Es braucht sichtbare Bewegung und konkrete Taten

P. VoithPater Lorenz Voith, Redemptoristen-Provinzial und zweiter Vorsitzender der Superiorenkonferenz der Männerorden in Österreich, hält nach dem Gespräch der vier Asylwerber aus der Votivkirche mit Innenministerin Johanna Mikl-Leitner angesichts des Weiterbestehens des Flüchtlingscamps in der Wiener Votivkirche in einer öffentlichen Stellungnahme für die Superiorenkonferenz der Männerorden fest:


1.Den in der Votivkirche protestierenden Flüchtlingen geht es nicht um eine Totalopposition zum Asylwesen in Österreich. Sie wollen auf ihre individuelle Situation, die sie als aussichtlos und perspektivenlos einschätzen, aufmerksam machen. Den Großteil ihrer Forderungen teilen sie mit sozialen und humanitären Organisationen.


2.Es muss sichtbare Bewegung und konkrete Taten im Bereich der Grundversorgung und der dortigen Standards geben. Die Lage der Asylwerber in Österreich ist unzureichend. Österreich gehört zu den reichsten Staaten der Welt. Auf dem Rücken der Asylwerber werden viel zu lange Verfahren abgewickelt und diese in teilweise beschämenden Notquartieren „abgestellt“. Viele Pfarrgemeinden, wie auch zahlreiche Ordensgemeinschaften, Caritas, Diakonie und andere soziale Einrichtungen sind immer schon auf Seiten der Asylwerber gestanden und haben konkrete Hilfe gegeben. Ordensgemeinschaften haben nicht nur personelle Ressourcen zur Verfügung gestellt, sondern auch beträchtliche finanzielle Mittel in die Hand genommen, um diesen Menschen in Not eine Lebensperspektive zu eröffnen.

3.Beim Zugang zum Arbeitsmarkt müssen Barrieren abgebaut werden. Dieser Bereich ist transparent und offen für die Asylwerber zu gestalten. Gerade der monate- bis jahrelange „Stillstand“ ist für diese Menschen unwürdig und drängt sie in die nie gewollte passive Opferrolle.

4.Es müssen Gesetze und Verordnungen weiterentwickelt werden, die eine Durchführung auf Augenhöhe ermöglichen. Die Asylwerber dürfen nicht länger zu Bittstellern degradiert oder der Willkür von Amtsträgern ausgeliefert werden. Die Verfahren sind trotz Verbesserungen in den letzten Jahren weiter zu beschleunigen. Es geht hier immer um individuelle Lebensgeschichten und Biografien unter schwierigsten Lebensumständen. Das darf nie aus den Augen verloren werden.

5.Das vielfältige Wissen und die jahrelange Erfahrung vieler Ordensgemeinschaften mit ihren sozialen Werken und Einrichtungen in der Arbeit mit Asylwerbern sollte in die Gesetzgebung mit einbezogen werden. Die Ordensmänner und die Ordensfrauen stehen dafür zu Verfügung.

6.Gerade im Hinblick auf die Geschichte von Weihnachten, die auch von Flucht und Not spricht, müssten die Christen in unserem Lande noch viel zahlreicher „aufstehen“ und sich bei den politischen Entscheidungsträgern durch Stellungnahmen und Solidaritätsbekundungen einbringen.

[fk]