fax
 
 
 

News

Berufungsg'schichten: Aus der Fülle der Gaben leben

Eine neue Berufungsg'schichte: Frater Lukas Agerer ist Zisterzienser in Stift Stams. Fast 50-jährig wurde der ehemalige Presseprecher eines Energiekonzerns Ordensmann in seiner Tiroler Heimat. Dem Quo vadis? erzählte er von dem Ruf, dem er folgte und dass Gott eigentlich schon immer in seinem Leben war. 

Frater Lukas Agerer lebt und wirkt im Zisterzienserstift Stams. (c) privat

Frater Lukas Agerer lebt und wirkt im Zisterzienserstift Stams. (c) privat

Als Ordensmann im Kloster werde ich von Besuchern oder Gästen immer wieder gefragt warum ich hier lebe. Heutzutage ist ja die Lebensform als Mönch nicht gerade modern und eher sehr selten geworden. Sie meinen dann auch, dass ich schon viele Jahre hier sei. Wenn ich dann erzähle, dass ich erst vor drei Jahren hierher nach Stams gekommen bin und mit 49 Jahren Mönch wurde, erlebe ich oft fragendes Staunen.

Mich selbst hat Gott auch immer wieder ins Staunen versetzt. Ganz besonders auf dem Berufungsweg hierher ins Kloster nach Stams. Ich bin 70 Kilometer entfernt von hier im Tiroler Oberland geboren, religiös geprägt als Ministrant und Jugendpfarrgemeinderat aufgewachsen. Meine Kindheit und Jugend waren sehr schön und unbeschwert. Dafür danke ich meinen lieben Eltern von ganzem Herzen. Sie waren es, die mit ihrer Liebe den Samen genährt haben.

Das Leben davor

Maturiert habe ich in Landeck. Während meines Jurastudiums hatte ich für drei Jahre die Funktion des Landesobmanns der Jungen ÖVP in Tirol inne. Das politische Geschäft war mir doch zu unmoralisch. Daher ging ich einen neuen Weg, der mich nach Deutschland führte. Ich begann eine Ausbildung als Fachwirt für Public Relations.

Mehr als 20 Jahre war ich dann als Pressesprecher, Kommunikationsberater sowie Manager für politische Kommunikation in Energiekonzernen tätig und habe in München, Berlin und Landshut gelebt. Dieses Leben vor dem „Mönch-Sein“ war auch ein gutes Leben und die meiste Zeit bereichernd. Es ist jedoch nicht zu vergleichen mit dem inneren Reichtum, der mir mit meiner geistlichen Berufung geschenkt wurde. 

Wie kam es dazu, dass ich diesen Ruf hörte und ich ihm gefolgt bin?

Der Ruf aus der Stille

Nun der Ruf - er kam aus der Stille.

Durch eine interne Neustrukturierung bekam ich die Möglichkeit durch eine berufliche Pause Abstand zu gewinnen. So konnte ich viel Zeit mit mir alleine verbringen, war viel in der Natur, in den Bergen unterwegs, und reiste öfter in die alte Heimat Tirol.

In dieser Zeit stieß ich auf einmal beim Umräumen meiner Wohnung auf das "Kreuz von San Damiano", das kleine Pilgerkreuz habe ich als 16-Jähriger bei einem Urlaub in Assisi - den ich zusammen mit einem jungen Priester verbracht habe - mitgenommen. Ich legte es sichtbar auf die Kommode und verspürte nach ein paar Tagen den innerlichen Wunsch zu beten. So kniete ich mich vor das Kreuz hin, sprach persönliche Worte des Gebets und hielt Stille.

Zisterzienserstift Stams Innenhof

Frater Lukas Agerer: „Gott lässt sich von denen finden, die ihn nicht gesucht haben“ (Jes 65,1). (c) privat

Das Beten hat gut getan

Irgendwie hat mir das gut getan und ich habe nicht verstanden, was der Antrieb war, damit zu beginnen. Aber weil es mir gut tat, habe ich fortan am Morgen diese Zeit vor dem Kreuz und diese Zeit der Stille verbracht. Und da ist es dann gekommen, dass ich innerlich gehört habe: „Du sollst Seelsorger sein.“

Natürlich war ich überrascht und dachte auch, dass dieser Ruf nicht mir gilt. Nicht mir, der schon 49 Jahre alt ist. Nicht mir, der viele Jahre intensiv im Weltlichen und im Außen lebte.

So habe ich diesen Ruf zunächst nicht ganz ernst genommen, aber durch Begegnungen und Ereignisse im Alltag bin ich doch zum Entschluss gekommen, mich in meinem Inneren darauf einzulassen und Gott zu fragen, was es denn dann konkret zu bedeuten hat.

Dreifache Heimat

Mein Weg des Rufes bis zum Eintritt ins Kloster dauerte etwa ein Jahr lang. In diesem Jahr war ich auf dem Weg zu meinem göttlichen Kern. Ich bin in dieser Zeit Gott begegnet und habe wunderbare Momente der Heilung erleben dürfen.

„Gott lässt sich von denen finden, die ihn nicht gesucht haben“ (Jes 65,1).

Darüber will ich jetzt als Mönch offen reden und weiter sagen, was ich selber als Geschenk empfangen habe. So habe ich mich eingelassen auf das Unsichtbare und ich wurde reich beschenkt mit einem unglaublichen Vertrauen von jenem, den wir nicht sehen können, den wir eigentlich nicht richtig hören können, der aber in uns wohnt und innerlich zu uns spricht, wenn wir in uns „hinein hören“. So durfte ich auf meinem Weg der Berufung entdecken, dass Gott schon immer in mir war. 

Zisterzienserstift Stams im Abendlicht

"So habe ich mich eingelassen auf das Unsichtbare." (c) privat

Die Liebe weitergeben

Nun lebe ich seit drei Jahren hier in der Gemeinschaft der Zisterzienserabtei. Hier im Kloster habe ich jetzt vielfältige Aufgaben die mir Freude machen und mich erfüllen. Ich bin Gastmeister, geistlicher Begleiter, gebe Exerzitien, bin Sakristan, kümmere mich um die digitale Kommunikation des Geistlichen Lebens, mache Führungen und absolviere den Fernkurs in Theologie.

Zusätzlich betreue ich einen älteren Mitbruder, der nach einem Schlaganfall Schwierigkeiten beim Reden hat. Es ist schön für mich, ihm meine Stimme zu leihen und ihm ein bisschen zu helfen.
Weil mir durch die erfahrene Heilung durch die Liebe Gottes die Liebe zu mir selbst wiedergeschenkt wurde, bin ich im inneren meiner Seele von Liebe erfüllt. Und diese Liebe gebe ich aus Freude und Dankbarkeit hier im Kloster im Gebet und meinen Aufgaben gerne weiter. Der Schlüssel dazu war die Stille. Denn mein Ruf kam aus der Stille.

So wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie auch immer wieder in die Stille gehen, um zu hören, auf welchem Weg Sie sind und ob es der Weg ist, der Sie erfüllt. „Wenn Du schweigst, spricht Gott zu Dir ...“


Weiterlesen

Corona-Krise hat Wert geistlicher Berufungen verdeutlicht

Mit Gott auf dem Weg

Spätberufen oder doch nur schwerhörig?

Karriere nach unten – oder: Eine Schatzsuche

[elisabeth mayr]

Videos

Videos

Sprachliche Vielfalt in den Orden

St. Florian ist #immernochda

Historische Bücher korrekt lagern

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.