Ordenstag und Herbsttagungen 2018: "Prophetische Präsenzen"

Die vier Tage von MO 26. Nov - DO 29. Nov 2018 werden Tage der Orientierung, Vergewisserung, neuer Vernetzungen und gemeinsamer Erlebnisse sein. Das zentrale und verbindende Thema ist "Prophetische Präsenzen". Erzabt Asztrik Varszegi und Susanne Scholl werden am DI 27. Nov 2018 am ORDENSTAG selber in besonderer Weise inspirieren. Das Kardinal König Haus in Wien dient wieder als Veranstaltungsort. #otag18

Einladungsvideo zum #otag18 mit Sr. Beatrix Mayrhofer, Abt. em. Christian Haidinger, Susanne Scholl und Erzabt em. Dr. Asztrik Vàrszegi (c) magdalena schauer

Ordensleben ist ein hellwaches Leben, hinhörend auf die Stimme Gottes, oft ein Leben entlang der Bruchlinien. Diese spirituellen und gesellschaftspolitischen Bruchlinien öffnen einen besonderen Raum, der einen klaren Standpunkt und die Fähigkeit zum Brückenbau verlangt, eine Präsenz, die sich an der prophetischen Grundhaltung ausrichtet. Ordenschristinnen und Ordenschristen sind nicht in erster Linie Systemerhalter oder Systemerhalterinnen, sondern als Gottsucher am Rand unterwegs, bei den Entrechteten, Vertriebenen, Ausgebeuteten. Was heißt es heute, ein prophetisches Leben zu führen? Was hören Menschen, die Gott im Ohr haben? Was tun die Hände derer, die sich im Dienst an den Menschen hingeben?

"Treu zu seiner Sendung stehen schafft prophetische Zeichen"

mit Erzabt em. Dr. Asztrik Vàrszegi, Benediktinerabtei Pannonhalma (Martinsberg) in Ungarn

Veränderungen, Wandel, Verunsicherungen, Experimente, Internationalisierung, Ordenscharisma. Mit Schlagworten wird unsere Zeit charakterisiert. Der Präsenz der Orden und ihrer Einrichtungen liegt eine „prophetische Grundtonalität zu Grunde“. Varszegi wird aus seiner reichen Lebenserfahrung der Frage nachgehen, was es für Orden heißt, „prophetisch präsent zu sein“. Offen bleiben, konkret helfen und Fakten schaffen sind dabei wichtig. Ein Blick in die Geschichte zeigt anhand seiner Erfahrung, dass Prophetie immer dabei war und vieles außerhalb des Rahmens geschehen musste, damit Menschen nicht Schaden nehmen. Die (benediktinische) Gastfreundschaft an sich ist schon Prophetie. Deshalb die Ermutigung: Wer das Ordenscharisma treu lebt, wird „automatisch“ prophetische Zeichen und Fakten schaffen. Und: Internationalität ist unser Erfahrungsschatz.

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P. Franz Helm im Gespräch mit dem Erzabt Asztrik Vàrszegi (Fotos: fkaineder)

Lebenslauf

Várszegi legte am 15. August 1965 ewige Profess ab und am 29. Januar 1971 empfing er die Priesterweihe. Von 1971 bis 1976 studierte er an der Budapester Loránd-Eötvös-Universität Geschichte und Germanistik für das Lehramt und war bis 1988 als Lehrer tätig. 1985 wurde er in Geschichte promoviert, 1997 in Philosophie. 1988 wurde er zum Titularbischof von Culusi und zum Weihbischof im Erzbistum Esztergom-Budapest ernannt. Von 1989 bis 1991 war er Sekretär der ungarischen Bischofskonferenz sowie Rektor des zentralen Priesterseminars. 1991 wurde er zum Erzabt der Benediktinerabtei Pannonhalma gewählt. Diese hat er zu einem bedeutenden internationalen Begegnungszentrum entwickelt. Von 2001 bis 2011/12 war er Delegat des Abtprimas für die Slawische Benediktinerkongregation. Im November 2017 kündigte Imre Asztrik Várszegi seinen Rücktritt an, den Papst Franziskus am 16. Februar 2018 annahm. Vàrszegi ist bekannt für seine ökumenische Gesinnung, hat Erfahrung mit Untergrundkirche gemacht und ist ein geschätzter Gesprächspartner weit über die Grenzen Ungarns hinaus.

"Wir werden die Stimme erheben (müssen)"

mit Dr.in Susanne Scholl, Journalistin und Schriftstellerin

Die Bedrohungsszenarien, die heute wie in den 1930-er-Jahren aufgebaut werden, sieht Scholl unter ganz anderen Voraussetzungen wie damals wachsen, aber genauso bedrohlich. Es gibt heute so etwas wie eine „historische Ahnungslosigkeit“ und die “Fähigkeit zur Empathie“ geht gerade verloren. Scholl sieht sich als „Oma gegen rechts“ in der Pflicht, aufzustehen und öffentlich gegen diese ausgrenzenden Tendenzen die Stimme erheben. Scholl ist geprägt durch mehrere Fluchterfahrungen, die in ihrer Familiengeschichte vorgekommen sind. Es braucht heute eine besondere „Hellhörigkeit“, zu der sie mit ihren vielfältigen internationalen Erfahrungen ermutigen möchte.

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Dr.in Susanne Scholl wird beim Ordenstag ihre Stimme erheben und Erfahrungen, Einschätzungen und "Notwendigkeiten" formulieren. (Foto: fkaineder)
Foto in Druckqualität

Lebenslauf

Susanne Scholl ist die Tochter einer assimilierten österreichisch-jüdischen Medizinerfamilie. Der Vater aus Pötzleinsdorf und die Mutter aus der Leopoldstadt haben sich im „Austrian Center“ in der Emigration in London kennengelernt. Sie kehrten 1947 nach Wien zurück. Scholl schloss ihren Bildungsweg mit einem Doktoratsstudium der Slawistik in Russland und Rom 1972 in Rom ab. Ihre journalistische Laufbahn führte sie zu „Le Monde“, Radio Österreich International (ROI) und die APA, von wo sie von Paul Lendvai 1986 in das Pionierteam der neuen ORF-Osteuroparedaktion geholt wurde. 1989 ging Scholl als Korrespondentin des ORF nach Bonn, 1991 wechselte sie nach Moskau. 1997 bis 2000 leitete sie in der Wiener Zentrale das „Europajournal“ im ORF-Radio, um dann nach Moskau zurückzukehren. Aufsehen erregte ihre vorübergehende Festnahme durch die russischen Behörden während der Berichterstattung aus Tschetschenien. Scholl ist Mutter eines Zwillingpaares und hat als Buchautorin zahlreiche Romane, Erzählungen und Gedichte verfasst. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. In letzter Zeit ist sie federführend bei "Omas gegen Rechts" aktiv.

Besonders vorgestellt werden die drei Preisträger des Preises der Orden 2018.

Die Preise werden für engagierte soziale, journalistische, künstlerische oder wirtschaftliche Leistungen an der Schnittstelle zwischen Ordensgemeinschaften und Gesellschaft verliehen und im Jahr 2018 zum vierten Mal der "Preis der Orden" ausgeschrieben. Er ist mit € 12.000,- dotiert. Die Ordensgemeinschaften honorieren mit diesem Anerkennungspreis das gesellschaftspolitische und spirituelle Engagement der PreisträgerInnen. Sie wollen Engagierte stärken und ihre Solidarität mit den PreisträgerInnen ausdrücken. Erstmals wird es drei PreisträgerInnen geben.

Den Abschluss bildet die gemeinsame Eucharistiefeier.

 

Das Programm der Herbsttagungen im (vorläufigen) Detail:

MONTAG, 26. Nov 2018

Am 26. Nov 2018 tagen zuerst die missionierenden Orden beim Missionstag. Nach einem spirituellen Einstieg geht es am Vormittag um "Gelebte Interkulturalität in Ordensgemeinschaften - ein relevantes gesellschaftliches und missionarisches Thema" (P. Franz Helm und Team). Am Nachmittag gibt es einen Bericht von der weltkirche.tagung ( Katrin Morales), Missionsbischof Werner Freistetter stellt sich vor, und KOO Geschäftsführerin Anja Appel berichtet über aktuelle Entwicklungen. Ebenfalls am Montag, 26. November, tagen das Präsidium der Vereinigung der Frauenorden und die Generalversammlung der Superiorenkonferenz der Männerorden. Zum zweiten Mal findet der Ordenstag Young statt.

DIENSTAG, 27. Nov 2018

ReferentInnen beim Ordenstag 2018, zu dem wiederum rund 500 Ordensleute und Verantwortliche aus den Werken und Einrichtungen aus ganz Österreich erwartet werden, sind heuer Erzabt em. Dr. Asztrik Várszegi, Benediktinerabtei Pannonhalma/Martinsberg in Ungarn und die Journalistin und Schriftstellerin Dr. Susanne Scholl. Verliehen wird der Preis der Orden 2018 (siehe oben).
Die drei PreisträgerInnen werden besonders vorgestellt und mit einer gemeinsamen Eucharistiefeier wird der Ordenstag beschlossen. 

MITTWOCH, 28. Nov 2018

Beim Schultag wird Prof. Paul M. Zulehner das Thema „Ihr seid Licht und Salz im Schulsystem des Landes“ ausfalten. Es folgt die Verleihung des St.GeorgsBildungspreises des Hauptverbandes Katholischer Elternvereine Österreichs. Univ. Prof. Dr. Stefan Hopmann vom Institut für Bildungsiwssenschaft an der UNiversität Wien sprcht zumThema "Wie kann Katholische Schule eine schulpädagogische Alternative sein?"

Im Europäischen Kulturerbejahr 2018 geht es beim Kulturtag um „Präsent sein in Europa – Europäische Ordenskultur(en)“. Referenten sind Erzabt em. Asztrik Várszegi, Erzabtei Pannonhalma ("Im Osten nichts Neues? Welchen Stellenwert haben die Ordensgemeinschaften mit ihrem Kulturerbe in den postkommunistischen Ländern?") , P. Joachim Schmiedl, Katholisch-Theologische Hochschule Vallendar ("Provinzzusammenlegungen und kein Ende? Perspektiven europäischer Ordensgeschichte"), Priorin Sr. Eva-Maria Saurugg,  Benediktinerinnenabtei Nonnberg ("Klösterliches Kulturerbe: Tradition - von gestern und/oder für morgen? 1300 Jahre Heilige Erentrudis"), Stefan Lunte, Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen UNion ("Religiöses Erbe und europäisches Bewusstsein"). Das neue Team im Referat für die Kulturgüter der Orden stellt sich vor.

DONNERSTAG, 29. Nov 2018

Beim "Tag der Gesundheit und Pflege" von 9.30 - 16.00 Uhr stehen die Ordensspitäler und die Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen im Mittelpunkt der Überlegungen. Die Vollversammlung der  Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Ordensspitäler und die Generalversammlung des Vereins „Interessensvertretung von Ordensspitälern und von konfessionellen Alten- und Pflegeheimen Österreichs“ beschließen die Reihe der Herbsttagungen 2018 im Kardinal König Haus in Wien.

PREIS DER ORDEN 2018

Hier das Plakat der Herbsttagungen 2018.

Hier der Einladungsfolder zu den Herbsttagungen 2018.

Hier das Summary 2017

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