Ordensfrauen und -männer sind heute per se Transzendenz-Wegweiser

Hirschmugl 120Der Marken-Spezialist Franz Hirschmugl hat im Rahmen des Wirtschaftstages „Rethinking Ordenswerke“ am 27. Mai 2014 in St. Virgil in Salzburg einige „Glaubenssätze“ aus markentechnischer Sicht mit der Anregung hinterfragt: „Konfliktscheue und Schongang verhindern eine Erneuerung.“

„Wir werden von der Welt nicht mehr verstanden“, hört Franz Hirschmugl im kirchlichen Umfeld sehr häufig. Er regt vor etwa 70 Ordensfrauen, Ordensmänner und Verantwortlichen der Ordenswerke wie Geschäftsführer an, eine neue Sprache, neue Rituale und Symbole zu entwickeln: „Entwickeln und lernen sie sehr radikal eine Sprache, die heute anschlussfähig ist. Fakt ist, dass die Kirche eine Lautverschiebung versäumt hat.“ Hirschmugl findet ermutigende Worte: „Es gibt heute eine unglaubliche Sehnsucht nach Transzendenz und Spiritualität, die auch körperlich und emotional zum Ausdruck kommen will. Ordensleute sind heute alleine durch ihre Präsenz Transzendenz-Wegweiser.“ Gerade in großen Ordenswerken wie Ordensspitäler besteht die Gefahr, „dass sich Spiritualität und damit der charakteristische Spirit verflüchtigt“. 

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Gründen sie heute

Mit Blick auf die jeweiligen GründerInnen der Ordensgemeinschaften, die meist auf soziale Schieflagen reagiert und gegen Widerstand erfolgte, animiert der Markenspezialist, „die Rebellion von damals in das Heute zu tragen, heute zu gründen.“ Hirschmugl ermutigt, genau hinzuschauen, „wer heute Interesse daran hat, dass sich nichts ändert und so bleibt, wie es gerade ist.“ Unter dem Glaubenssatz „Aufhörn kann i net“ subsumiert Hirschmugl die Tatsache, das alte Damen und Herren in die Gemeinschaften einen „unglaublichen Einfluß“ ausüben, was in der Gemeinschaft geschieht. „Konfliktscheue und der damit verbundene Schongang verhindern eine Erneuerung.“

Verlassen sie ihr Biotop

„Wenn heute jemand an Orden denkt, dann liegt Fremdbestimmung in der Luft“, weiß der Markenspezialist aus Graz, der selber in seiner Jugend sehr positive Erfahrungen „unter dem Dach der Salvatorianer“ gemacht hat. „Es ist zu viel Müssen da.“ Strenge gibt vielen Sicherheit und sie wird als Gott gefällig interpretiert. „Es braucht daher eine Erlaubnis-These und mehr Selbstbestimmung unter den Ordensleuten.“ Auch in der Kommunikation mit der Umwelt und hinein in die Gesellschaft sieht Hirschmugl eine Engführung des Katholischen: „Das Katholische bewegt sich immer nur im Katholischen. Es braucht ein Hinausgehen und neue ungewohnte Kontexte der Präsenz. Verlassen sie ihr Biotop.“

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Bauchgefühl gegenüber Ordenskirche ist positiv

Für eine Rethinking auf Zukunft hin fasst Hirschmugl seine Anregungen zusammen: „Suchen sie LehrerInnen und lernen sie die Sprache heute neu. Finden und lassen sie neue Formen, Rituale und Symbole zu. Denken sie weit außerhalb ihres normalen Rahmens die kühnste Idee, die sie sich ausdenken können. Und leben sie einen Tag oder gar eine Woche ohne Müssen.“ Keine Zweifel ließ Hirschmugl daran, „dass Menschen heute den spirituellen und auf Transzendenz hin geöffneten Freiraum der Ordensgemeinschaften suchen, schätzen und brauchen. Das allgemeine Bauchgefühl Richtung Ordenskirche ist positiv gestimmt.“

[fk]