Mutbotschaft: Dahinter steht immer Gott

"Wir machen Ostern nicht", sondern dieses Fest wird uns geschenkt. Propst Petrus Stockinger vom Stift Herzogenburg schreibt in seiner Mutbotschaft, wie wir Feste sehen sollten - nämlich immer von Gott geschenkt.

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"Ostern ist heuer ausgefallen!" - das kann man so nicht sagen ist Propst Petrus Stockinger vom Stift Herzogenburg überzeugt. (c) OG

In den vergangenen Wochen war mehrfach eine interessante Meldung zu vernehmen: „Ostern ist heuer ausgefallen!“ – wirklich? Dem möchte ich entschieden widersprechen! Es handelt sich wohl um eine sprachliche Schludrigkeit, die tief blicken lässt, denn: Zweifellos ist heuer das ausgefallen, was viele Menschen traditionellerweise mit dem Osterfest verbinden, von Palmprozession bis Familientreffen, von Osterfeuer bis Ostereiersuchen.

Aber Ostern ist nicht ausgefallen, denn wir „machen“ Ostern nicht! Wir „machen“ auch Weihnachten nicht, auch wenn es gerade bei diesem Fest oft sehr stark den Anschein hat – sondern Gott hat diese Feste gestiftet, unabhängig davon, ob, wann und wie wir sie feiern! Das ist ja eines der charakteristischen Merkmale, die ein kirchliches Fest von einer x-beliebigen anderen Veranstaltung unterscheidet: Der Anlass des Feierns ist nicht selbst gemacht und er übersteigt uns bei weitem.

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"Hinter allen steht immer Gott." (c) unsplash

Ostern ist nicht ausgefallen

Wer nun also meint, „Ostern sei ausgefallen“, muss sich die Frage stellen lassen, ob in dieser Formulierung (und damit im eigenen Denken) das Fest nicht seiner eigentlichen Dimension beraubt wurde. Zweifellos geschieht das ja sehr leicht: Dann verkommt Weihnachten zum Geschenkefest mit peinlich wirkender Kunstgold-Dekoration und Ostern wird zur Feier des Familienfrühstücks in frühlingshafter Natur. Ob das aber ausreicht, um wirklich innerlich beschenkt zu werden und echte Freude zu verspüren? Ich bezweifle das stark!

Kirchliche Feste sind immer Ausdruck der Zuwendung Gottes zum Menschen. Wir machen Ostern und Weihnachten nicht. Wir machen übrigens auch Erstkommunion und Firmung nicht (auch wenn manche meinen, das tun zu können oder zu müssen – sogar mancher Priester zelebriert die heilige Messe so, als wäre er der „Macher“ dessen, was da gefeiert wird …) – sondern dahinter steht immer Gott, der uns alle freigiebig mit seiner Gnade beschenkt. Das fällt nie aus!

Quelle: NÖN,  Ausgabe 20/2020

[elisabeth mayr]