Raubüberfall auf Schulbrüder in Wien mit fünf Verletzten

"Die Motivlage sei nicht geklärt", erklärte die Polizei am 27. Dez 2018 abends gegenüber Medien zum Raubüberfall in Wien-Floridsdorf. Aus Aussagen der Opfer lasse sich aber ableiten, dass es sich nicht um einen Terrorakt handle, sondern eher um einen äußerst brutal durchgeführten Raub. Fünf Schulbrüder sind verletzt, einer davon schwer. Der Vorsitzender der Superiorenkonferenz  Abt em. Christian Haidinger übermittelt "persönliche Anteilnahme".

 

schulbrüder1

Foto: APA/Punz

Die Täter, von denen zunächst keine Spur mehr zu finden war, dürften auf Geld und Wertgegenstände aus gewesen sein. Es wurde ein offener Safe gefunden. Die erste Einvernahme der Opfer beschränkte sich auf wenige Minuten. Sie wurden rasch zur ärztlichen Betreuung in ein Krankenhaus gebracht. Befragungen in den kommenden Tagen sollen Klarheit über eine mögliche Raubbeute bringen. Die Klosterkirche selbst beherbergt keine Schätze. Eine erste Täterbeschreibung der beiden Gesuchten lautete: männlich, etwa 1,80 Meter groß, dunkel gekleidet, Deutsch mit Akzent. 

Die Verletzungen der fünf Brüder sind auf Misshandlungen zurückzuführen, etwa auf Schläge, Stöße und Tritte. Einer der Täter könnte eine Eisenstange dabei gehabt haben. Alle fünf Verletzten wurden in Krankenhäuser eingeliefert. Drei konnten in der Nacht wieder entlassen werden. Das Motiv ist zum Zeitpunkt  unklar. Die Ermittlungen der Polizei laufen.

"Der Orden ist in intensiver Zusammenarbeit mit der Polizei um Aufklärung bemüht", sagte der Vorstandsvorsitzende des Schulvereins "De La Salle", Walter Kröner, am Tag nach der Tat. Der Provinzökonom der Schulbrüder Kröner zeigte sich zugleich erleichtert, dass drei Opfer bereits in häusliche Pflege entlassen werden konnten. "Unsere Gedanken sind jetzt ganz bei den beiden schwer verletzten Mitbrüdern, und wir hoffen, dass sie bald wieder völlig gesund bei uns sein werden", so Kröner namens des Ordens.

Hoffnung auf Aufklärung

Der Vorsitzende der Superiorenkonferenz der Männerorden Abt em. Christian Haidinger hat in einem persönlichen Schreiben an die Schulbrüder seine besondere Anteilnahme und Mitsorge zum Ausdruck gebracht: "Ich versichere euch meine und unser aller Anteilnahme und Gebet. Möge das Unfassbare sich soweit als möglich aufklären und euch ein hoffnungsvoller Start in das neue Jahr mit dem Segen Gottes und seiner begleitenden Liebe möglich sein." Kardinal Christoph Schönborn war am Abend persönlich am Tatort.

Die Schulbrüder

Der Orden der Brüder der Christlichen Schulen  widmet sich der Aufgabe, jungen Menschen, und hier besonders Armen, eine menschliche und christliche Bildung und Erziehung zu ermöglichen. 1680 vom jungen Priester Johannes Baptist de La Salle (1651-1719) in Frankreich gegründet, gehören heute weltweit rund 3.800 Brüder der Gemeinschaft an, die in rund 1.000 Werken des Ordens tätig sind. In Österreich betreuen 24 Brüder vier Schulstandorte mit mehreren Schulformen in Wien. Träger der verschiedenen Einrichtungen vom Kindergarten bis zum Gymnasium ist nicht mehr der Orden selbst, sondern der mit ihm verbundene "Schulverein De La Salle". Die Anfänge der Kongregation gehen auf eine von de La Salle 1679 gestiftete Schule zurück, in der Buben unentgeltlich unterrichtet wurden. Mit den Lehrern der Schule gründete er 1680 die "Gemeinschaft der Brüder der Christlichen Schulen", die 1725 päpstlich anerkannt wurde. Als der Priester 1719 in Rouen starb, gab es bereits etwa 100 Brüder, die in 20 Gemeinschaften lebten und unterrichteten. Papst Pius XII. ernannte 1953 de La Salle zum Patron der christlichen Lehrer und Erzieher. Sein Fest wir am 15. Mai gefeiert. 

Nach Österreich kamen die Brüder 1857 von Deutschland aus. Rund 100 Jahre später wirkten und lebten in Österreich bereits 140 Brüder in sechs Niederlassungen. Heute gibt es in Österreich noch zwei Standorte - im steirischen Laubegg und in Wien-Strebersdorf - die 24 Brüdern als Heimat dienen. Die vier Schulstandorte in Wien werden vom Schulverein "De La Salle" betrieben, der von einem Ordensbruder und zwei Laien im Vorstand geleitet wird. Insgesamt besuchen derzeit rund 2.900 Kinder und Jugendliche die vier Wiener Standorte der Schulbrüder, in denen rund 280 Mitarbeiter beschäftigt sind. 

Die Schulbrüder in Österreich gehören zur Provinz Zentraleuropa, die die Einrichtungen in Niederlande, Österreich, Slowakei, Tschechien, Ungarn und Rumänien umfasst. Das Provinzialat befindet sich nicht mehr in Wien-Strebersdorf, sondern seit Mai 2018 in Rumänien (Pildesti). Es wird geleitet vom Provinzial Br. Vincentui Ghiurica, Vizeprovinzial ist Bruder Johann Gassner. Vorstandsvorsitzender des Schulvereins "De La Salle" und zugleich Provinzökonom der Schulbrüder ist Walter Kröner. In der Provinz Zentraleuropa leben 47 Brüder - davon 11 in den Niederlanden, 24 in Österreich, 8 in Rumänien und 4 in der Slowakei. Die Österreichischen Niederlassungen gehören zur Region Europa und Naher Osten. Die Schulbrüder führen Schulen und Universitäten u.a. in Israel, Ägypten, Jordanien, Frankreich, Mexiko, Spanien, auf den Philippinen, in den USA und im Libanon. Insgesamt hat der Orden heute weltweit rund 3.800 Mitglieder, die in fünf Regionen zusammengefasst sind. Sie wirken in über 80 Ländern der Erde und in rund 1.000 Einrichtungen.

Schulbrüder - Kongregation der Brüder der Christlichen Schulen 

[fkaineder]