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Jesuiten fordern Europa zu Solidarität und radikalem Wandel auf

Die 20 europäischen Jesuitenprovinziäle rufen angesichts der Corona-Pandemie die EU zu weltweiter "echter ethischer und sozialer Solidarität" auf - die Corona-Krise habe gezeigt, dass ein wirtschaftlicher, ökonomischer und sozialer Wandel nötig und unvermeidbar ist. 

Jesuiten fordern mehr Solidarität und weltweite Gerechtigkeit

Mehr Solidarität für mehr Gemeinsamkeit. (c) Unsplash

In dem am 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs und 70 Jahre nach der Schuman-Erklärung veröffentlichten Appell fordern die 20 Jesuitenprovinziäle die EU auf, hart daran zu arbeiten, „die existenzielle Bedrohung zu überwinden, die vom gegenwärtigen Mangel an Bereitschaft zu internationaler Solidarität ausgeht". Die Erklärung ist von den 20 europäischen Jesuitenprovinziälen sowie dem Präsidenten der Provinziälekonferenz unterzeichnet, die etwa 4.000 Jesuiten vertreten und Hunderte von verschiedenen Institutionen auf dem gesamten europäischen Kontinent sowie im Nahen Osten.

Corona verstärkt Verbundenheit

Die Coronavirus-Pandemie habe das Bewusstsein aller Völker Europas gestärkt, dass sie zutiefst miteinander verbunden sind. Paradoxerweise entdecken die Menschen gerade in einer Zeit, in der die Kirchen leer sind, die christliche Botschaft der Solidarität neu. Dieses Bewusstsein sei ein Motor des Wandels: „Den Menschen zu helfen, in der moralischen Tugend der Solidarität zu wachsen, ist Teil der Berufung der Kirche.“

Heilsquelle Globalisierung?

Die Jesuiten rufen dazu auf, das gegenwärtige Modell der Globalisierung neu zu überdenken. „Wir haben in diesen Wochen gelernt, dass wir auf einem kranken Planeten nicht gesund leben können.“ Die Vision von Papst Franziskus einer „integralen Ökologie“ fordere eine solche Solidarität ein. Die Ordensoberen kritisieren das anfängliche Zögern, den Ländern des Südens, die mit dem Virus kämpften, zu Hilfe zu kommen.

„Glücklicherweise hat die Union den Weg zurück zur praktischen Solidarität gefunden - vorerst. Mittelfristig wird die Herausforderung darin bestehen, die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Pandemie anzugehen. Dies wird unweigerlich eine gewisse Umverteilung des Reichtums von den reicheren zu den ärmeren Ländern mit sich bringen.“ Die Provinziäle weisen auch auf die Not von Flüchtlingen und Asylsuchenden in ganz Europa hin. Der Aufruf zur Solidarität „muss sich dringend auch auf sie erstrecken“, insbesondere auf diejenigen, die in Lagern in der gesamten EU eingesperrt sind.

Radikale Solidarität

„Die Europäische Union steht heute vor einer epochalen Herausforderung, von der nicht nur ihre Zukunft, sondern die der ganzen Welt abhängt“, zitieren die Provinziäle die Osterbotschaft von Papst Franziskus. Aus Sicht des Jesuitenordens besteht die wichtigste Herausforderung darin, eine europäische Solidarität zu pflegen, die eine globale Solidarität vorwegnehme. „Wir rufen heute zu einem Schuldenerlass für ärmere Länder auf, zu mehr humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit, wobei die Militärausgaben in das Gesundheits- und Sozialwesen umgeleitet werden sollten.“

Die Krise sei eine geistliche Gelegenheit zur Bekehrung. „Wir müssen die Zeit nutzen, um auf einen radikalen Wandel hinzuarbeiten.“

[elisabeth mayr]

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