arbeit an der Basis in Südamerika. "Das kann uns Orden auch in Europa dazu ermutigen, dass wir uns noch stärker in die Ortskirche einbringen", so der Vertreter der österreichischen Männerorden.

Papst bringt wertvolle Erfahrungen mit

Franziskus I. könnte der Kirche "eine große Chance bringen", so die Meinung von Sr. Beatrix Mayrhofer, Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs nach der Wahl des neuen Papstes. "Dass mit Kardinal Bergoglios Wahl zum Papst erstmals seit 1167 Jahren wieder ein Ordensmitglied an der Spitze der katholischen Kirche steht, werde für die Orden keine unmittelbaren Folgen haben", so die oberste Ordensfrau in Österreich. "Ein Papst ist immer für die gesamte Kirche da und kann den Fokus nicht allein auf Ordensgemeinschaften legen. Ähnlich wie zuvor als Erzbischof von Buenos Aires muss der Papst Franziskus I. auch nun aus seiner Ordensgemeinschaft gewissermaßen heraussteigen und Papst für alle sein. Wie ich mir denken kann, wird die Kirche aus seinem Hintergrund jedoch viel profitieren."

Unkompliziert und schlicht

Die Wahl eines Jesuiten sah die Ordensfrau als "enorm spannend": "Er stammt aus einer Gemeinschaft, die einerseits immer absolut loyal zu den Päpsten gestanden ist und dazu auch in ihrer inneren Verfasstheit verpflichtet ist. Zugleich sind Jesuiten auch sehr kritisch und analytisch denkende Menschen. Franziskus I. wird viele Charismen aus seiner Ordensgemeinschaft in die Kirche einbringen." Die Namenswahl "Franziskus" sei "Programm", so Mayrhofer und erinnerte zugleich daran, dass sich auch der Jesuiten-Gründer Ignatius von Loyola durch schlichte Lebensweise ausgezeichnet habe. Der erste Auftritt des neugewählten Papstes sei "eine ganz andere Begegnung" gewesen als bisher bei Päpsten gewohnt: "Er wirkte sehr verhalten, eher zurückziehend, aber trotzdem in einer unkomplizierten und sehr schlichten Weise", so die Beobachtung Mayrhofers. 'Dass nach dem Amtsverzicht Benedikts XVI. aus Altersgründen erneut ein älterer Kandidat gewählt worden ist, hat mich doch etwas verwundert", meint die Präsidentin.

Rom ist ganz Weltkirche geworden

Es sei bereits "Zeit für einen Papst der Weltkirche und aus einem anderen Kontext gewesen", so Mayrhofer, die dem neuen Nachfolger Petri auch alles Gute wünschte: "Es kommen schwierige Probleme auf ihn zu". Sie sei jedoch zuversichtlich.  Persönlich hoffe sie, so Mayrhofer, dass der neue Papst die Kirche "in geistliche Erneuerung" führe. "Die spirituelle Tiefe, die Treue zum Evangelium und damit zum Leben Jesu war auch das Programm von Franziskus". Wichtig sei zugleich, dass die Kirche den Blick über sich selbst hinaus übe. "Wir müssen wahrnehmen, was los ist in der Welt, sehen, wo die Probleme sind, und die befreiende Botschaft des Evangeliums einbringen. Angesichts der vielen Nöte geht es nicht, dass wir immer nur nachdenken über die internen Schwierigkeiten, die wir uns zum Teil selbst eingebrockt haben", so die Präsidentin der Vereinigung von Ordensfrauen.