"Unerschrockener Glaube" in einer verunsicherten Welt

Zum "unerschrockenen Glauben, Hoffen und Tun in aktiver Geduld" in einer verunsicherten Welt hat der emeritierte steirische Bischof Egon Kapellari aufgerufen. Er stand am 9. November 2019 im Wiener Stephansdom einem Gottesdienst zum Abschluss einer internationalen Fachtagung über das Leben und Wirken des Heiligen Laurentius von Brindisi (1559-1619), Provinzpatron der Kapuziner Österreich-Südtirol, vor.

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Der Kapuzinermönch Laurentius von Brindisi wurde 1881 heiliggesprochen und schließlich 1959 zum Kirchenlehrer erhoben. (c) kapuziner.at

 

In Vorträgen und Workshops wurde an der Universität Wien von Donnerstag bis Samstag das bewegte Leben des vor 400 Jahren verstorbenen vielseitigen Patrons der österreichischen Provinz des Kapuzinerordens und Gründers der meisten Kapuzinerklöster beleuchtet. Das authentische christliche Erbe des Heiligen möge kein toter Schatz sein, "sondern eine Inspiration auch für heute und morgen", so Bischof Kapellari in seiner Predigt. Der Bischof sprach weiters von einem weltweiten "beschleunigenden Wandel". Dieser fordere die Gesellschaft wie auch die Kirche heraus. "Was kommt, was bleibt? - diese elementaren Fragen bewegen uns besonders auch in Europa. An wen oder was kann man sich anhalten?", so Kapellari wörtlich: "Das ist eine Herausforderung zur Unterscheidung der Geister, zum Einsatz der Kräfte des Herzens wie des Verstandes."

Tiefe Brunnen zugänglich machen

Die Kirche müsse ihre "tiefen Brunnen" wieder besser zugänglich machen, forderte der Bischof: "Weder surreale Utopien noch apokalyptische Schauer, weder ängstliche Abkapselung noch Abflachung aller Schwellen werden dann die Mitte der Kirche prägen, sondern ein unerschrockenes Glauben, Hoffen und Tun in aktiver Geduld." Das große franziskanische Charisma, das auch dem Kapuzinerorden auf seinem Weg durch die Geschichte mitgegeben ist, werde dabei in aller Vielfalt und in allem Wandel wie bisher eine große Kraft sein, zeigte sich der Bischof überzeugt und fuhr wörtlich fort: "Ein ehrlicher und christlich glaubender Blick in die Vergangenheit der Kirche zeigt, dass Gott immer wieder auch auf krummen Zeilen gerade geschrieben hat. Das gibt Vertrauen darauf, dass er auch heute gerade schreibt inmitten einer Menschheit und Christenheit, die in einer großen Suchbewegung in die Zukunft unterwegs ist."

Vielfältige spannende Persönlichkeit

Die Tagung an der Universität Wien war einer der Höhepunkte im laufenden "Laurentiusjahr". Am 21. Juli - dem offiziellen Gedenktag des Heiligen, der am 22. Juli vor 400 Jahren verstorben war - war das Laurentiusjahr offiziell mit einem Gottesdienst mit Bischof Wilhelm Krautwaschl in Leibnitz eröffnet worden.

Laurentius gilt als überaus spannende Persönlichkeit: Er war zugleich ein großer Organisator, mutiger Politiker und tiefer Mystiker, Wanderprediger und asketischer Mönch. Das Volk verehrte ihn schon zu Lebzeiten als "Il Santo" wie einen Popstar, sodass er sich zeitweise nur auf Schleichwegen oder verkleidet fortbewegen konnte. Am 22. Juli 1559 mit dem bürgerlichen Namen Guilio Cesare Russo in Brindisi geboren, trat er 1575 in den Kapuzinerorden ein, wurde hier bald Provinzial verschiedener Ordensprovinzen und später Mitglied des obersten Führungsgremiums des Weltordens. In dieser Funktion begleitete persönlich er die Gründung zahlreicher Klöster und brachte die Kapuziner nach Bozen, Feldkirch, Innsbruck, Salzburg und Wien.

Geistliche und weltliche Oberhäupter betrauten ihn mit diplomatischen Missionen. Zunächst in Italien, dann in Bayern, Österreich und Böhmen. So wird ihm etwa die Einigung der katholischen Liga (1609) ebenso zugeschrieben wie auch der Sieg über die osmanischen Truppen bei Stuhlweißenburg (1601/02), wo er sich als Feldprediger beteiligte. Zu Fuß und teilweise zu Schiff bereiste er halb Europa. 1602 bis 1605 wurde ihm auch das Amt des Generalministers - also die Leitung aller Kapuziner weltweit - übertragen. All diese Aufgaben hielten ihn nicht ab, in Advent und Fastenzeit Predigtdienste zu übernehmen und die Stille in Meditation und Gebet zu suchen. Immer wieder zog er sich auch für längere Zeit in abgelegene Klöster zurück.

Der Tod von Laurentius am 22. Juli 1619 - an seinem 60. Geburtstag, während einer diplomatischen Mission des Papstes in Lissabon - gibt Rätsel auf: Es wird vermutet, dass Gift im Spiel war. 

Quelle: kathpress

[mgsellmann]