Mutbotschaft: Abt Petrus Pilsinger: „Fürchtet euch nicht!“

Der Abt des Benediktinerstiftes Seitenstetten, Petrus Pilsinger, hat im Interview mit der NÖN über den Segen von Online-Angeboten, den Trost des Glaubens und mögliche Auswirkungen der Corona-Krise gesprochen. Und: Er gibt Tipps für die Glaubensgestaltung daheim. 

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Abt Petrus Pilsinger: Vielleicht werden wir durch die Krise dankbarer. (c) Kati Bruder

Die Bibel sei voller Krisen-Beispiele, so Abt Petrus, aber auch von vielen Beispielen, das Krisen auch immer wieder überwunden wurden. „Daran erkannten die Menschen, dass Gott sein Volk nicht verlassen hat.“ Diesen Trost aus der Bibel dürfen Menschen auch für die jetzige Krise anwenden: „Virus, Krankheit und Tod, wirtschaftlicher Schaden, Verzicht auf Vieles, was wir selbstverständlich gewohnt waren. Das wird gewiss keine leichte Zeit. Aber die biblische Erfahrung sagt uns, dass wir nicht verlassen sind! Nicht von Gott, aber auch nicht von den Menschen.“ Es sei gerade dies auch eine Zeit der Hilfe, der Solidarität und der Nächstenliebe. 

Digitaler Kommunikation ein Segen

Menschen leben von Zuwendung und Zuspruch, vor allem persönlicher. Genau das könne aber den Meschen zur Zeit zum Verhängnis werden. Abt Petrus verweist auf den Segen digitaler Angebote: „Es gibt ja Gott sei Dank viele Möglichkeiten, um miteinander in den Kontakt zu treten. Email, SMS, WhatsApp und vieles andere mehr!“ Diese können einen persönlichen Zuspruch und persönliche Gegenwart nicht ersetzen, „aber es sind gute Möglichkeiten, um zu kommunizieren. Wir sollten sie nutzen!“

Auch diese Zeiten ohne hl. Messe und Kommunion könne man als Christ nutzen, ist Abt Petrus überzeugt. „Jetzt ist die Zeit der Hauskirche! Die Hl. Schrift sagt uns, dass dort, wo zwei oder drei im Namen Jesu beisammen sind, Gott gegenwärtig ist.“ Gott sei dabei nicht weniger gegenwärtig als in der hl Messe. 

Tagesablauf

Der Tagesablauf im Stift gestalte sich weitestgehend normal: „Wir sind eine abgeschlossene Hausgemeinschaft. Schließlich leben wir ja in Klausur.“ Veranstaltungen wurden komplett abgesagt, es kommen keine Gäste mehr ins Stift. Auch im Umgang miteinander werde darauf geachtet, den Abstand zueinander erhöhen. Händeschütteln gäbe es schon länger nicht mehr.

Längerfristige Auswirkungen

Abt Petrus könnte sich vorstellen, dass ein Effekt der Krise möglicherweise sei, dass Menschen dankbarer werden und wieder lernen, einfacher, bescheidener und zufriedener zu leben: „Wir leben ja bisher auf höchstem Niveau. Ein Virus bringt ein ganzes System zu Fall, das offensichtlich auf sehr zerbrechlichen Beinen steht. Vielleicht bringt das eine neue Sicht von Nachhaltigkeit und ermutigt Politik und Wirtschaft dazu, tatsächlich Schritte zu setzen, die eine feste Lebensbasis zur Grundlage haben.“

Fürchtet euch nicht!

Angesprochen auf die Botschaft, die er den Christinnen und Christen dieser Tag auf den Weg mitgeben möchte, ist Abt Petrus ganz klar: „Fürchtet euch nicht! Diese Worte kommen in der Hl. Schrift angeblich 366 mal vor! Das sind genau die Anzahl der Tage des heurigen Jahres. Für jeden Tag also gilt: Fürchtet euch nicht!“


TIPPS FÜR DIE GLAUBENSGESTALTUNG

„Jetzt ist die Zeit der Hauskirche! Wir im Kloster haben es natürlich leicht, weil wir feste Gebetszeiten haben. Ich denke aber, auch in einem Haushalt kann so etwas hilfreich sein: Vielleicht gelingt es, eine Zeit des Gebetes am Morgen und (oder) am Abend zu fixieren. Es gibt im Internet den Schott: Dort kann man täglich die Lesung und das Evangelium des jeweiligen Tages nach- oder vorlesen und anschließend ein Vater unser gemeinsam beten.

Rosenkranzgebet

Eine weitere Anregung ist, das Rosenkranzgebet wieder neu zu beleben. Eine Kerze anzünden und so wie im Advent gemeinsam ein Gesätzchen am Abend für alle Menschen, die mit der Coronakrise beschäftigt sind, beten. Wir im Stift beten am Abend zur Zeit täglich folgendes Gebet (frei nach Bischof Hermann Glettler).

Ein Virus macht uns und den Menschen auf der ganzen Welt schwer zu schaffen. Es macht krank und kostet vielen Menschen das Leben.

Wir bringen Dir alle Kranken, Leidenden und Sterbenden dieser Tage und bitten Dich: Sei ihnen allen nahe, besonders den Sterbenden! Tröste jene, die um sie trauern!

Wir bringen Dir auch alle, die in Quarantäne sein müssen und niemanden haben, der für sie da ist.

Wir bitten Dich:

Für die Wissenschaftler und Forscher: Gib ihnen Weisheit und Phantasie!

Für die Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger: Gib ihnen Kraft in dieser Zeit der extremen Belastung!

Für die Politiker und Mitarbeiter der Gesundheitsämter: Gib Besonnenheit und Ausdauer!

Wir bitten für alle, die Angst haben oder in Panik sind: Schenke ihnen inneren Frieden und Vertrauen!

Ja, Herr, wir bitten, dass diese Epidemie abschwillt, dass die Zahlen der Erkrankten und Sterbenden zurückgeht und Heilung und Gesundung wieder die Oberhand bekommen!

Lass uns dankbar sein für jeden Tag in Gesundheit!

Lass uns nicht vergessen, dass das Leben ein Geschenk ist und dass es in Deiner Hand liegt!

Lass uns erkennen, dass Du allein ewig bist und alles, was im Leben oft auch unerwartet geschieht, dennoch von Dir getragen ist und uns zum Segen werden kann!

Mach uns dankbar für so vieles, was wir ohne Krisenzeiten so leicht übersehen und für selbstverständlich halten.

Stärke unser Vertrauen in Dich und Deine Gegenwart! Amen

Für den Sonntag empfehle ich: Um 10 Uhr bewusst zum Fernseher setzen und den Gottesdienst auf ORF III andächtig mitfeiern. Das ist eine gute Möglichkeit, an der Sonntagsmesse der Gemeinde teilzunehmen. Auch wenn man die Hl. Eucharistie leibhaftig nicht empfangen kann, die Kirche hat für Zeiten der Not immer schon die Überzeugung vertreten, dass die Gläubigen in geistlicher Weise sich sehr wohl mit Christus und der mitfeiernden Gemeinde verbunden wissen dürfen

Quelle: Interview vom 20. März, NÖN


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 [elisabeth mayr]