Älteste Abtei des Abendlandes feiert ihr 1.500-jähriges Bestehen

2014 08 25 Saint-Maurice 120Seit 1.500 Jahren wird im Schweizer Kloster Saint-Maurice gebetet und Gottesdienst gefeiert. Die Augustiner-Chorherren-Niederlassung im Kanton Wallis ist damit die älteste Abtei des Abendlandes, die ohne Unterbrechung besteht. Das Jubiläum wird ab Mitte September mit zahlreichen religiösen und kulturellen Veranstaltungen gefeiert. Schlusspunkt des Jubeljahrs, in dem u.a. Kopten-Papst Tawadros II. zu einem Besuch erwartet wird, ist das eigentliche Gründungsjubiläum der Abtei am 22. September 2015.

Saint-Maurice (St. Moritz) liegt in der Ebene von Verolliez, wo der heilige Mauritius und seine Gefährten von der Thebäischen Legion um das Jahr 300 den legendären Märtyrertod erlitten. Am 22. September 515 beauftragte der heilige Burgunderkönig Sigismund Mönche, in unmittelbarer Nähe ein Kloster zu errichten.

Auftakt: feierliche Vesper am 21. September

Den offiziellen Auftakt zum Jubiläumsjahr bildet eine feierliche Vesper am Sonntag, 21. September, zu der auch Vertreter der Schweizer Regierung erwartet werden. Tags darauf findet die traditionelle Prozession der Reliquienschreine des heiligen Mauritius und seiner Märtyrergefährten durch die Straßen des Ortes statt. Zum Jubiläumsjahr rechnen die Veranstalter mit einem großen Besucherandrang. Zelebrant des Gottesdienstes ist der frühere Bischof von Sitten, Kardinal Henri Schwery.

Für das Heilige Jahr 2000 hatte die Abtei die Eingangspforte zur Basilika mit einer künstlerischen Darstellung des Märtyrers Mauritius und seiner Gefährten neu gestalten lassen. Für das klösterliche Jubeljahr wurde jetzt eine zuvor unscheinbare Holztür ebenfalls künstlerisch gestaltet. Die neue Pforte wird am 21. September geöffnet und soll dies bis zum Ende des Jubiläumsjahrs bleiben.

Zum Jubiläum gibt es auch eine Filmpremiere. "Le sang et la seve" (Das Blut und die Lebenskraft), in den vergangenen zwei Jahren gedreht, beschreibt die Geschichte der Abtei und den Lebensalltag der Augustiner-Chorherren von Saint-Maurice.

Wiedereröffnung eines archäologischen Rundwegs

Kulturelles Hauptereignis im Herbst wird die Wiedereröffnung eines archäologischen Rundwegs sowie des völlig neu gestalteten Ausstellungssaales mit dem Abteischatz sein. Künftig sollen hier rund 60 Objekte zu sehen sein, die zu den wertvollsten religiösen Kunstgegenständen der westlichen Welt zählen. Bis Juni waren 19 der Objekte im Pariser Louvre zu sehen, wo sie auf großes Publikumsinteresse stießen.

Abt Joseph Roduit sagte bei der Vorstellung des Festprogramms, er habe im Februar in Rom Papst Franziskus förmlich zum Jubiläum eingeladen. Allerdings habe er nur ein nicht gerade verbindliches "Wir werden sehen" zur Antwort erhalten. So oder so - ein Papst soll jedenfalls kommen: Der Patriarch der koptisch-orthodoxen Kirche, Papst Tawadros II. aus Ägypten, hat bereits zugesagt. Hintergrund: Seit 1991 ist der heilige Mauritius, der den Märtyrertod starb, als Ägypter im koptischen Heiligenkalender verzeichnet. Noch drei weitere ägyptische Märtyrer der Thebäischen Legion werden in der Schweiz verehrt: die Heiligen Felix, Regula und Exuperantius, die Stadtpatrone von Zürich. Und auch die heilige Verena, gestorben um 320 in Zurzach im Kanton Aargau, soll aus Ägypten stammen.

Nicht nur in der Antike, auch in der Neuzeit sind Angehörige der Abtei Saint-Maurice den Märtyrertod gestorben, wie das Beispiel von Maurice Tornay zeigt. Der Augustiner-Chorherr (1910-1949) starb als Missionar in Tibet und wurde am 16. Mai 1993 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Informationen und Quelle Foto: www.abbaye1500.ch

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