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"Fasten für die Augen": Einblicke in die Fastentuch-Tradition

Am zweiten Tag der Kulturtagung der Orden und der Diözese Gurk wurde das Brauchtum der Fastentücher unter die Lupe genommen. Dabei wurde der Bogen vom historischen Überblick bis hin zur Renaissance der Fastentücher heute gespannt. 

 Ein modernes Exemplar eines Fastentuches ist in St. Michael in Wien zu sehen, wie Karin Mayer zeigte. (c) OG

Ein modernes Exemplar eines Fastentuches ist in St. Michael in Wien zu sehen, wie Karin Mayer zeigte. (c) OG

"Fasten für die Augen"

Fastentücher, die während der vorösterlichen Bußzeit Altar, Hochaltar oder Bilder verhüllen, sind nicht nur von historischem Wert, sondern stellen bis heute ein "Fasten für die Augen" dar: Darauf hat Karin Mayer, Leiterin des Bereichs Kultur und Dokumentation der Ordensgemeinschaften Österreich, hingewiesen. Sie führte durch eine von den Orden und der Diözese Gurk veranstalteten zweitägigen Tagung, zu der sich 60 im Bereich Archive, Bibliotheken und Sammlungen tätigen Ordensleute sowie Verantwortlichen für die kirchlichen Kunst- und Kulturgüter im Rahmen einer Videokonferenz versammelt haben. Dabei standen Sammlungen kirchlicher Kunst in der Diözese Gurk im Zentrum; etwa die Schatzkammer Gurk oder das bemerkenswerte Gurker Fastentuch.

Das rund tausendjährige Brauchtum des Fastentuchs ist bis heute speziell in der Diözese Gurk-Klagenfurt präsent, wo fast die Hälfte der in Österreich befindlichen historischen Fastentücher zu finden sind. An zweiter Stelle folgt Tirol. Eine der ersten Erwähnungen des Fastentuch-Brauchs stammt laut Mayer aus dem 10. Jahrhundert. Die anfangs noch schlichten Leinentücher ohne Verzierungen, seien ab dem Mittelalter mit Streifen und Ornamenten aus Leinen, Wolle oder Hanf geschmückt worden. Später seien die biblischen Darstellungen auf den Tüchern auch gestickt, genäht oder gemalt worden, in Niederdeutschland gebe es auch Beispiele mit Model-Drucktechnik.

Das feierliche Aufhängen der Fastentücher erfolgt bis heute zu Beginn der vierzigtägigen Bußzeit, das Abhängen in der Karwoche. Teils war es auch üblich, dass das Tuch laut Mayer "dramatisch" passend zur Evangeliumsstelle nach Matthäus über den Kreuzestod Jesu - "Da riss der Vorhang des Tempels von oben bis unten entzwei" - abgenommen wurde oder gar herunterfiel. Damit erinnere das Fastentuch an den Jerusalemer Tempelvorhang.

Ältestes Fastentuch Österreichs

Das Video zeigt die Aufziehung des Gurker Fastentuches. (c) Stift Gurk

Über das wohl bekannteste Tuch, das Gurker Fastentuch, das seit mehr als 560 Jahren jedes Jahr in der Fastenzeit in Gebrauch ist, referierte die Textilrestauratorin Britta Schwenck. Das größte und älteste erhaltene Fastentuch Österreichs wurde am 17. Februar erstmals nach seiner umfangreichen Konservierung wieder im Gurker Dom aufgezogen. Das auch als Hungertuch bezeichnete textile Kunstwerk aus dem Jahr 1458 von Meister Konrad aus Friesach sei in den vergangenen zwei Jahren untersucht und konserviert worden, informierte Schwenck in Zuge ihres Vortrags. 2019 kam bereits die rechte Tuchhälfte mit Szenen aus dem neuen Testament fertig restauriert nach Gurk zurück; 2020 wurde auch die Restaurierung des linken Tuchhälfte mit Abbildungen aus dem Alten Testament abgeschlossen.

Licht, Klima, Alter und der Gebrauch des historischen "Hungertuches" hätten die neuerliche Restaurierung notwendig gemacht, so die Textilrestauratorin. Das Fastentuch ist zuletzt in den Jahren 1950 bis 1958 vom Bundesdenkmalamt restauriert worden. Neben einer Reparatur von kleinen Löchern sei diesmal auch die Analyse und eine Bestandserhaltung des Tuches, sowie die Rückführung von Fragmenten im Zentrum gestanden. Ans Licht gekommen seien Unregelmäßigkeiten und kleine Webfehler, die bereits bei der ursprünglichen Herstellung des Tuches passiert waren, sowie Übermalungen. Ziel sei es gewesen, dass das Tuch weiterhin seinen liturgischen Zweck erfüllen könne, so Schwenck.

Das Gurker Fastentuch zählt zu den ältesten in Österreich noch erhaltenen Fastentüchern. Es enthält 99 szenische Darstellungen auf knapp 90 Quadratmetern Leinentuch. Die Szenen zeichnen das heilsgeschichtliche Handeln Gottes am Menschen von der Schöpfung bis zum Jüngsten Tag nach. Eine Besonderheit des Gurker Fastentuches ist die Einbindung und Darstellung von Menschen aus der Profangeschichte - zum Beispiel von Alexander dem Großen, Julius Cäsar oder Kaiser Augustus. 

"Schatzkammer Gurk"

Einblicke in das Diözesanmuseum Gurk gab Rosmarie Schiestl. (c) Schiestl

Einblicke in das Diözesanmuseum Gurk gab Rosmarie Schiestl. (c) Schiestl

Einblicke in das Kärntner Diözesenmuseum "Schatzkammer Gurk" gab dessen wissenschaftliche Leiterin Rosmarie Schiestl. Das 1917 in Klagenfurt gegründete Museum befindet sich seit 2014 im Propsteihof des ehemaligen Stiftes Gurk. Schiestl ging auf das Museumskonzept wie auch die Highlights der Ausstellung ein. U.a. beherbergt das Museum eine der österreichweit bedeutendsten Sammlung an Kunst aus der Gotik. Aber auch alle anderen Perioden, etwa Romanik, Renaissance oder Barock sind spezielle Ausstellungsteile gewidmet.

Auch Zeugnisse der Volksfrömmigkeit und hier wieder besonders der Hemma-Verehrung bilden einen von vielen Schwerpunkten des Museums. In Summe würde auf die Besucher ein "ungemein vielfältiges kulturelles Erbe Kärntens" warten, so die Museumsleiterin. Dass das Museum nun in Gurk beheimatet ist, ist für Schiestl ein gewollter Glücksfall. Viele Pilger würden ihren Besuch im Gurker Dom bzw. am Grab der hl. Hemma auch gleich mit einem Besuch des Museums verbinden. Ob dies auch heuer - Corona-bedingt in der gleichen Weise wie früher möglich sein wird, stehe aktuelle freilich noch nicht fest, so Schiestl. Man hoffe jedenfalls, am 1.Mai für Besucher öffnen zu können. 

350 Jahre Ursulinen

Ein Ordensjubiläum muss gefeiert werden, aber wie? Nora Pärr gab ihre Erfahrungen vom 350-Jahr-Jubiläum der Ursulinen weiter. (c) OG

Ein Ordensjubiläum muss gefeiert werden, aber wie? Nora Pärr gab ihre Erfahrungen vom 350-Jahr-Jubiläum der Ursulinen weiter. (c) OG

Über die Überlegungen bzw. Aktivitäten zum 350-Jahr-Jubiläum der Ursulinen in Klagenfurt berichtete Nora Pärr in ihren Ausführungen. Sie ist Archivarin der Klagenfurter Ursulinen der Römischen Union. Ein Schwerpunkt dabei war (und ist) die Festschrift "Soli Deo Gloria - Serviam!" (dt.: "Allein Gott die Ehre - Ich werde dienen!"), in der 13 Autorinnen und Autoren, darunter Universitätsprofessoren und ehemalige Schulamtsleiter, über Geschichte, Lebensalltag und Wirken der Ursulinen in Kärnten berichten. Die Festschrift war bereits am 21. Oktober 2020 (dem Gedenktag der heiligen Ursula) erstmals präsentiert worden.

Bei den Arbeiten an dieser Festschrift habe man viele Bausteine einer spannenden und vielfältigen Ordensgeschichte zusammengetragen können. "Und die Arbeit daran habe auch so manche Anstöße geliefert, wo man noch weiter in die Tiefe gehen kann", ergänzte Pärr. Inwieweit zum Jubiläum im Frühjahr oder Sommer noch ein großer Festgottesdienst zum Ordensjubiläum der Ursulinen stattfinden kann, hängt laut Pärr noch von der Entwicklung der Pandemie ab.

Die Klagenfurter Ursulinen haben sich vor allem große Verdienste um die Bildung und Erziehung der Jugend in Kärnten erworben. Im Jahr 1670 kamen die ersten Ursulinenschwestern nach Klagenfurt und begannen mit dem Unterricht von zwölf jungen Mädchen. 350 Jahre später besuchen in Klagenfurt rund 900 Mädchen und Buben die Bildungseinrichtungen des "Schulvereins St. Ursula" - darunter Kindergarten, Volks- und Mittelschule sowie das bischöfliche Gymnasium. (Infos: www.ursulanet.at)

20210315 Teilnehmerliste zweiter tag

Virtueller Applaus der TeilnehmerInnen. (c) OG

Die Tagung der kirchlichen Kulturverantwortlichen, bei der auch die Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz, Christine Rod, einen kurzen spirituellen Impuls hielt, war am Dienstag zu Ende gegangen. Ziel der zweitägigen Veranstaltung war es, das Verständnis und den Austausch der verschiedenen mit den Kulturgütern betrauten Fachbereiche aus Diözesen, Ordensgemeinschaften und Wissenschaft zu fördern.

Quelle: Kathpress


Vernetzungstreffen Tag 1: Fruchtbarer Austausch zwischen Wissenschaft und Orden

[elisabeth mayr]

 

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