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„Das Plakat lassen wir erstmal hängen“

Die Tiroler Tertiarschwestern sind am Wochenende mit ihrer mutigen Plakat-Aktion gegen die Abschiebung der drei Schülerinnen viral gegangen. Dabei wollten sie „nur“ eine einfache Stellungnahme aufhängen.

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Mit dem Plakat setzen die Tertiarschwestern ein sichtbares Zeichen gegen die Abschiebung der Schülerinnen vergangene Woche. (c) Tertiarschwestern

„Wir bekommen schon das ganze Wochenende Nachrichten und E-Mails, die uns zur Aktion gratulieren oder mehr darüber wissen wollen“, erzählt uns Sr. Gertrud im Telefoninterview, die Oberin der Tertiarschwestern in Hall in Tirol, über das Medienecho, das ihr Plakat ausgelöst hat.

Gut sichtbar hängt es an der Wand des Klosters in Hall, neben einer stark befahrenen Straße, ein leises Statement gegen die Abschiebung, das laut gehört wurde.

Treibende Kraft hinter dem Plakat war Sr. Notburga, die sich seit ihren Ordenseintritt 1980 vehement für jene Menschen einsetzt, die ihre Stimme brauchen – Flüchtlinge, sozial am Rand stehende Menschen, Personen mit geistiger oder körperlich Beeinträchtigung und aktuell: drei Schülerinnen, die vergangene Woche in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag mitsamt ihren Familienangehörigen nach Georgien und Armenien abgeschoben wurden, trotz lauter Proteste und prominenter Gegenstimmen. Auch Sr. Notburga hat sich über Facebook für den Verbleib der Mädchen in Österreich stark gemacht.

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Die Schwestern unterstützten Sr. Notburga mit ihrer Aktion.  (c) Tertiarschwestern

Am Donnerstag, 28. Jänner, verfolgte Sr. Notburga mit einigen Mitschwestern die Rede des Bundespräsidenten. Ein Satz daraus blieb hängen, jener, der sich einen Tag später an der Mauer des Klosters wiederfinden sollte: „Ich kann und will nicht glauben, dass wir in einem Land leben, wo dies [Kinder abschieben] wirklich notwendig ist“.

„Der Satz wurde gewählt, weil nichts Negatives daran ist, keine Verunglimpfung, keine Schuldzuweisungen – nur eine starke Stellungnahme“, so Oberin Gertrude. Und alle Schwestern waren mit der Aktion einverstanden, denn „das erleben wir ja ständig, dass etwa gut integrierte Lehrlinge abgeschoben werden. Oder auch die dringend benötigten Pflegerinnen, die hier eine Ausbildung dazu gemacht haben.“

Es ist ihr unerklärlich, warum man „als christliches Land nicht mal dazu bereit ist, ein paar Kinder aufzunehmen, obwohl sich sowohl Städte als auch Gemeinden gemeldet haben, dass es Platz gibt“. Die Schwestern sind mit dieser „himmelschreiende Flüchtlingspolitik“ nicht einverstanden, deswegen ist für Sr. Gertrud klar: Das Plakat lassen wir erstmal hängen.“

Auch Ordenskonferenz mit starkem Statement

Sr. Christine Rod, Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz, hat sich vergangene Woche ebenfalls zur Abschiebung zu Wort gemeldet:

„Wir sprechen nicht über irgendein abstraktes Aktenzeichen, sondern über Kinder. Sie heißen Tina und Lea. Sicherlich wurde bei ihnen nach der geltenden Gesetzeslage gehandelt. Doch wem dient das Gesetz? Sollte es nicht den Menschen und damit der Menschlichkeit dienen? War es wirklich menschlich, um drei Uhr in der Früh Kinder, die hier geboren und aufgewachsen sind, hier zur Schule gehen, hier Freunde haben, mit Polizeigewalt abzuholen und in ein Land abzuschieben, dass sie nicht kennen und das ihnen fremd ist? Hier hätte man doch menschlich und christlich handeln können im Sinne eines humanitären Bleiberechts. Ordensgemeinschaften haben sich schon immer mit Menschen am Rande solidarisiert und sie in die Mitte der Gesellschaft geholt. Ganz im Sinne von Jesus Christus, der sagt, was ihr für einen meiner geringsten Brüder und einer meinen geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan. An die „geltende Gesetzeslage“ wird er sicherlich nicht gedacht haben.“ 
 

[elisabeth mayr]

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