Klöster und ihre historischen Wetteraufzeichnungen

Wie die "Kirche bunt" in seiner letzten Ausgabe berichtete, wurde Österreichs älteste Wettermessstation 1762 im Stift Kremsmünster eingerichtet. Das Stift Zwettl ist mit Minus 36,6 Grad im Jahr 1929 bis heute Österreichs Kältepol.

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Abt Johannes Maria Szypulski und Stiftsarchivar Andreas Gamerith präsentieren die Wetterstation des Zisterzienserstiftes Zwettl. (c) Wolfgang Zarl

Die heimischen Klöster haben eine große Bedeutung für die Wetteraufzeichnungen in Österreich. Die ununterbrochenen Messdaten würden oft bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts zurückreichen, heißt es in einem Bericht in der aktuellen Ausgabe der St. Pöltner Kirchenzeitung "Kirche bunt". So befindet sich im Benediktinerstift Kremsmünster die älteste Wettermessstation Österreichs. Sie wurde bereits 1762 in Betrieb genommen. Aus dieser Zeit - der sogenannten "Kleinen Eiszeit" - gibt es weltweit kaum direkt gemessene Klimainformationen.

Auch im Zisterzienserstift Zwettl befindet sich eine der ältesten der österreichweiten insgesamt 280 Messstationen.  Roland Potzmann von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) führt für die Bedeutung der Klöster drei Gründe an. Erstens habe es dort immer interessierte und gebildete Mönche gegeben. Zweitens hätten die Klöster ihre Unterlagen meist gut archiviert und für spätere Generationen erhalten. Und drittens würden Klosteranlagen in Gegenden liegen, "wo sich schlicht über viele Jahre nichts ändert", schildert Potzmann in "Kirche bunt".

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Seit dem 12. Jahrhundert werden in der Stiftsbibliothek Aufzeichnungen über das Wetter festgehalten. (c) Wolfgang Zarl

Das sei etwa im Konventgarten im Stift Zwettl der Fall. Die Wetterstation des Stifts ist Teil des Messnetzwerkes ZAMG. Bis 1994 lasen die Zisterzienser drei Mal täglich die Werte ab und gaben diese telefonisch nach Wien durch. Seit 1994 läuft dies automatisch ab. Dennoch bleiben für einen Wetterbeobachter vor Ort noch einige Phänomene mit dem Auge zu eruieren: die Bewölkung und ihre Dichte, die Sichtweite, Gewittertätigkeit oder optische Wetterphänomene. Diese werden monatlich mittels Formular an die Klimaabteilung gemeldet.

Seit dem 12. Jahrhundert befassen sich die Ordensleute in Zwettl mit den Wetterphänomenen. In den Handschriften der Stiftsbibliothek werden zahlreiche (in den ersten Jahrhunderten noch eher ungenaue) Aufzeichnungen dokumentiert. Einige Beispiele: Für den Mai 1451 wurde "starker Hagel" dokumentiert, im März 1744 kam es zu einem dramatischen Eisstoß auf dem Kamp-Fluss, der große Schäden im Stift anrichtete. Im selben Jahr konnten auch die Handwerker, die das Heilige Grab von Stift Zwettl ausgemalt hatten, zunächst nicht in ihre Heimat zurückkehren, da die Donau Hochwasser führte.

1816 war laut Aufzeichnungen ein "Jahr ohne Sommer". Das Jahr war unfruchtbar und im Sommer regnete es andauernd und es war kalt, sodass es in Teilen Europas zu einer Hungernot kam. Als Hauptursache wird heute der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im April 1815 angesehen.

Systematische und standardisierte Klimabeobachtungen und -messungen gibt es in Zwettl ab Ende des 19. Jahrhunderts. Am 11. Februar 1929 wurde im Zwettler Konventgarten die tiefste, je in einer österreichischen bewohnten Region gemessene Temperatur aufgezeichnet: Minus 36,6 Grad. Österreichweit wurde bislang nur am Sonnblick mit Minus 37,4 Grad ein kälterer Wert gemessen, allerdings liegt die Messstation auf 3.106 Meter Seehöhe.

Quelle: Kirche bunt, Kathpress

[elisabeth mayr]