Großes Interesse am Klosterwald

Mit dem Projekt "Klosterwald" haben die Klöster Heiligenkreuz und Klosterneuburg in Kooperation mit der Erzdiözese Wien Anfang Oktober die ersten konfessionellen Naturbestattungsstätten dieser Art in Österreich geschaffen. Interessierte können seitdem die Urnen Verstorbener unter Bäumen auf ausgewählten Waldflächen in Kirchberg am Wechsel, am Kahlenberg und in Heiligenkreuz bestatten lassen.

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Blick vom Klosterwald auf die Gemeinde Kirchberg am Wechsel. (c) Klosterwald.at

Mit dem Projekt habe man einen "Nerv der Zeit" getroffen, das Interesse sei seit der Eröffnung ungebrochen groß, berichtete P. Coelestin Nebel vom Stift Heiligenkreuz gegenüber "Kathpress". Den "Klosterwald" versteht P. Coelestin als "qualitativ, christlich geprägten Ort der Trauer". Mit der Teilnahme am Projekt wolle man sich seitens des Stiftes Heiligenkreuz aber auch pastoralen Herausforderungen stellen. "Wir sehen die Nöte der Menschen, wir sehen ihre Sehnsüchte. Wir sehen, dass sie den traditionellen Friedhof mit dessen Familiengräbern nicht mehr haben möchten. Wir erleben, dass dies einem gesunden Trauerprozess schadet, daher wollten wir eine Alternative anbieten", so der Ordensmann. Das größte Interesse am neuen Bestattungsprojekt komme von jenen Menschen, "denen der klassische Ortsfriedhof mit seinen Familiengräbern und seiner Trauerkultur fremd ist, das sind vor allem Menschen und Familien, die keinen geographischen Lebensmittelpunkt mehr haben, Menschen, die alleine sind, Menschen, die ihre Nachkommen nicht belasten wollen, Menschen, die die Natur lieben oder Menschen, die anders sein wollen", so der Ordensmann.

Friedhof verliert an Attraktivität

Der traditionelle Friedhof werde immer von großer Bedeutung bleiben, verliere aktuell allerdings an Attraktivität. "Die Menschen haben es satt, in einer Wüste von Kies, Stein und Beton ihre Angehörigen zu bestatten. An einem Ort, der, geregelt durch eine strenge Friedhofsordnung verbunden mit viel Arbeit und Mühe, keine Hoffnung auf Leben und Auferstehung vermittelt." Friedhöfe müssten grüner, individueller und menschlicher werden. P. Coelestin versteht sich als "Missionar für eine neue Form des Bestattungswesens, wo der Mensch im Mittelpunkt steht, wo das Leben und die Hoffnung auf die Auferstehung durch alle Trauer hindurchleuchtet". Mit der Beteiligung am Projekt komme man also den Wünschen der Gläubigen aber auch den häufiger und intensiver werdenden Anfragen Seitens der Bestatter nach.

Projekt stellt Wald unter Schutz

Bereits zu Lebzeiten können sich Menschen ihren persönlichen Baum mit Hilfe eines Försters im "Klosterwald" aussuchen. Dort wird die Asche des Verstorbenen in einer biologisch abbaubaren Urne an den Wurzeln des Baums beigesetzt. Jeder Baum hat eine Markierung, die auf einer Klosterwaldkarte festgehalten ist. Gedenktafeln auf den Bäumen geben Auskunft, wer an der jeweiligen Stelle begraben ist. Die Bestattung im "Klosterwald" ist unabhängig von der Zugehörigkeit zur katholischen oder einer anderen Kirche und steht allen Menschen offen. Ähnlich offen ist auch die Art des Abschiedsrituals, das frei gewählt werden kann. Ein Nebeneffekt des "Klosterwaldes" ist auch der Schutz von Waldflächen, die ansonsten für Bauholz oder die Papier- und Möbelindustrie genutzt würden. Mit dem Konzept "Klosterwald" wird der Wald langfristig und bis zu 100 Jahre unter Schutz gestellt.

Die Naturbestattung im Klosterwald wird von der Klosterwald VerwaltungsGmbH mit Sitz in Wien organisiert. Das Unternehmen ist zu hundert Prozent in klösterlichem bzw. kirchlichem Besitz und hat sich zum Ziel gesetzt, österreichweit das Thema Waldbestattung einheitlich aufzubauen und anzubieten. (Infos: www.klosterwald.at)

Quelle: kathpress

[mgsellmann]