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16. Januar 2026

Tagung: Interreligiöses Zusammenleben an katholischen Privatschulen

Wie interreligiöses Zusammenleben an katholischen Privatschulen in einer zunehmend pluralen Gesellschaft gelingen kann, stand im Fokus einer gesamtösterreichischen Fachtagung, die von 12. bis 14. Jänner 2026 im Bildunghaus St. Virgil in Salzburg stattgefunden hat. Rund 90 Schulleiter:innen katholischer AHS und BMHS sowie Schulträgervertreter:innen aus ganz Österreich diskutierten unter dem Titel „Pluralität gestalten – Interreligiöses Zusammenleben an katholischen Privatschulen“ pädagogische, gesellschaftliche und religionsbezogene Herausforderungen.

Der Salzburger Religionswissenschafter Martin Rötting erklärte  in seinem Vortrag, dass Formen individueller Spiritualität klassische Religionen zunehmend herausfordern.

Der Salzburger Religionswissenschafter Martin Rötting erklärte  in seinem Vortrag, dass Formen individueller Spiritualität klassische Religionen zunehmend herausfordern. (c) ÖOK

 

Veranstaltet wurde die Tagung von der Österreichischen Ordenskonferenz in Kooperation mit der Konferenz der Schulamtsleiter:innen Österreichs. Hintergrund des Tagungs-Themas war die religiöse Vielfalt an katholischen Schulen selbst. Rund 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler an katholischen Privatschulen sind katholisch, die übrigen gehören anderen christlichen Kirchen, dem Islam oder weiteren Religionen an oder sind konfessionslos. Diese Realität stellt Schulen vor neue Aufgaben.

 

Formen individueller Spiritualität würden klassische Religionen zunehmend herausfordern, strich dazu der Salzburger Religionswissenschafter Martin Rötting heraus. In seinem Vortrag zur Zukunft der Religionen beschrieb er tiefgreifende Veränderungen religiöser Landschaften: Während sich institutionelle Religionen teilweise durch eine „Bastionsspiritualität“ verfestigten, nehme eine individualisierte Spiritualität – etwa in Form von „Freestyle“-Spiritualität oder SBNR („spiritual but not religious“) – deutlich zu.

 

Unverzichtbarer Beitrag

Zu den zentralen Thesen des Vortrags zählte, dass neokonservative oder extremistische religiöse Strömungen zwar kurzfristig für klar umrissene Personengruppen attraktiv sein können, von der Gesamtgesellschaft jedoch als Gefahr wahrgenommen und langfristig abgelehnt werden. Für pluralistische Demokratien seien hingegen interreligiöse Beiträge – etwa Friedensimpulse oder gemeinsame Antworten auf ökologische Herausforderungen – unverzichtbar.

 

Rötting verwies zudem auf die pluralitätssensible Rechtslage in Österreich, die es etwa ermögliche, dass Schülerinnen und Schüler an katholischen Privatschulen den Religionsunterricht ihrer jeweiligen Religion besuchen. Dies sei im internationalen Vergleich eine wichtige Grundlage für respektvolles Zusammenleben.

 

Ambivalent und wirkmächtig

Aus religionspädagogischer Perspektive sprach Karin Peter von der Universität Innsbruck. Eine Schule, die Religion ausblende, werde dem Bildungsauftrag nicht gerecht, so ihre These. Religion sei ein ambivalentes, aber hoch wirkmächtiges Phänomen, das Orientierung geben, aber auch Ausgrenzung fördern könne. Die Auseinandersetzung mit religiöser Pluralität dürfe daher nicht auf den Religionsunterricht beschränkt bleiben, sondern müsse von allen schulischen Akteuren getragen werden, sagte die Leiterin des Fachbereichs Katechetik, Religionspädagogik und -didaktik am Institut für Praktische Theologie der Katholisch-Theologischen Fakultät Innsbruck.

 

Gerade katholische Privatschulen seien gefordert – aufgrund der pluralen Gesellschaft, der Vielfalt innerhalb der eigenen Schülerschaft und der individuellen weltanschaulichen Zugänge der Jugendlichen – sich mit Pluralität auseinanderzusetzen, meinte Peter. Denn: Um sich in einer pluralen Welt kompetent, differenziert und urteilsfähig auseinandersetzen zu können, brauche es eine reflexive Auseinandersetzung mit Religion.

 

Offen für Innovation

Weitere Impulse kamen aus der schulischen Praxis und angrenzenden Themenfeldern. P. Ferdinand Karer stellte „seine“ Schule, das Gymnasium und ORG Dachsberg der Oblaten des Heiligen Franz von Sales, vor. Das Zeitmodell „Flex-Time“ ermöglicht dort etwa individuelle Lernzeiten. Zudem plädierte der Journalist und Medienexperte Ernst Leo „Golli“ Marboe für einen offenen Umgang mit psychischer Gesundheit an Schulen und für den Abbau entsprechender Tabus.

 

Die Tagungsleiterinnen Marie-Theres Igrec, Leiterin des Bereichs Bildung und Ordensschulen der Österreichischen Ordenskonferenz, und Anna Davogg, Privatschulreferentin der Schulamtsleiter:innenkonferenz, zeigten sich zum Abschluss zufrieden. Sie betonten den hohen Wert des offenen Austauschs und zeigten sich zuversichtlich angesichts der Zukunftsgewandtheit und Innovationsoffenheit der katholischen Schulen in Österreich.

 

Quellen: ÖOK, kathpress

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Weiterlesen:

Bereich Bildung und Ordensschulen der Österreichischen Ordenskonferenz

Konferenz der Schulamtsleiter:innen Österreichs

 

[teresa bruckner]


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