Franz Lackner: Katholische Kirche muss lernfähig und wandelbar bleiben

Für den Salzburger Erzbischof Franz Lackner im jahr 2025 persönlich besonders prägend: eine 450 Kilometer lange Fußwallfahrt von Florenz nach Rom auf dem Franziskusweg. (c) C. Inama
Die katholische Kirche müsse lernfähig und wandelbar bleiben, um den christlichen Glauben in der jeweiligen Zeit zu vergegenwärtigen. Die Kirche könne „Jesus nicht eins zu eins übersetzen“, sagte der Salzburger Erzbischof. Es brauche immer eine „Übersetzung in die Welt hinein“. Wandelbarkeit müsse daher stets ein Thema sein, sagte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz. Er verwies auf einen notwendigen Transformationsprozess der Kirche, der organisch verlaufen müsse und nicht vorschnell institutionalisiert werden dürfe.
Fähigkeit zur Weiterentwicklung
Diese Überlegungen knüpfte er an das franziskanische Erbe. Anlässlich des für 2026 geplanten Franziskus-Jubiläums – 800 Jahre nach dem Tod des Ordensgründers – erinnerte der dem Franziskanerorden angehörende Erzbischof daran, dass sich bereits die frühe franziskanische Bewegung neuen Aufgaben geöffnet habe. Franziskaner hätten schon eine Generation nach Franz von Assisi als Professoren an der Pariser Sorbonne gelehrt, obwohl Wissenschaft nicht zu den ursprünglichen Anliegen des Heiligen gezählt habe. Gerade diese Fähigkeit zur Weiterentwicklung habe das Charisma lebendig gehalten. „Der Theologe Niklaus Kuster stellte die These auf, dass sich das franziskanische Ideal gerade dadurch erhalten hat, weil es ‚aufgehoben‘ wurde. Wobei aufgehoben hier nicht abgeschafft, sondern verwandelt und transformiert bedeutet“, sagte Lackner.
Als zentrale Themen für die Kirche in der Gegenwart nannte er Frieden, Armut und Gerechtigkeit. Dabei gehe es nicht nur um materielle Not, sondern auch um ein „Armbleiben im Glauben“. Er selbst bete – in Anlehnung an Franz von Assisi – um einen demütigen und armen Glauben. Armut begegne ihm auch ganz konkret im Alltag, etwa im Gespräch mit Armutsmigranten in der Salzburger Innenstadt. Neben sichtbarer gebe es aber auch verdeckte Armut, für die es Aufmerksamkeit brauche, betonte Lackner.
Fußwallfahrt persönlich prägend
Rückblickend auf das vergangene Jahr verwies der Erzbischof auf prägende geistliche Erfahrungen. Besonders berührt habe ihn das Thema „Pilger der Hoffnung“ im Heiligen Jahr, das am 6. Jänner 2026 mit der Schließung der Heiligen Pforte am Petersdom durch Papst Leo XIV. offiziell endete. Eindrücklich sei die Salzburger Diözesanwallfahrt mit mehr als 230 Pilgerinnen und Pilgern nach Rom gewesen, sagte Lackner. Persönlich prägend sei zudem eine 450 Kilometer lange Fußwallfahrt von Florenz nach Rom auf dem Franziskusweg gewesen. Dabei sei er an Grenzen gestoßen: „Mehrmals dachte ich, ich schaffe es nicht, es gibt keinen Platz zum Übernachten, ich kann nicht mehr ... und doch geht es weiter. Denn Gott sorgt.“
Im Hinblick auf das angebrochene Festjahr zu Ehren des 1226 verstorbenen heiligen Franz von Assisi äußerte der Erzbischof Vorfreude. Dazu sei in Salzburg einiges geplant: Lackner kündigte die Aufführung der Oper „Saint François d’Assise“ von Olivier Messiaen ebenso an wie eine Ausstellung und eine Vorlesungsreihe. An letzterer werde er sich selbst beteiligen und über das Thema „Franziskanisch sein und bischöflich handeln“ sprechen.
Wunsch: Mehr Zeit für Aufgaben in Salzburg
Auf die Frage nach seinen Vorsätzen für das neue Jahr äußerte der Erzbischof den Wunsch, „dass sich mein Arbeitsfeld weniger auf Österreich (als Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz), die Europäische Bischofskonferenz oder Rom konzentriert“ und er mehr Zeit für Aufgaben in der Erzdiözese Salzburg aufwenden könne. Als Beispiel dafür nannte er Besuche bei älteren Menschen. „Ich möchte dort sein, wo der Herbst des Lebens und des Glaubens stattfindet.“
Persönlich markiere für ihn aber weniger der Jahreswechsel als vielmehr das Kirchenjahr einen Neubeginn, insbesondere der Advent als Zeit der Stille und des Gebets. Auch mit Blick auf sein Alter – Lackner wird heuer 70 – zeigte sich der Erzbischof dankbar. Er denke darüber nach, „was nach mir sein wird“ – gemäß dem Kirchenrecht werde er in fünf Jahren, mit 75 Jahren, seinen Rücktritt als Erzbischof anbieten. Ihm sei es ein Anliegen, „dass es für alle, die auch nach mir noch Verantwortung haben werden, gut weitergeht“.
Quellen: Rupertusblatt, kathpress