Ein Schiff mit vielen Flaggen: Die VOSÖ feierte ihre ersten 25 Jahre

Die Vereinigung von Ordensschulen Österreichs (VOSÖ) ist 25 Jahre alt geworden. Gefeiert wurde das Jubiläum am Samstag, 29. September 2018, in Mariazell. Rund 1.200 Gäste aus ganz Österreich waren der Einladung gefolgt, um unter dem Motto “Die Wurzel trägt dich” gemeinsam in einem bewegenden Festakt dieses Ereignisses zu gedenken.

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Ordensschule lebt vom Dienst für-einander, vom Dienst an-einander. V.l.n.r.: Sr. Cäcilia Kotzenmacher (stellvertretende Vorsitzende der VOSÖ), Rudolf Luftensteiner (Vorsitzender der VOSÖ) und Maria Habersack (Geschäftsführerin der VOSÖ). (c) Magdalena Schauer

Die Vereinigung von Ordensschulen Österreich (VOSÖ) wurde 1993 auf Initiative der Österreichischen Ordensgemeinschaften gegründet und ist heute der größte private Schulträger Österreichs. Rund 8.500 Jugendliche besuchen 14 Bildungsstandorte von zwölf Orden in Tirol, Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich, Wien, Burgenland und der Steiermark. Die Bildungseinrichtungen werden von der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs als Schulerhalter in der Tradition des Ordenscharismas der jeweiligen Gründungsintention geführt, deshalb ist das Ordenscharisma einerseits Identitätsmerkmal und andererseits das Fundament der pädagogischen Arbeit.

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Rudolf Luftensteiner: Lebenshaltung der Dankbarkeit
In seiner Festrede wies Rudolf Luftensteiner, Vorstandvorsitzender der VOSÖ, darauf hin, dass es in Ordensschulen ganz konkret um die Menschwerdung Gottesgeht, und das „bedeutet Gott, seinem Wort, seinem Sein in der Wirklichkeit des Alltags Raum zu geben und zu ermöglichen, dass Menschen in unseren Bildungseinrichtungen Ihm begegnen, und Angenommen-Sein, Wertschätzung, Hochachtung, liebevolle Zuwendung und Ernstnehmen erfahren.“ Über die Qualität von Ordensschulen entscheide, wie konkret Gott erfahrbar wird, dem es um das Wohl aller Menschen gehe. Wesentliche Wurzel für christliche Schule sei die „Lebenshaltung der Dankbarkeit“. Luftensteiner im O-Ton: „Wir glauben und dürfen danach leben, dass wir und alle Menschen geliebte Kinder Gottes sind. Diese Liebe können wir uns nicht verdienen. Sie ist uns, sie ist allen geschenkt. Kirche, Katholische Schule, Ordensschule lebt vom Dienst für-einander, vom Dienst an-einander.“ Papst Franziskus nenne dies den Dienst der solidarischen Humanität, der auch heute noch primäres, grundlegendes Gebot von Ordensschule sei.

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Rudolf Luftensteiner, Vorstandsvorsitzender der VOSÖ. (c) Magdalena Schauer

Die Orden haben der Gesellschaft vorgelebt, dass Ordensschulen mehr sein müssen als gute Privatschulen. Sie müssen Tradition mit Zukunftsorientierung verbinden, eine hohe Bildungsqualität mit christlicher Werteorientierung. Die Vereinigung von Ordensschulen Österreichs hat es sich deshalb zum Ziel gesetzt, durch differenzierte pädagogische Konzepte, die sich am jeweiligen Ordenscharisma und den christlichen Werten orientieren, junge Menschen zu befähigen, künftig Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen und diese aktiv mitzugestalten. Christliche Bildung gehe also davon aus, dass jeder Mensch ein Ebenbild Gottes ist, daher kann Bildungsarbeit immer nur vom Menschen ausgehen und ihm dienen. Das bedeutet für uns, dass wir Kinder und Jugendliche bei der Findung ihrer individuellen Identität unterstützen wollen. Diese lch-Werdung macht beziehungs- und empathiefähig und verhilft jungen Menschen zu einer gelingenden Lebensgestaltung in einer zunehmend herausfordernden Welt.

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Rund 1.200 Gäste waren nach Mariazell gekommen, um 25 Jahre VOSÖ zu feiern. (c) Magdalena Schauer

Christliche Bildung bedeutet ebenso einen Raum zu schaffen, der es Schülerinnen und Schülern ermöglicht, ihre Talente weiter zu entwickeln, verantwortungsvoll damit umzugehen und Freude an Leistung zu haben. Christliche Bildung schließt auch die religiöse Frage ein - Ordensschulen schaffen einen Raum, in dem der Dialog über die Fragen nach Sinn und Sein Platz hat. Ordensschulen wollen junge Menschen dabei unterstützen, ihre eigene Spiritualität zu entdecken und den Glauben als Quelle der Kraft zu entwickeln. Rudolf Luftensteiner: „Christliche Bildung hat als Basis lebendige Beziehungen und Begegnungen zwischen lehrenden und lernenden, lernenden und lernenden, Person und Umwelt, Mensch und Gott. Sie ermöglicht dadurch einen fairen Dialog zwischen den Religionen und sucht Synergien mit allen Glaubenden und Menschen guten Willens.“

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Alle 14 VOSÖ-Standorte brachten Erde nach Mariazell.  (c) Magdalena Schauer 

 

Maria Habersack: Wurzel ist Jesus Christus

Maria Habersack, Geschäftsführerin der VOSÖ, ging in ihrer Rede auf das Motto und Thema des großen Jubiläumsfestes ein: „Die Wurzel, die alle Ordensschulen trägt, ist Jesus Christus. Er ist Wurzel und Fundament, auf dem unser gemeinsames Werk, die VOSÖ gebaut ist.“ Aber nicht nur die Wurzel, sondern auch der Baum mit seinen weitverzweigten Ästen, die Blüten, Blätter und Früchte in unterschiedlicher Ausprägung tragen, stehe als Symbol für die mittlerweile 14 Standorte der Vereinigung.

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Maria Habersack, Geschäftsführerin der VOSÖ. (c) Magdalena Schauer

P. Bernhard Bürgler: Gesamtheit der Wahrheit
Provinzial P. Bernhard Bürgler hielt als Zweiter Vorsitzender der Superiorenkonferenz für die Ordensgemeinschaften Österreich eine Begrüßungsrede. Darin zitierte er Papst Franziskus, dem die Frage gestellt worden war, was eine Bildungseinrichtung wahrhaftig christlich mache. „Franziskus antwortete: Erziehen bedeutet, in die Gesamtheit der Wahrheit einzuführen.“ Man könne nicht von einer katholischen Erziehung sprechen, ohne von Menschlichkeit zu sprechen. Denn die katholische Identität sei Gott, der Mensch geworden ist. Christlich zu erziehen bedeutet, Jugendlichen und Kindern zu helfen, menschliche Werte in all ihren Dimensionen immer mehr zu erfassen, wobei eine dieser Dimensionen die Transzendenz ist. „Eine solche Art von Bildung jungen Menschen zu vermitteln war und ist das Anliegen vieler Schulen in katholischer Trägerschaft“, betonte Bürgler. „Eine solche von Bildung zu vermitteln, die die ganze Wirklichkeit in den Blick nimmt, war und ist das Anliegen auch vieler Ordensgemeinschaften.“ Schulen von Ordensgemeinschaften waren und sind dabei immer auch geprägt von der Eigenart der jeweiligen Ordensgemeinschaft, die den Weg zu diesem großen Ziel seinen jeweiligen Charakter verleiht.

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Provinzial P. Bernhard Bürgler, Zweiter Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Orden Österreichs. (c) Magdalena Schauer

„Eine bunte Vielfalt hat den Garten des katholischen Schulwesens durch die Jahrhunderte hin ausgezeichnet“, zeichnete Bürgler in seiner Rede ein symbolisches Bild. „Die Orden mit ihren Schulen waren dabei eigenständige Pflanzen mit Blüten und Früchten, die sich manchmal ähnlich waren, manchmal aber auch nur an einer einzigen Pflanze gefunden werden konnten.“ Als vor 25 Jahren die Vereinigung von Ordensschulen gegründet wurde, war es Anliegen, den bunten Garten der Schulen der unterschiedlichen Ordensgemeinschaften zu erhalten, zu pflegen und auch weiterzuentwickeln., Durch die Gründung und mühevolle Arbeit der VOSÖ konnte bis heute sichergestellt werden, dass wertvolle pädagogische Impulse und Einsichten der unterschiedlichen Ordenstraditionen nicht an ein Ende kommen, sondern weitergeführt werden. Bürglers Resümee: „Damals vor 25 Jahren war es ein Experiment. Heute zeigt sich, die VOSÖ hat es in guter gelungener Weise auf sich genommen, an ihren Schulen das Ordenscharisma lebendig zu halten und als Grundlage des pädagogischen Handelns zu entwickeln.“

Sr. Cäcilia Kotzenmacher: Schiff mit vielen Flaggen
Sr. Cäcilia Kotzenmacher, stellvertretende Vorstandsvorsitze der VOSÖ, brachte es anlässlich der Prämieren-Präsentation eines Imagefilmes der VOSÖ auf den Punkt: „Die VOSÖ ist keine Einheitseinrichtung, kein Umformungsunternehmen, die VOSÖ ist ein Schiff mit vielen Flaggen. Wir haben uns bemüht, den roten Faden zu definieren. Dann haben wir drei pädagogische Ziele herausgefiltert, die eigentlich an all unseren Standorten gleich sind, obwohl sie sehr unterschiedlich unterwegs sind. Und diese drei Ziele sind: Spiritualität, die Begabungsförderung und die soziale Verantwortung.“

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Sr. Cäcilia Kotzenmacher, Stellvertretende Vorsitzende der VOSÖ. (c) Magdalena Schauer

Sr. Beatrix Mayrhofer: Ordensschulen sind Bildungseinrichtungen
Nach dem Festakt ging es in einer kurzen Prozession in die Basilika von Mariazell, wo eine Festmesse von Männerordenvorsitzenden Abt.em Christian Haidinger zelebriert wurde. Die Predigt hielt Frauenorden-Präsidentin Sr. Beatrix Mayrhofer. Dabei erzählte die ehemalige Leiterin des Gymnasiums im Bildungszentrum Friesgasse ein Erlebnis, dass sie anlässlich eines Pilgermarsches nach Mariazell hatte: Als einige Schulklassen in der Basilika ankamen und Messe feierten, flüsterte ein Mädchen, das hinter der Ordensfrau saß, ihrer Freundin zu: Ich kann nicht mehr gehen, nicht einmal mehr zur Kommunion nach vorn. Ich bleib hier einfach sitzen. Sr. Beatrix: „Die Ordensgründerinnen und Ordensgründer sind nicht sitzen geblieben. Sie haben die Not der Menschen damals gesehen, sie haben den Hilferuf gehört und sind aufgestanden. Und so unterschiedlich die Gründer und Gründerinnen gewesen sind, eines war ihnen gemeinsam: Sie wussten, die Kirchenbank genügt nicht. Neben der Kirchenbank brauchte es die Schulbank, die Bildung. Ordensschulen sind Bildungseinrichtungen.“ Vor 25 Jagren seien wieder Menschen aufgestanden. Vertrauend und vorausschauend haben sie sich zusammengesetzt. „Ihrer Entschiedenheit verdanken wir, dass die Vereinigung von Ordensschulen gegründet worden ist.“ Die Arbeit von Pädagoginnen und Pädagogen sei nicht immer so offensichtlich wie die von Handwerklern. Aber: „Wir dürfen unseren Dienst tun, damit aus unseren Kindern Menschen werden, die die Herausforderungen des Lebens in vielfacher Weise meistern können“, so Sr. Mayrhofer. Als Begleiter, als Helfer dürfen Pädagoginnen und Pädagogen auch die alles entscheidende Frage nach Gott stellen. „Wer die Frage nach Gott nicht stellt, hat keine Antwort darauf, wer denn der Mensch sei. Bleibt in mir, sagt Jesus, denn ohne mich könnt ihr nichts tun“, so Sr. Mayrhofer. „Er ermutigt uns: Bleibt nicht sitzen. Aber bleibt in mir. Damit ihr Frucht bringt und eure Frucht bleibt.“

Unter den zahlreichen Ehrengästen konnten auch P. Leonhard Gregotsch, langjähriger Generalsekretär der Superiorenkonferenz, und Hofrat Hermann Spitaler begrüßt werden. Beide gelten als Visionäre und Baumeister der VOSÖ. Unter den Gästen waren auch Vertreterinnen und Vertreter der diözesanen Schulämter Höfrätin Mag.a Andrea Pinz, Prof. Walter Prügger, Dr. Hannes Lienhart, Mag. Michael Haderer und Mag. Josef Kirchner sowie der Vorsitzender der ADOS Hofrat Mag. Anton Eder und der Bildungsdirektor der Stadtschulrates für Wien, Mag. Heinrich Himmer.

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Foto v.l.n.r.: Rudolf Luftensteiner, P. Leonhard Gregotsch, Hofrat Hermann Spitaler und Maria Habersack. (c) Magdalena Schauer

Das Pressefoto (Sr. Cäcilia Kotzenmacher, Rodulf Luftensteiner und Maria Habersack) zum Download

Weitere Fotos

Wurzeln und Visionen - Imagefilm der Vereinigung von Ordensschulen Österreich (VOSÖ)

Ansprechpartnerin für die Presse: Dr. Regina Ahlgrimm-Siess, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! , Tel.: 0650-8006103

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