Luftensteiner: Schüler sind Personen und nicht Funktionen

2014 01 15 Schulerhaltertag Sbg1Das Ziel von Ordensschulen darf nicht einfach die Vorbereitung auf eine wirtschaftliche Funktion sein, sondern auf ein selbstbewusstes Leben.

„Der rein funktionale Bildungsbegriff der OECD ist nicht unser Ansatz“, betont der Schulreferent der Ordensgemeinschaften Österreich Rudolf Luftensteiner am Ende der dreitägigen Schulerhalter- und Direktorentagung in Salzburg: „Ordensschulen haben als Kern ein personales Bildungsverständnis. Diese Tagung war eine Ermutigung und Stärkung darin, die Person des Schülers und der Schülerin in den Mittelpunkt zu stellen. Ziel aller Bildungsvorgänge ist ein selbstbewusstes Leben und nicht einfach die Vorbereitung auf eine wirtschaftliche Funktion.“ Luftensteiner sieht außerdem in den Ordenschulen und bei den Ordensgemeinschaften als Schulerhalter selber eine Veränderung: „Laien prägen immer öfter durch die Übernahme von eigenständigen Leitungsaufgaben die Schulkultur in den Ordensschulen. Sie sind damit nicht nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern selbst Träger des jeweiligen Ordenscharimas und Bildungsauftrages auf ihre Art. So wird der Spirit, der Geist, der Auftrag des Gründers oder der Gründerin in die Zukunft getragen.“

Plenum

Entdecken, was wird

Der Novizenmeister des Sitftes Kremsmünster P. Bernhard Eckerstorfer plädierte in seinen engagiert vorgebrachten Ausführungen, „die Gegenwart von der Zukunft her zu gestalten und dabei neue Wege zu beschreiten.“ Eckerstorfer wendet sich gegen die „Magie der Zahlen und den dauernden Vergleich mit der Vergangenheit. Maßstäbe von gestern eignen sich nicht zur Bewertung für die Zeit heute.“ Er führte aus, dass Reformen stehts Zusätzliches gebracht hätten. „Es braucht eine Kultur des Aufhörens, damit Neues entstehen kann.“ Ordensschulen können auf Zukunft hin „Bildungsdrehscheiben und Begegnungsräume unter dem Charisma der jeweiligen Ordensgemeinschaft sein“. Damit werden die Ordensschulen zu „geistlichen Zentren im jeweiligen Sozialraum mit Zentrum und Peripherie für Schüler, Eltern, Lehrer und Sympatisanten“. Eckerstorfer ermutigt, „der jeweiligen Schule ein klares Profil zu geben, das nicht einfach aus kirchlichen Moralvorschriften abgeleitet wird, sondern aus gelebten Werten und Ritualen in Offenheit und Verbundenheit mit den heutigen Menschen.“ Mit Bezug auf die Erfahrung, dass der besondere Ort der Liebe Gottes die Wüste ist, forderte Eckerstorfer die Schulverantwortlichen auf, „hinauszugehen aus der scheinbaren Fülle und in der Kargheit und Einfachheit neue Kräfte zu sammeln“. Der Benediktinerpater ermuntert die Ordensschulen, „prophetisch zu sein und das von vielen erwartete Anders-Sein mehr zum Ausdruck zu bringen.“ In der internationalen Vernetzung und im weltweiten Austausch im jeweiligen Ordensnetzwerk sieht er eine große Bereicherung und Innovationskraft für die Jugend heute.

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Die Dimension der Spiritualität bei Führungspersonen

„Wie können wir die Dreidimensionalität von Fachkompetenz, Management und Spiritualität in Leitungsfunktionen leben?“, war eine der Fragen in einer Studie, die in Ungarn, Deutschland und Österreich von der Katholischen Sozialakademie mitgetragen wurde. Gabriele Lindner brachte die Ergebnisse so auf den Punkt: „Führungsarbeit mit christlichem Hintergrund braucht eine gute Verknüpfung von Fachkompetenz und Management und ein gutes persönliches Fundament von Spiritualität.“ Das gelingt, „wenn die Leitungsaufgabe als persönliche Berufung angenomnen und als Dienst am Ganzen verstanden wird.“ Lindner führte weiters aus: „Wer die Dynamik der Organisation und das Gründungscharisma achtsam wahrnimmt, die Werte selbst vorlebt, braucht sich nicht zu scheuen, Unangenehmes und Konflikthaftes anzugehen.“ Es geht immer um Personen und nicht einfach um Funktionen und deshalb ist Vertrauen wesentlich. Klare Strukturen aus dem Geist der Organisation geben Raum, fördern Begegnung und schaffen so ein partizipatives Miteinander. Lindner legt den Schulverantwortlichen aus der Erfahrung der internationalen Studie ans Herz: „Pflegen sie eine spirituelle Kultur, bauen sie Unterbrechungen ein, halten sie inne und entwickeln sie persönlich und in der Schule die Haltung der Achtsamkeit.“

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