Diözese Graz Seckau: Wie funktioniert Ordensleben?

Vier Ordensleute aus der Steiermark, darunter auch Abt Philipp Helm (2. Reihe, 4.v.r.) geben anlässlich des „Tages des geweihten Lebens“ Einblick in das Ordensleben. (c) Christian Brunnthaler
„Man spürt im Herzen eine große Sehnsucht danach, Gott zu gehören und für IHN zu leben“, sagt Sr. Josefa Maria über den Beginn eines geistlichen und geweihten Lebens. Der Gedanke, ganz zu Gott zu gehören, werde erfüllender als alle bisherigen Pläne und Vorstellungen für das eigene Leben, erklärt Sr. Mirjam Schmedler: „Wenn alles andere, was die Welt zu bieten hat, zu wenig ist und die Sehnsucht nicht stillen kann.“ Unterstützung komme aus dem Gebet, aus der Betrachtung des Wortes Gottes und aus dem regelmäßigen Austausch in einer geistlichen Begleitung, meint Abt Johannes Fragner weiter: „Das hilft bei der Unterscheidung, ob die Sehnsucht, die man spürt, wirklich von Gott kommt, und ermutigt zu einer Entscheidung.“
Einig sind sich die vier Ordensleute darüber, dass Gott vorwiegend in der Stille spricht. „Sich dafür täglich Zeit zu nehmen, ist unabdingbar, um die Stimme Gottes zu hören“, sagt Abt Johannes Fragner. Das sei in unserer hektischen, lauten und reizüberfluteten Welt gar nicht so einfach. „Gott spricht zu uns auf vielerlei Weisen und durch alles, was uns in unserem Alltag begegnet“, ist Sr. Mirjam Schmedler überzeugt. Dem schließt sich Sr. Josefa Maria an: „Zeit nehmen für die Stille ist wichtig. Aber Gott kann auch durch Umstände, ein Buch, ein Wort von einem Menschen zu uns sprechen.“ Auch im Gebet und in der Meditation, in der Natur, „auch in Sorgen und Leiden, gerne in Freuden, aber zugegebenermaßen auch in einem netten SMS“ könne man Gott laut Abt Philipp Helm begegnen.
Unterschiede zwischen den Gemeinschaften
Wie sich das Ordensleben gestaltet, ist von der Gemeinschaft abhängig. „Im kontemplativen Orden ist der Tagesablauf ausgeglichen – Gebet, Arbeit, Erholung, das wechselt ab. Das Wichtigste ist, alles im Blick auf Gott und mit Gott zu tun“, erklärt die Karmelitin Sr. Josefa Maria, die mit ihren Mitschwestern fast ausschließlich im Kloster lebt und wirkt. Anders ist es den Stiften Rein und Seckau oder bei den Vorauer Marienschwestern. „Viele Mitbrüder sind in der Seelsorge in den Pfarren, in Krankenhäusern, Altersheimen oder im Schulunterricht tätig. Einige übernehmen hausinterne Aufgaben vom Tischaufdecken über Sakristeidienste bis zur Wirtschaftsverwaltung und Administration“, erklärt Abt Philipp Helm.
Alles ist eingebettet in einen vom Gebet bestimmten Tagesablauf. „Fünf Gebetszeiten (Vigil und Laudes am Morgen), die Feier der heiligen Messe – bei uns am Vormittag –, das Mittagsgebet, die Vesper am Abend und die Komplet am Abschluss des Tages sowie zusätzlich eine persönliche stille Gebetszeit geben dem Tag seine Struktur“, sagt der Seckauer Abt Johannes Fragner. Wenn einmal nicht klar ist, was nun vorrangig sei, helfe es, „den Heiligen Geist zu bitten, einen zu führen, zu leiten, recht zu raten, um dann gute und richtige Entscheidungen zu treffen. Und für die wichtigen und großen Entscheidungen braucht es immer wieder Stille und viel Gebet“, sagt Sr. Mirjam Schmedler.
Gemeinschaftsleben: Herausforderung und Geschenk
Das Ordensleben sei Gemeinschaft, sagt Abt Philipp Helm: „Es geht darum, Talente des einzelnen anerkennen und zugleich einander zu vergeben und zu verzeihen wie in jeder Familie.“ Dieses Gemeinschaftsleben sei Herausforderung und Geschenk zugleich, ergänzt Abt Johannes Fragner, es sei getragen vom Gebet, von Nächstenliebe, von Rücksichtnahme und von der Gemeinschaft. Abt Philipp Helm: „In gewisser Weise spiegeln wir unsere Welt und sind mit denselben Problemen konfrontiert wie alle Menschen.“
Das Leben in den Ordensgemeinschaften wirke weit über die Ordensniederlassung hinaus. „Das Ordensleben ist ein Leben der Hingabe an Gott (im Gebet, Stellvertretung, Anbetung) und an die Mitmenschen (Dienst an den Kranken, Armen und Notleidenden) und dies gibt dem Leben einen Sinn”, erklärt Sr. Mirjam Schmedler.
Krautwaschl: „Ansporn für uns alle“
Menschen im gottgeweihten Leben – in Orden und verschiedenen Gemeinschaften seien von unschätzbarem Wert für die Gesellschaft, der oft nicht erkannt werde, zeigte sich Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl überzeugt. Mit ihrem Da-Sein vor Gott und ihrem Einsatz in Seelsorge, Gesundheit, Schulwesen und Arbeitswelt und hielten die Orden das Leben am Laufen. Sie seien Horte von Bildung und Kultur, wichtige Arbeitgeber und touristische Ziele. „Ohne sie wären wir arm dran und deshalb sage ich ein herzliches Vergelt's Gott an alle Ordensleute und all jene, die in den Gelübden der Evangelischen Räte leben“, sagte Bischof Wilhelm Krautwaschl. „Ihr Leben mag Ansporn sein für uns alle. Zum Beispiel, um uns Zeit für die Stille zu gönnen. Nicht nur, um vielleicht Gott zu hören, sondern weil das bereichernd ist im Umgang mit sich selbst.“
Am 31. Jänner 2026 (18.15 Uhr) findet im Dom zu Graz eine feierliche Vesper zum „Tag des geweihten Lebens“ mit Weihbischof Johannes Freitag statt. Im Rahmen der Feier wird der Professjubilarinnen und -jubilare gedacht und für sie gedankt.
Orden in der Diözese Graz-Seckau
In der Diözese Graz-Seckau gibt es 17 weibliche Ordensgemeinschaften mit insgesamt 301 Ordensfrauen. In den 16 männlichen Gemeinschaften in der Steiermark leben 131 Ordensmänner (Stand 2024).
Quelle: Diözese Graz-Seckau