Katholische Ordensfrauen fordern mehr Mitbestimmung für Frauen in der Kirche

„Leidenschaftlich leben in Gemeinschaft“. Zu diesem Thema haben sich 34 Generaloberinnen aus Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz vom 18. bis 22. Oktober 2018 im Haus Marillac in Innsbruck getroffen.

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Foto: UISG

Generaloberinnen sind geistliche Leiterinnen und verantwortlich für die Geschäftsführung in ihren Gemeinschaften und deren Werke. Als solche stellen sie sich mehrheitlich hinter die Forderungen der „Osnabrücker Thesen“. Diese wurden beim Ökumenischen Frauenämterkongress im Dezember 2017 verabschiedet. Darin geht es um die Zulassung von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern und Diensten als Zeichen der Ökumene und Schritte auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Kirchen.
Darüber hinaus sprechen sich die Generaloberinnen dafür aus, dass aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse theologischer und anderer Disziplinen vom kirchlichen Lehramt anerkannt und bei Lehrentscheidungen berücksichtigt werden.

Es braucht eine neue Kultur des Dialogs und der Partizipation

In Zukunft sind mehr Frauen bei Bischofssynoden, selbstverständlich mit Stimmrecht, einzubeziehen. Nur so können sie mitentscheiden.
Frauen in Leitungspositionen der katholischen Kirche können ihre Autorität, ihre Kompetenzen und ihren Einfluss geltend machen. Den Anteil qualifizierter Frauen signifikant zu erhöhen, würde zur Vielfalt und Bereicherung auf allen Ebenen beitragen.
Es braucht eine neue Kultur des Dialogs, der Partizipation und der Geschlechtergerechtigkeit in der katholischen Kirche. Die vielfach geäußerten Absichten sind in die Tat umzusetzen.
In Geschichte und Gegenwart der Ordensgemeinschaften gibt es viele Beispiele, wie Männer und Frauen im geschwisterlichen Miteinander segensreich für die Menschen gewirkt haben und wirken.
Strukturen, die jegliche Form von Missbrauch in der katholischen Kirche begünstigen, müssen beseitigt werden. Die Generaloberinnen erklären sich bereit, ihren Beitrag dazu zu leisten. Im eigenen Umgang mit Macht erfahren sie es als positiv, dass sie von ihren Mitgliedern gewählt werden, ihren Gemeinschaften Rechenschaft schulden und ihre Amtszeit begrenzt ist.

Sr. Susanne Krendelsberger, Generalleiterin  der Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis und Delegierte für Österreich der Konstellation Europa C2, schreibt zu diesem Treffen der Generaloberinnen: "In der heutigen Zeit, in der Ordensgemeinschaften vor vielfältigen Herausforderungen stehen und tiefgreifende Veränderungen bewältigen müssen, ist es sehr wichtig, einen Ort des kollegialen Austauschs zu haben, Erfahrungen zu reflektieren und sich gegenseitig zu unterstützen, damit Gemeinschaftseben gelingen und hoffnungsvoll auch die Zukunft getragen und gestaltet werden kann. Die Tagung moderierte Frau Inge Metzmacher, Pastoralreferentin der Erzdiözese Köln mit viel Kompetenz und Einfühlungsvermögen in die Situation. Besondere Wertschätzung drückte der Bischof von Innsbruck Hermann Glettler den versammelten Generaloberinnen gegenüber aus, indem er spontan zur morgendlichen Eucharistiefeier kam und sich anschließend beim Frühstück noch Zeit nahm, um mit den Schwestern in Kontakt zu kommen."

Die deutschsprachigen Generaloberinnen sind ein Teil der Internationalen Vereinigung der Generaloberinnen (UISG). Die weltweite Organisation umfasst 2.000 Vertreterinnen apostolisch-tätiger Kongregationen mit mehr als 900.000 Mitgliedern. Alle drei Jahre trifft sich die Generalversammlung in Rom, dazwischen finden regionale Versammlungen statt. Auf Initiative der UISG im Mai 2016 hatte Papst Franziskus eine Kommission eingerichtet, die sich mit der historischen Aufarbeitung des Frauendiakonates befasst.

[hwinkler]