Leben mit der Diagnose Krebs

Sr. Beatrix Mayrhofer SSND spricht in Interview mit Linzer Kirchenzeitung über Krebsdiagnose, Dankbarkeit und neue Erfahrungen - "Leben wir mit Zuversicht, nicht mit zusammengebissenen Zähnen, sondern mit Grundvertrauen und Mut"

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Die gebürtige Oberösterreicherin Sr. Beatrix Mayrhofer war von 2013 bis 2019 Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs. (c) Katrin Bruder 


Das Leben basiert nicht auf Tun und Terminen, sondern ist "einzig davon abhängig, wie es meiner inneren Beziehung zu Gott und den Menschen geht": So lautet die Erkenntnis von Sr. Beatrix Mayrhofer, bis Ende 2019 Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs, rund ein Jahr nach der Diagnose Brustkrebs. Im Interview in der "Kirchen Zeitung" der Diözese Linz (Ausgabe vom 8. April) spricht die Ordensfrau über ihre Krebserkrankung sowie Hoffnung und ruft Frauen dazu auf, regelmäßig zur Mammografie zu gehen. Ostern bezeichnete sie als ein "unbesiegbares Geschenk", denn je dunkler die Erfahrung sei, desto heller strahle dessen Licht. "Leben wir mit Zuversicht, nicht mit zusammengebissenen Zähnen, sondern mit Grundvertrauen und Mut", appellierte Mayrhofer kurz vor dem wichtigsten Fest des Christentums.

Trotz überraschender Diagnose, sei die Krankheit "auch wenn das jetzt seltsam klingt, ein großes Geschenk", so Mayrhofer, die der Ordensgemeinschaft der Armen Schulschwestern angehört. Die Ordensfrau beschrieb es als hätte "der liebe Gott die Stopp-Taste gedrückt".

Menschen, die mehr tun als ihren Dienst

Heute könne sie die durchgestandene Erkrankung als Lernerfahrung beschreiben. "Ich weiß aber auch, dass mein Leben als alte Klosterfrau in nichts zu vergleichen ist, mit einer jungen Mutter, mit einer alleinerziehenden Frau, mit einer alten Frau, die alleine lebt und niemanden hat, der sich um sie kümmert", so Mayrhofer wörtlich.

Die Chemotherapie habe sie gelehrt, Schmerzen auszuhalten und das "Ausgeliefertsein" zu akzeptieren. Und auch wenn die Ordensfrau trotz Schleier ihr Haar kaum zeige, habe sie aufgrund des Haarverlustes wegen der Behandlung erfahren, "was es heißt, nackt und bloß zu sein".

"Ich habe auch Menschen erlebt, die viel mehr tun als ihren Dienst", berichtete Mayrhofer. Die Gesellschaft lebe "von diesem Gutsein" von Ärzten oder Pflegepersonal: "Wenn ich die Brücke zu jetzt herüberziehe, ahne ich, wie viele Menschen bis weit über ihre Grenzen hinaus im Einsatz sind für uns alle." Trotzdem berge diese Selbstlosigkeit auch die Gefahr daran zu zerbrechen, warnte Mayrhofer. Auch Dankbarkeit für "unseren Sozialstaat" bezeichnete Mayrhofer als Ergebnis der Krankheit. Medikamente, die mehr als 1.000 Euro kosten, seien keine Selbstverständlichkeit. "Wie geht es denen, die keine Versicherung haben? Wie geht es den vielen Menschen auf der Welt, die sich keine Versicherung leisten können?", so die Ordensfrau.

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Quelle: kathpress

[martin gsellmann]